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	<title>kontext</title>
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	<pubDate>Tue, 01 Jul 2008 14:15:20 +0000</pubDate>
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		<title>&#8220;A mega-corp took advantage of the optimistic hopes of a non-profit and that’s news?&#8221;, Googles Verhältnis zu den Bibliotheken</title>
		<link>http://kontext.edublogs.org/2008/06/30/a-mega-corp-took-advantage-of-the-optimistic-hopes-of-a-non-profit-and-that%e2%80%99s-news-googles-verhaltnis-zu-den-bibliotheken/</link>
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		<pubDate>Mon, 30 Jun 2008 14:35:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ben</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Bibliothek]]></category>

		<category><![CDATA[Google]]></category>

		<category><![CDATA[Bibliothekswesen]]></category>

		<category><![CDATA[Debatte]]></category>

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		<category><![CDATA[Public-Private-Partnership]]></category>

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		<description><![CDATA[[diesen Text als PDF]

"Yes they used us, and some librarians (not you) were tricked. That’s what businesses do, particularly successful megapowerhouses like Google; it was nothing personal."

Das ist ein faszinierender Kommentar von einer Melissa zur Frage, inwieweit Google die Bibliotheken benutzt hat und zwar in einer nicht unbedingt altruistischen Weise. Überlegt jedenfalls Steven M. Cohen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: right">[<a href="http://kontext.edublogs.org/files/2008/07/kommentar_20080630.pdf">diesen Text als PDF</a>]</p>
<blockquote>
<p style="text-align: left">"Yes they used us, and some librarians (not you) were tricked. That’s what businesses do, particularly successful megapowerhouses like Google; it was nothing personal."</p>
</blockquote>
<p>Das ist ein faszinierender <a href="http://www.librarystuff.net/2008/06/29/usinglibrarians/#comment-24864">Kommentar</a> von einer <em>Melissa</em> zur Frage, inwieweit Google die Bibliotheken benutzt hat und zwar in einer nicht unbedingt altruistischen Weise. Überlegt jedenfalls Steven M. Cohen in seinem Weblog:<a title="Permanent Link to How Google Used Librarians…and Got Away With It" rel="bookmark" href="http://www.librarystuff.net/2008/06/29/usinglibrarians/">How Google Used Librarians…and Got Away With It</a>.</p>
<p>In der Tat ist <a href="http://librariancentral.blogspot.com/">Google Librarian Central</a> aus der letzten Sommerpause nicht wieder zurückgekehrt und ebenso ist es vergleichsweise etwas stiller hinsichtlich des Zusammenwirkens der Institution Bibliothek und dem Informationsunternehmen Google geworden.  Steven Cohen scheint es, als würde der marktdominante Suchmaschinist nun, da er von den Bibliotheken das bekommen hat, was er brauchte, das Bibliothekswesen mehr oder weniger im Regen stehen lassen, jedenfalls das Engagement deutlich drosseln:</p>
<blockquote><p>"So, their marketing department (those sly dogs) decided to buddy up with ALA and the entire library community to gain access to these print treasures so that they can scan and index them. ... There is no doubt in my mind that the entire library community was used.  ALA was used.  Those academic institutions that signed up were used.  And those librarians that played a part in the PR stunt were used. "</p></blockquote>
<p>Allerdings, so Cohen, wird das relativ folgenlos bleiben, denn das typische Fremd- und Selbstbild der Bibliotheken bemühend, sieht der Blogger keine Revolutionsstimmung, sondern nimmt schlicht an, dass sich die Community brav dem Lauf der Zeit fügen wird:</p>
