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	<title>kontext &#187; Frankfurter Allgemeine Zeitung</title>
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		<title>Freie Grütze: Ein Kommentar zur Open Access Week in der FAZ</title>
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		<pubDate>Tue, 20 Oct 2009 21:07:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ben</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kommentar]]></category>
		<category><![CDATA[Open Access]]></category>
		<category><![CDATA[2009]]></category>
		<category><![CDATA[Frankfurter Allgemeine Zeitung]]></category>
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		<description><![CDATA[Gerade auf die Kosten von Open Access, aber auch auf die Folgen einer Monopolstellung elektronischer Medien und auf urheberrechtliche Bedenken verweisen die Kritiker dieses Ansatzes [OA-Förderprogramm der DFG]. Solcher Skepsis setzen die Teilnehmer der Aktionswoche Vorträge und Informationsstände entgegen. Wenn das beide Seiten darüber ins Gespräch bringt, wie und um welchen Preis Open Access die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>Gerade auf die Kosten von Open Access, aber auch auf die Folgen einer Monopolstellung elektronischer Medien und auf urheberrechtliche Bedenken verweisen die Kritiker dieses Ansatzes [OA-Förderprogramm der DFG]. Solcher Skepsis setzen die Teilnehmer der Aktionswoche Vorträge und Informationsstände entgegen. Wenn das beide Seiten darüber ins Gespräch bringt, wie und um welchen Preis Open Access die Wissenschaftslandschaft verwandelt, dann hätte sich der Einsatz schon gelohnt. Dass Open Access niemanden hungern lässt, beweist bereits die Universitätsbibliothek Kassel. Dort will man Grütze verteilen, deren Farbe und Form dem Logo der Bewegung nachempfunden sind. Natürlich kostenlos.</p></blockquote>
<p>Die Frankfurter Allgemeine Zeitung kommentiert in ihrer morgigen Ausgabe auf den Seiten zum Thema Forschung &amp; Lehre (leider nur) kurz die<em> <a href="http://www.openaccessweek.org/">Open Access Week</a></em>.  (<em>Grütze gegen Zweifel</em>, Seite N 5, bislang nicht frei im Netz) An andere Mittwochen hat sie allerdings schon sehr prägnante Beiträge zur Debatte beigesteuert.  Diesmal preist sie eher allgemein die Diskursivität der Woche und die Kassler OrAnge-Grütze (so wäre wohl die passende Schreibweise).</p>
<p>Der Untertitel des kleinen Zweispalters &#8211; <span>&#8220;Eine Woche für das kostenlose Lesen im Internet&#8221; &#8211; </span> zeigt jedoch, dass hier (wahrscheinlich mehr noch in der FAZ als in der OA-Bewegung) die Auswirkungen von Open Access mit der rein ökonomischen und publikationsbezogenen Sicht nicht ganz ausgeschöpft und behandelt wurden. Da wird das aktuelle Hauptthema der Pressewelt zuungunsten anderer Effekte des Open Access überbetont, denn der freie Zugang, der genau genommen für all diejenigen, die ihren Netzanschluss selbst bezahlen, auch nicht kostenlos ist, stellt nur eine der Folgen von Open Access dar. Und auch um das Lesen geht es nicht allein.</p>
<p>Letztlich scheint das Thema des offenen Lesezugriffs auf Aufsätzen sogar ein bisschen erschöpft: die Wissenschaftsverlage haben das <em>Author-Pays</em>-Model als Option übernommen, die Wissenschaft lässt sich darauf ein, und dass die Inhalte frei abgerufen werden können, wird außerhalb der Verwertungsindustrien übergreifend als erstrebenswert akzeptiert. Spätestens wenn die entsprechenden Modelle auch die letztgenannte Gruppe umsortiert haben, wird in der Wissenschaft der freie Zugang zu den Diskursen aller Erwartung nach ein Standard sein.</p>
