Selbstkontrolle und Transparenz: Facebook gibt den Nutzern das Eigentum an ihren Inhalten zurück
Posted in Datenschutz, Web 2.0 on February 27th, 2009 and tagged Facebook, GesellschaftEine Meldung und kurzer Gedanke zum Verhältnis Eigentum und Zugang:
Nachdem Teile der Flickr-Nutzerschaft im Sommer 2007 um einen freien Zugang zu allen (öffentlichen) Inhalten in der Community kämpften (vgl. hier), haben sich die Nutzer von Facebook ihr Recht auf das Löschen ihrer Spuren auf der Plattform zurückerstritten, nachdem zunächst die geänderten Nutzungsbedingungen des Anbieters einige Einschnitte setzten. Hier die aktuelle Erklärung:
“People should own their information. They should have the freedom to share it with anyone they want and take it with them anywhere they want, including removing it from the Facebook Service. People should have the freedom to decide with whom they will share their information, and to set privacy controls to protect those choices. Those controls, however, are not capable of limiting how those who have received information may use it, particularly outside the Facebook Service.”
Interessant ist dabei, wie sich der Aspekt Eigentum in einer auf Zugang ausgerichteten Gesellschaft verschiebt: Da wir auf diesen Plattformen in der Lage sind, unsere sozialen Interaktionen inklusive persönlichen Dialogen, die sich nun z.B. über “Pinnwände” vollziehen, zu fixieren und damit permanent vorhalten sowie durchsuchbar zu machen, entsteht eine Verletzlichkeit, die spezialisierte Berufsberater gern als “Karrierrefalle Internet” bezeichnen. Alles was man schreibt, kann irgendwann gegen einen selbst verwendet werden.
Wer bewusst publiziert, weiß vermutlich/hoffentlich um diese Gefahr. Inwieweit das, was man bei Facebook tut, aber einem Publizieren entspricht, ist nicht präzise abgrenzbar. Je nach Einstellung werden Interaktion, soziale Beziehungen und Vorlieben graduell öffentlich einsehbar. Der Aspekt der informationellen Selbstbestimmung greift da, wo der Anbieter derartige kodifizierte Interaktionen auch gegen den Willen dessen, der die Interaktion vorgenommen hat, vorhalten und sichtbar halten möchte. Facebook hatte dies versucht und damit einen mittlerweile Wunden Punkt getroffen.
Die Facebook-Debatte führte dabei ganz offensichtlich zu einer weiteren Sensibilisierung seitens der Anbieter, aus der ein eindeutiges Zugeständnis des umfassenden Eigentums an eigenen Interaktionen, inklusive des Vernichtens der Abbildungen dieser Interaktionen, hervorgeht. Dieses Eigentum ist virtuell. Während also im Netz mit dem Datenträger zunehmend der Mythos verschwindet, dass man den auf ihm gespeicherten Inhalt als Eigentum besitzt, zeigt sich ein wachsendes Bewusstsein dafür, dass man in der Kommunikationswelt des WWW wirklich Herr seiner/seines Selbst ist (oder wenigstens zu sein versuchen sollte).
Die New York Times findet dafür die Überschrift: Facebook Tries to Become a Democracy. Die Basis einer Demokratie liegt darin, dass sich die Mitglieder ihrer Rechte bewusst werden. Dass dies nun bei dieser Plattform der Fall ist und Facebook obendrein ein Transparenzgelübde ablegt, ist durchaus begrüßenswert.