<blockquote><p>"But even more, I’m disappointed in librarians who actually fell for this blatant marketing scheme.   Did they really think that this relationship would continue?  Did they grasp the importance of what Google was/is doing?  Will they fight back?  Or will they fit the stereotype that librarians are passive and let yet another company walk all over them?  I hope they won’t, but then again, I won’t be surprised if they do."</p></blockquote>
<p>David Rothman von TeleRead <a href="http://www.teleread.org/blog/2008/06/29/how-google-used-librariansand-got-away-with-it/">weist bei dieser Gelegenheit</a> gleich einmal auf den nächsten üblichen Verdächtigen hin:</p>
<blockquote><p>You can bet that if Amazon cranks up a major library effort, it, too, could seduce librarians, then abandon certain support efforts. Not to pick on Google alone!</p></blockquote>
<p>Natürlich nicht. Die ganze Web2.0/Bibliothek2.0-Euphorie weist in diese Richtung, genauso wie weite Teile dessen, was man als Bibliotheksmarketing und Bibliotheksmanagement angeboten bekommt.</p>
<p>Die "non-profit" Nutzerpartizipation und Generierung von Inhalten bis zur Selbstausbeutung wird auf weiter Strecke <span style="font-size: 12pt;font-family: Garamond">–</span> es gibt natürlich und glücklicherweise Alternativangebote <span style="font-size: 12pt;font-family: Garamond">–</span> von kommerziellen Akteuren bestimmt, denen es nicht vorrangig darum geht und nach der Definition auch nicht gehen kann, altruistisch tolle Produkte zu verschenken, sondern mit angepassten Geschäftsmodellen in möglichst ertragreiche Nischen vorzustoßen.</p>
<p>Letztlich stellen sie die Werkzeuge, mit denen Millionen Internetnutzer freudig und gut gelaunt für die Interessen <span style="font-size: 12pt;font-family: Garamond">–</span> d.h. <em>Pageimpressions</em>, Werbeflächen, Nachverwertung von Inhalten, Marktanteile, etc. <span style="font-size: 12pt;font-family: Garamond">–</span> einer Handvoll von Unternehmen tätig sind. "Will work for fun" ist die Devise und Abhängigkeit das Mittel zum Zweck. Wer sein soziales Netz ausschließlich über <em>Facebook</em> organisiert, begibt sich zwangsläufig in eine Abhängigkeit, aus der auszusteigen nur mit großen Mühen möglich ist. Andererseits kann z.B. eine Zeitung ihre Redaktion und ihren Mitarbeiterstab auf einige Koordinatoren verkleinern, wenn sich genügend "Leserreporter" finden, die das Blatt mit frischen Inhalten beliefern <span style="font-size: 12pt;font-family: Garamond">–</span> und zwar bestenfalls mit dem Anreiz der Namensnennung und einer Aufwandsentschädigung. Nicht nur für den Journalismus steht eine Deprofessionalisierung im Raum, deren Hauptproblem nicht, wie oft angenommen, darin liegt, ob die Hobbyjournalisten schlechter oder besser als die Profis arbeiten, sondern darin, dass sie bereit sind, dies nahezu ohne Gegenleistung zu tun. Ob das zwangsläufig dem Zeitgeist entspricht, müsste man diskutieren. In jedem Fall sollte man aber auch überlegen, welche Folgen daraus resultieren.</p>
<p>So wie es ausschaut, sind die Bibliotheken entsprechend in einer ähnlichen Situation, da sie mit vergleichsweise geringer Gegenleistung an einen Akteur mit kommerziellen Interessen zuliefern. Auch das ist an sich nicht verwerflich, wenn transparent ist, was, wie, wann mit diesen Zuarbeiten (in diesem Fall Inhalte) geschieht. Und wenn die Zuarbeit eines öffentlichen Akteurs auch wieder der Öffentlichkeit nutzt, also die öffentliche Aufgabe der Bibliothek wenn auch über einen Umweg wieder erfüllt wird. Wenn Google jedoch die Bibliotheken rein als Datenpool nutzt, weil es sonst nicht oder nur mit zähen Verhandlungen mit den oft eher störrischen Verlagen an die Vorlagen zur Digitalisierung gerät, die Bibliotheken also schlicht als Mittel zum einzig eigenen Zweck benutzt, ist es fraglich, ob eine öffentliche Institution sich auf diesen eher Kuhhandel einlassen sollte. Win-Win ist dies vielleicht, aber des Einen Gewinn übersteigt dabei überproportional den des anderen. Ein Hauptproblem gerade bei Google ist, dass nicht ganz deutlich wird, wohin sich das Interesse der Kooperation mit den Bibliotheken tatsächlich richtet, also die Intransparenz.</p>