<p>Interessanter als die Frage, ob man vor der Einsicht eines Textes bezahlen muss oder nicht, ist jedoch, wie sich das wissenschaftskommunikative Verhalten im digitalen Umfeld generell verändert und welche Rolle Open Access dabei spielt.  Die freie Teilhabe an Wissenschaftsdiskursen drückt sich nicht zuletzt in neuen Möglichkeiten des Beisteuerns von Inhalten aus. Die zeitnahe Publikation von sich aufeinander direkt beziehenden Diskursbeiträgen, wie man sie in der Blogosphäre regelmäßig antrifft, könnte die kommunikative Praxis auch in der Wissenschaft auf längere Sicht durchaus gehörig umgraben. Zu Aufsatz und Monographie würden sich informellere und schnellere Formen des Austausches und auch des argumentativen Aushandelns gesellen.</p>
<p>Der freie Zugang zu diesen Diskursen (und nicht nur der Lesezugriff auf die Publikationen) verwischt die Grenze zwischen Experten und Laien. Das mag nicht jede Disziplin gleichermaßen und gleichschnell betreffen, aber gerade in weniger auf Entdeckung/Entwicklung als auf Argumentation bauenden Fächern könnte sich leicht das wiederholen, was man an populären Mediendiskursen wie dem um den Heidelberger Appell beobachten konnte. Wie man in solchen Kommunikationsräumen ein gewisses Qualitätsniveau sichert, ist übrigens eine Frage, mit der die deutsche Presse mit ihren Leserkommentaren Tag für Tag nicht unbedingt erfolgreich kämpft&#8230;</p>
<p>Die traditionellen Formen der Wissenschaftskommunikation orientieren sich darüber hinaus nach wie vor an der Fassbarmachung über Papier. Auch digitale Publikationen werden bisher zumeist in Seitenform gesetzt, sind dadurch nicht zuletzt als Einzeldokument indentifizierbar und lassen sich hinsichtlich des Zugriffs überschauen bzw. auch mittels Social-DRM u.ä.  kontrollieren. Ob die digitale Kommunikation allerdings langfristig viel vom wissenschaftlichen Aufsatz mit im Schnitt 10 Seiten Länge übrig lassen wird, ist nicht vorhersehbar. Vielleicht entsprechen die tradierten Formen wie z.B. die Geschlossenheit eines publizierten Textes auch langfristig einem kognitiven Optimum und werden sich halten. Vielleicht etablieren sich aber auch völlig andere Strukturen für die Abbildung des Diskurses.</p>
<p>Dass die Bereitstellung von Primärdaten mittlerweile zu einem Thema auch für Verlage geworden ist, zeigt dagegen, wie sich auch auf dieser dokumentenstrukturellen Ebene Formvorgaben aus der analogen Praxis aufzulösen beginnen. Stoffliche Zwänge und drucktechnische Notwendigkeiten für die Abbildung von Inhalten gibt es dafür nicht mehr.</p>
<p>Ungeklärt ist bisher, inwiefern sich die Wissenschaftsverlage in diesem Zusammenhang tatsächlich positionieren können und inwieweit die öffentlichen Wissenschaftsinstitutionen und neue Akteure (vielleicht auch Google) an dieser Stelle die Plattformen und digitalen Kommunikationswerkzeuge entwickeln. Und natürlich, wie diese Entwicklungskosten finanziert werden. Womit sich der Kreis in gewisser Weise doch wieder schließt. Für die Wissenschaftsförderung wird es zweifellos sinnvoll sein, Open Access langfristig nicht nur in Hinblick auf das elektronische Publizieren, sondern direkt in Bezug auf die Entwicklung von Diskursinfrastrukturen zu betrachten. Diese werden sicher aus mehr als Repositorien und Zeitschriften bestehen.</p>
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		<title>Ein freier Download ist noch kein Open Access. Die FAZ zu einer Tagung.</title>
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		<pubDate>Mon, 27 Apr 2009 10:17:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ben</dc:creator>
				<category><![CDATA[Open Access]]></category>
		<category><![CDATA[2009]]></category>
		<category><![CDATA[Blattkritik]]></category>
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		<category><![CDATA[Digitalität]]></category>
		<category><![CDATA[Frankfurter Allgemeine Zeitung]]></category>
		<category><![CDATA[Konferenzbericht]]></category>
		<category><![CDATA[Presseschau]]></category>
		<category><![CDATA[Thomas Thiel]]></category>
		<category><![CDATA[Urheberrecht]]></category>

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		<description><![CDATA[Oha! Der Wagen läuft und läuft und die Debatte zur Themenkonstellation Internet – Gratismentalität – Kulturverfall – Piraten gibt dem Betrachter das Gefühl, er taumele geradewegs über die Monkey Island. Dies gilt besonders und bedauerlicherweise für die Qualitätspresse, die hier Textbaustein an Textbaustein reiht um schließlich die LeChucks der sieben Webmeere mit Malzbier zu bezwingen. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Oha! Der Wagen läuft und läuft und die Debatte zur Themenkonstellation Internet – Gratismentalität – Kulturverfall – Piraten gibt dem Betrachter das Gefühl, er taumele geradewegs über die Monkey Island. Dies gilt besonders und bedauerlicherweise für die Qualitätspresse, die hier Textbaustein an Textbaustein reiht um schließlich die LeChucks der sieben Webmeere mit Malzbier zu bezwingen. Man könnte nun sagen, dieses Schiff sei längst abgefahren.</p>
<p>Man könnte aber auch sagen, dass so mancher Journalist in seiner hanebüchenen Annäherung an das Thema dahingehend offenbart, dass er nicht einmal mit Wasser kocht. Heute ist in der Frankfurter Allgemeinen der erstaunlicherweise und sicher für einen Artikel aus seinem Fachgebiet mit dem Axel-Springer- Preis 2008 ausgezeichnete Germanist und Feuilleton-Mitarbeiter Thomas Thiel an der Reihe, mit bestenfalls Zehntelwissen über das, was „Open Access“ ist, zu brillieren. „Es ist nicht die Zeit für leichtfertige Reden.“ Recht hat er. Warum tut er’s aber?: <a href="http://www.faz.net/p/Rub013457531D514A289550C982F21BCDBF/Dx1~E85dfb0a6f85348027eaca634fe7305ac~ATpl~Ecommon~Scontent.html">Ein Handyton ist keine Symphonie</a>.</p>
<p>Sein Bericht zur Brüsseler Goethe-Instituts-Konferenz über den „Schutz geistigen Eigentums im digitalen Raum“ beruht nämlich auf der irrigen Annahme, <em>Open Access</em> hätte irgendetwas mit der Musikindustrie zu tun. Den Tipp hat er wohl von seiner Kollegin Sandra Kegel, der ja bereits am Samstag ihr <a href="http://www.faz.net/s/Rub5A6DAB001EA2420BAC082C25414D2760/Doc~EB0BCF2CAEAF146C29F4668106DF43986~ATpl~Ecommon~Scontent.html">Kommentar auf der Titelseite</a> der FAZ derart entglitten ist, dass man als Kioskleser gleich das ganze Blatt wieder auf den Stapel zurückwarf. Man kann, darf und muss sicher bei dieser Diskussion problematisieren, was das Zeug hält. Das befreit einen aber noch nicht davon, wenigstens einmal in der Wikipedia nachzulesen, was Open Access eigentlich bedeutet. Dann unterbietet man nicht noch Roland Reuß in Unkenntnis der Materie:</p>
<blockquote><p>„Den Vertretern des Open Access reicht meist die Schreckkulisse der vier major labels, die den Musikmarkt im Würgegriff halten, der Medientycoone vom Format Berlusconis oder Murdochs, um mittelständische Betriebe, Kleinverlage oder Garagenlabels in Sippenhaft zu nehmen und die Abschaffung jeder Art von Vermittlungsinstanz zu fordern.“</p></blockquote>
<p><em>Open Access</em> pfeift auf Universal, Sony, Berlusconi und Rupert Murdoch. Und zwar nicht, weil es für freie Unterhaltung für freie Bürger eintritt, sondern weil diese Akteure nichts, aber auch rein gar nichts mit wissenschaftlicher Kommunikation zu tun haben. Und die Open Access-Bewegung möchte auch keinen mittelständigen Verlag und auch kein kleines Garagenlabel enteignen. Nein, wirklich nicht. Sie fordert nirgendwo die Abschaffung für Vermittlungsinstanzen für derartige Kulturprodukte. Sie möchte einzig (vorrangig natur-) wissenschaftliche Publikationen – und zwar nicht einmal ausschließlich sondern gern parallel zu einer Verlagspublikation – für andere Wissenschaftler und mittelbar natürlich für die interessierte Öffentlichkeit ohne große Hürden zugänglich machen.</p>
<p>Die Aussage Thomas Thiels, die Open-Access „favorisiert den Feierabendkünstler, den Sampler und Tüftler, den es vor urheberrechtlichen Behinderungen bei seinen Collagen zu schützen gilt“ zeugt also entweder von einem sehr abwertenden Verständnis von Wissenschaft oder schlicht von einer beeindruckenden Unbedarftheit gegenüber der Materie. Der Physiker als Feierabendkünstler. So dummdreist arrogant müsste man erst einmal sein.</p>
<p>Im Ernst: Natürlich mein der vielfältig studierte Feuilletonist etwas anderes, nämlich die Gruppe, die gemeinhin als Piraten gelabelt wird und zu denen streng genommen jeder gehört, der sich ein Bundesligator oder ein nicht autorisiert eingestelltes Musikvideo bei Youtube anschaut (bzw.<em> entert</em>). Also vermutlich jeden, vielleicht einige Mitglieder der FAZ-Redaktion ausgenommen, was ihren Informationsrückstand in Internetthemen erklären mag. Und eventuell Myriam Diocaretz vom europäischen Schriftstellerverband, die prophezeit:</p>
<blockquote><p>„Open Access wird zum Aussterben des Schriftstellers führen, und zwar des ganzen Berufs“</p></blockquote>
<p>und wohl auch noch mal zur Wikipedia muss. Vielleicht weiß sie aber auch mehr und die DFG zwingt jetzt auch Daniel Kehlmann zur Publikation seiner Wissenschaftsgeschichtsprosa auf freien Servern. Und Rowohlt alle Nabokov-Texte, in denen Anspielungen auf Lepidoptera zu entdecken sind, frei interessierten Zoologen zur Verfügung zu stellen. Was die Debatte anscheinend dringlich braucht, ist eine offene Open Access-Nachschulung und obwohl die dafür notwendigen Dokumente weitgehend frei im Internet verfügbar sind, werden sie anscheinend nicht heruntergeladen. So vervielfältigungsgeil scheint der normale Nutzer also gar nicht zu sein&#8230;</p>
<p>Ein anderer zentraler Aspekt, der auf den ersten Blick irritiert, weil er sich mit dem geläufigen Verständnis von Öffentlichkeit nicht deckt, betrifft ein Argument des Medienwissenschaftlers Geert Lovink, der laut Thomas Thiel davon ausgeht, dass</p>
<blockquote><p>„Wenn die Arbeit von Autoren und Verlegern unbezahlt vervielfältigt würde, […] die Grundlage öffentlicher Meinungsbildung, damit auch die Demokratie bedroht. Es habe sich gezeigt, dass Blogs die umfassende Berichterstattung nicht übernehmen können, und gleichzeitig sorgfältiger publizistischer Arbeit zunehmend die finanzielle Grundlage wegfallen.“</p></blockquote>
<p>Man kann es auch so lesen: Ausgerechnet der freie und damit konsequent öffentliche Zugang zu Information gefährdet die öffentliche Meinungsbildung und damit die Demokratie.</p>
<p>Ein Monatsabo einer der beste Tageszeitungen der Welt kostet immerhin etwa 25 Euro mit Monat, dass der FAZ 39,50. Damit werden bestimmte Gehaltsgruppen konsequent vom Zugang zu solcher „sorgfältigen publizistischer Arbeit“ zunächst einmal ausgeschlossen. Ob diese Zugangsgestaltung die Demokratie fördert, darf man ruhig mal hinterfragen. Ich würde jedenfalls jemandem, der 40 Euro im Monat für Berichterstattung auszugeben bereit ist, in jedem Fall eher zu einer Internet-Flatrate als zu einer Papierflatrate der FAZ raten.</p>
<p>Dass freier Zugriff die Demokratie bedroht, meint Geert Lovink hoffentlich nicht. Er weist wahrscheinlich irgendwie zu Recht auf das Grundproblem hin – und nicht ein Vertreter der Open Access-Bewegung wird ihm da widersprechen – dass auch Autoren, selbst Blogger von etwas leben müssen. Sonst können sie einfach nicht schreiben. Die Frage ist, ob dies im digitalen Umfeld über eine Exemplarabrechnung sein muss.</p>
<p>Diese Brüsseler Zuspitzung ist an sich natürlich fahrlässig, denn der Artikel suggeriert, dass keine Alternative zu den 1,90 Euro, die der FAZ-Leser am Kiosk mittlerweile für eine immer schmalere Handvoll Papier bezahlt, existiert. Dass bisher anscheinend kein anderes praktikables Geschäftsmodell für die Zeitungswirtschaft etabliert ist, bedeutet aber nicht automatisch, dass das alte nun die ewiglich unumstößliche Variante ist. Thomas Thiel hat verständlicherweise in seinem Abschlusssatz Angst um seinen Lebensunterhalt:</p>
<blockquote><p>„Weil es für all diese Modelle aber keine wirtschaftlichen Kalkulationen gibt, bleibt ihr Erfolg unsicher. Ob sie Autoren eine Lebensgrundlage bieten können, bleibt fraglich.“</p></blockquote>
<p>Vermutlich wird er aber in fünf Jahren in irgendeiner Onlineredaktion zum Festgehalt sitzen und sich wundern, dass alles gar nicht so schlimm kam…</p>
<p>Und schließlich wird unterstellt, jemand hätte ernsthaft Lust, die Zeitungsinhalte zur Tagesberichterstattung raubzukopieren. Das ist doch gar nicht notwendig: Sie stehen oft ohnehin offen im Internet und ansonsten liest man in der Stadtbibliothek.</p>
<p>Es ist obendrein nicht so, dass Blogs unbedingt die umfassende Berichterstattung übernehmen wollen. Man wundert sich immer wieder, wie etablierte Medienwächter, allem, was sie nicht verstehen, den Griff nach der Weltherrschaft unterstellen. Wenn man aber erkennt, dass man sich ihr in der abendländischen Konflikttradition zwischen Orthodoxie und Ketzertum bewegt, ist eine derartige Spaltung der Auffassungen und die Vehemenz im Deutungsstreit wiederum fast vorhersehbar. (Wer es noch nicht erkennt, darf mal bei Carl Amery nachlesen.)</p>
<p>Die Beobachtung, die die FAZ und andere so kirre macht, ist, dass es tatsächlich Leute gibt, die gern und viel schreiben und ihr Einkommen mit anderer Erwerbsarbeit verdienen und die anscheinend nicht durchgängig als so schlecht angesehen werden, dass man bei ihnen nicht eine Zuwanderung von Zeitungslesern vermuten würde. Das zeugt allerdings von einer sehr begrenzten Fantasie hinsichtlich dem kulturellen Gestaltungs- und Ausdruckswillens gebildeter Menschen. Es geht nicht mehr jedem um totale Verwertung. Der <em>Homo Oeconomicus</em> ist keine sinnvolle und befriedigende Vollzeiteinstellung in der Überflussgesellschaft. Manch einer hat einfach Freude an der Debatte. Manch einer schreibt gern. Dass man als engagierter Demokrat und Medienrezipient mit Interesse beides liest – auch die FAZ-Blogs sind oft weitaus lesenswerter als die Zeitung selbst – bemerkt man in den Gesprächen zur strategischen Produktentwicklung in den Pressehäusern offensichtlich bisher nicht.</p>
<p>Es ist dennoch gut vorstellbar, dass die FAZ der Zukunft ein Verfahren, wie man es schon beim <a href="http://www.freitag.de/">Freitag </a>angedeutet sieht, einführt: Man lädt Leute im großen Stil zum Bloggen ein, sucht sich die jeweils besten Texte für den Druck aus, zahlt eine kleine Aufwandsentschädigung und spart sich somit einen weiteren Teil der Redaktion. Der verbliebene ist den ganzen Tag mit Sichten, Lesen und Redigieren der Blogpostings beschäftigt, so wie er heute noch die Presse- und Agenturmeldung durchblättert. Das Zeitungsgeschäftsmodell der Zukunft wird sich also vor allem mit Anreizsystemen für gute, freie Autoren befassen müssen. Und dann die Überweisung der Kulturflatrate verteilen.</p>
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		<title>Tigerentensprung: Richard Kämmerlings sieht in der FAZ das Papier vergehen.</title>
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		<pubDate>Fri, 06 Feb 2009 17:40:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ben</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Da die dafür eigentlich besser geeignete Blogplattform des ib.weblog (viel mehr Publikum) momentan wieder an der Altersschwäche des tragenden Servers leidet, wundere ich mich hier darüber, was eigentlich mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung los ist. Mittwoch schreibt Oliver Jungen eine bemerkenswert aufgeplusterte Suada gegen das deutsche Bibliothekswesen, das nicht so will wie er und deshalb [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Da die dafür eigentlich besser geeignete Blogplattform des <a href="http://weblog.ib.hu-berlin.de/">ib.weblog</a> (viel mehr Publikum) momentan wieder an der Altersschwäche des tragenden Servers leidet, wundere ich mich hier darüber, was eigentlich mit der <em>Frankfurter Allgemeinen Zeitung</em> los ist. Mittwoch schreibt Oliver Jungen eine bemerkenswert aufgeplusterte <a href="http://www.faz.net/s/Rub475F682E3FC24868A8A5276D4FB916D7/Doc~E84E3C587F892425BAA8C8D4A01B27D7E~ATpl~Ecommon~Scontent.html">Suada</a> gegen das deutsche Bibliothekswesen, das nicht so will wie er und deshalb derart mit Ressentiments zugeknallt wird, dass man es selbst als jemand, der durchaus der manchmal etwas ausgeprägteren Selbstgefälligkeit der Bibliothekswelt einen Tropfen Wermut in den Becher der Selbstbespiegelung wünscht, aber eigentlich eher <em>mehr Mut</em>, nur mit Kopfschütteln ob des hinterm Faust-Zitat lauernden Haudrauf-Journalismus reagieren kann (vgl. auch <a href="http://weblog.ib.hu-berlin.de/?p=6561">hier</a>).</p>
<p>Was sich aktuell so an Beiträgen in der FAZ-Welt abspult, greift durchaus in die selbe Schlaufe, an der auch solche Phänomene wie Verringerung des Umfangs, weitläufige und textsparende Layout-Änderung sowie Erhöhung des Einzelverkaufspreises hängen. So hält man weder den Mythos &#8220;Qualitätsjournalismus&#8221; noch die Auflage hoch, denn weniger für&#8217;s Geld ist dem Leser, der sich natürlich auch mit den virtuellen Alternativen auskennt, eigentlich nicht zu vermitteln. Der holt sich dann ein, zwei Mal in der Woche am Zeitungsstand etwas aus Großbritannien und als FAZ-Feuilletonersatz Sinn und Form. Für die Nachrichten geht man heute gleich zu Reuters, da wartet man nicht auf Deutschland und die Welt von morgen. Wir halten keine Aktien an dem Blatt und das Abonnement wurde auch nicht verlängert, insofern könnte man kühl bleiben. Aber online liegt die Zeitung dann doch mit den anderen im <em>Feed</em> zu den Themen des Tages und so entdeckt man gerade, was der Popfeuilletonist Richard Kämmerlings zum Thema <a href="http://www.faz.net/s/Rub5A6DAB001EA2420BAC082C25414D2760/Doc~E28A787E545CB468089F695E37557ADAF~ATpl~Ecommon~Scontent.html">E-Books, Papier und Vinyl kommentiert</a>.</p>
<p>Wir verstehen, dass das Feuilleton wie die tagesaktuelle Presse überhaupt am besten mit Alarmismus punktet und erinnern uns als einst treue Leser daran, dass derselbe Autor im Februar 2006 schon mal das Ende der Literaturgattung Lyrik aufziehen sah, wobei allerdings erst vor einigen Wochen der noch halbwegs junge deutsche Nachwuchsdichter Durs Grünbein in der <a href="http://www.welt.de/kultur/article3008077/Ein-letztes-Gedicht-fuer-den-Palast-der-Republik.html">WELT bewies</a>, dass ihm sein Talent tatsächlich nass geworden ist.</p>
<p>Nun hat Richard Kämmerlings auch ein iPhone und zeigt uns, was schon letztes Jahr um diese Zeit problemlos möglich war, als eine die Medienwelt umstürzende Innovation: Er kann Shakespeare auf dem Telefon lesen. Auch unter der Bettdecke. Auch in &#8220;schummrigen Dichterkneipen&#8221;. Seit mindestens 12 Jahren konnte man <em>Romeo and Juliet</em> aber auch schon auf jedem transportablen Computer durch die Welt tragen, denn seitdem ist das &#8220;E-Book&#8221;, welches eigentlich eher ein E-Text ist, bei gutenberg.org <a href="http://www.gutenberg.org/etext/1112">verfügbar</a>. Mittlerweile sogar auf <a href="http://www.gutenberg.org/etext/15643">Finnisch</a>. Gratis zum Download oder zum Lesen am Bildschirm. Dennoch sind aktuell noch dutzende Printausgaben erhältlich. Eine Handvoll E-Book-Varianten ebenso. Das lässt eigentlich mehr auf eine friedliche mediale Koexistenz schließen, als auf eine Revolution, bei dem die <em>Kindle</em> an die Macht der Literaturvermittlung drängen.</p>
<p>Aus irgendeinem verrückten Grund, der seine Ursache wohl im abgrundtiefen Glauben an eine auf medienökonomischen Trivialdarwinismus justierte Wettbewerbsgesellschaft findet, ist Vielfalt für das Feuilleton nicht nur der FAZ selten eine respektable Option. Daher schreckt man dort auch mal hoch aus dem sinnlichen Vergnügen, welches der Apple-Touchscreen vermittelt, wenn Thalia groß verkündet, dass es die Restauflage des Sony-Readers der letzten Saison nun in Deutschland an den Mann zu bringen versuchen wird. Zwar hatte schon die Frankfurter Buchmesse im Herbst einen Showroom für elektronische Lesegeräte, aber da es sie damals schwerlich in Deutschland zu kaufen gab, muss man den Sensationsdiskurs vom <a href="http://www.faz.net/IN/INtemplates/faznet/default.asp?tpl=common/zwischenseite.asp&amp;dox={F02CF8B6-725C-9517-89E9-1929BC70D9F7}&amp;rub={BE163169-B432-4E24-BA92-AAEB5BDEF0DA}">Ende des Buchs</a> aus dem Oktober für den März noch einmal aufwärmen. Seit letztem Jahr heißt es dazu so beständig &#8220;Amazon wird mit seinem &#8216;Kindle&#8217; bald nachziehen.&#8221;, dass der Satz, besäße er mehr Biss, vielleicht schon zur Spruchweisheit ins kollektive Sprachgut übergewechselt wäre. Es stünde für eine Hornisse, die dem Buchmarkt als Kampfelefant angekündigt wird und irgendwann als etwas wintermüde Schwebfliege hereinflattern wird.</p>
<p>Nun schwächt sich eine nur über ein unbestimmtes &#8220;bald&#8221; terminierte Drohung mit den Monaten bis Jahren etwas ab, bis sie niemanden mehr stört. Denn selbst im erfolgreichen Amerika hat der Kindle zwar seine Lücke mit schätzungsweise <a href="http://www.engadget.com/2009/02/03/citigroup-analyst-says-500-000-kindles-were-sold-in-2008/">500.000 Nutzern</a> gefunden aber keinesfalls dazu geführt, dass gerade Amazon keine gedruckten Bücher mehr verkauft.</p>
<p>&#8220;Die Medienevolution macht gerade einen Tigersprung&#8221; meint dagegen der schlagwortgeschulte FAZ-Kommentator und staunt, dass er überall mit seinem Telefon Texte aus dem Internet ziehen kann. Dass Google dabei sein gescanntes Bucharchiv beisteuert, ist auch nett. Aber beileibe kein &#8220;Tigersprung&#8221; und wer hier nicht folgen kann, hat einfach seit den 1990ern das Internet verpasst.</p>
<p>Zur Unpässlichkeit, die den Vergleich Buchbranche und Musikindustrie befällt, muss man eigentlich nicht viel sagen. Denn man vergleicht mit dem Buch als Trägermedium für Text und mit der Schallplatte als Trägermedium für aufgezeichneten Klang zwei in der Rezeption vollkommen unterschiedliche Medienformen: Während Lesen nämlich prinzipiell ein aktiver und bewusster Akt ist, bei dem das Auge selbst und ohne Hilfsmittel &#8211; es sei denn einer Brille für die Fehlsichtigen &#8211; den Datenbestand wenn man so will direkt von der Trägeroberfläche abnimmt, wird aufgezeichnete Musik auch passiv und unbewusst erfahrbar. Kein Ohr muss sich den Klängen nacheilend bewegen. Das Lesen fordert die Bewegung auch im stillsten Bibliothekszimmer. Die Musik versetzt im besten Fall in selbige. Dafür muss sie, wenn nicht zeitgleich dargeboten, aber schon seit der Edison-Walze mittels eines Abspielgerätes wiedergegeben werden. Dass selbiges heute <em>iPod</em> heißt und nicht mehr <em>Technics 1210er</em> bedeutet nichts anderes als eine konkret nicht ganz aber abstrakt durchaus vermutbare Entwicklung der Technik.</p>
<p>Dass sich das Medium Buch dagegen vergleichbar anfällig für einen plötzlichen Sprung auf die Anzeige vermittels Taschendisplay zeigt, ist nicht unbedingt ausgemacht. Der Vorteil der Lesegeräte liegt zweifellos in der Optimierung des Speicherbedarfs, die man sich aber mit dem Aufwand der Synchronisation und der generellen Fehleranfälligkeit digitaler Geräte bis hin zum Formatproblem und der auch und gerade für die Verlage hoch problematischen Rechtesituation erkauft. Datenschutzprobleme &#8211; wer liest welches Buch &#8211; kann man noch drauf addieren, wenn man denn möchte.<br />
Blöd ist bloß, dass die wirklich schweren Folianten recht alternativlos an die Druckvariante gebunden sind, da der Helmut Newton aus dem Fotoband auf dem iPhone wirklich nur wirkt, wie ein Abziehbildchen aus dem WWW. Den Heinz Strunk als Paperback bekommt man dagegen meist doch noch in die Laptoptasche und wenn der im Zug liegen bleibt, dann ist es vielleicht sogar besser, in jedem Fall kein großer Verlust.</p>
<p>Wer also nicht den permanenten Zugriff auf eine halbe Million Bücher braucht, sondern auf ein bis drei, für den reduziert sich der Vorteil eines E-Book-Readers schnell auf das eingebaute Leselicht. Das kann nett sein und es spricht auch nichts dagegen, solch ein Gerät zu besitzen und zu benutzen. Jedoch die Pferde der Buchbranche immer wieder aufschrecken zu wollen und ihnen zuzurufen, dass ab morgen andere Sattel die einzig richtigen sind, wirkt mittlerweile ziemlich grotesk.</p>
<p>Denn abgesehen von Sony, Amazon und Thalia braucht diese Geräte aktuell fast niemand. Nicht einmal die Verlage. Der Markt für das gedruckte Buch ist im Gegensatz zum CD-Markt am Vorabend des mp3-Formats weitgehend intakt und kaum von Piraterie bedroht. Sinnvoll wäre es, sich ein wenig Zeit zu lassen und zu verstehen, dass die eigentlich relevanten digitalen Texte eigentlich die sind, die im Internet entstehen. Was der Markt für mobiles Lesen und Laden vielmehr sucht, sind nicht die <em>Reader</em>, sondern handliche, lesbare und kleine Sende-und-Empfangsgeräte. Mit denen sich auch schreiben und vielleicht fotografieren, in jedem Fall twittern und bloggen lässt. Das iPhone ist näher am Ball als der Sony Reader und insofern hat Richard Kämmerlings schon richtig investiert. Dass mit solch einem Multifunktionsgerät bei Bedarf auch mal einen Roman oder junge deutsche Lyrik lesen kann, nimmt man gern mit. Zum Weihnachtsfest greift man aber vorerst doch lieber zu einen Leinenbändchen voll mit junger deutscher Lyrik in Geschenkverpackung statt zu  einer gezippten Datei mit Shakespeare-Medley.</p>
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