<p>So wie es beim Privatfernsehen und -radio nicht um die Vermittlung von Inhalten geht, sondern um den Selbsterhalt des Unternehmens über den Verkauf von Werbeflächen, agiert auch Google ein wenig. Im Gegensatz zu Amazon, das klar an Endkunden verkauft, wird dies bei dem Informations-Anbieter aus Mountain View nicht ganz so deutlich. Derjenige, der bei Google eine Suchanfrage stellt oder seine E-Mail verwaltet ist im Prinzip kein Kunde, sondern Anreiz für Kunden, Anzeigen bei Google zu schalten.</p>
<p>Der Nutzer, der in einem OPAC recherchiert, ist dagegen eine Art "Kunde", auch wenn die Übernahme des Kundenbegriffs in das Bibliothekswesen gern zu Missverständnissen führt und sicher nicht die terminologisch beste Variante darstellt.</p>
<p>Während für das Unternehmen Google der Dienst am Informations-Nutzer gegenüber dem Dienst am Werbekunden sekundär sein muss, ist er für Bibliotheken zentral. Ersteren geht es um die Vermittlung von Werbung, Letzteren im Idealfall um die Vermittlung von Inhalten. Dabei sollte für Bibliotheken das Problem des Selbsterhalts marktextern durch öffentliche Finanzierung gelöst sein. Mit der Fokussierung auf den Marktgedanken auch in öffentlichen Bereichen verliert sich jedoch diese Selbstverständlichkeit, wobei in öffentlichen Verwaltungen unglücklicherweise häufig Wirtschaftlichkeit mit Markterfolg verwechselt wird.</p>
<p>Angesichts des Zurückfahrens dieser Basis und auch des verschwindenden Verständnisses, dass die Bibliothek als Institution mit öffentlicher Funktion für die informationelle Grundversorgung zu erhalten sei, ist es verständlich, dass man sich in einer solchen <em>Public-Private-Partnership</em>, bei der die Partner allerdings recht unterschiedliche Ziele verfolgen, einlässt. Oder sie über Gebühren ganz billig als Einnahmequelle erschließen möchte. Bei Scheitern des Modells ist dann auch gleich ein Argument für die Schließung auf dem Tisch.</p>
<p>Darin, dass Bibliotheken immer wieder eine verschärfte Bedrohungslage vorgezeichnet bekommen und leider auch sich selbst einreden, liegt sicher eine Ursache für das weithin spürbare Verlangen, sich an die (vermeintlich, weil entsprechend vermarkteten) erfolgreichen Akteure und Konzepte im virtuellen Informationsgeschäft zu hängen. Damit wird allerdings die Fähigkeit, sich eigenständig Perspektiven, Lösungen und Angebote zu überlegen, nicht unbedingt gefördert.  Kontingenz und <em>Best Practice</em> harmonieren nicht sonderlich.</p>
<p>Ich fürchte, ein Hauptproblem im Bibliothekswesen – und das teilt es mit dem Verlagswesen – ist nach wie vor, dass ihm ein stabiles Selbstbild fehlt, welches Perspektivität und eigenständige Entwicklung zulässt. Man bleibt für sich Underdog, geschockt durch den Erfolg von Google und entsprechend Prinzipien willfährig aufgreifend und zu den eigenen erklärend. Wenn OCLC sich anschickt, das "Google der Bibliotheken" zu werden und Google mit dem Datenbestand des <em>Worldcat</em> bestückt, sollte man sich vielleicht fragen, ob Google mit diesem Datenbestand OCLC überhaupt noch in einer anderen Rolle als die des Zulieferers benötigt. Eine gleichberechtigte Partnerschaft dürfte hier nicht im Raum stehen. Google profitiert von den optimierten Metadaten im MARC-Format für all die Bücher, die zwar gescannt aber nicht entsprechend formal präzise erschlossen wurden. Und OCLC darf dafür die Inhalte anbinden, die man sonst über Google-Books bekommt. Erstaunlicherweise greift man wieder auf das altbekannte Argument der "Visibility" zurück, welches da zugespitzt lautet, dass alles, was Google nicht sieht (bzw. sehen will), im Web nicht sichtbar ist. Allein schon die Existenz dieses Vermittlungsmonopol sollte zur Vorsicht mahnen: Ob "don't be evil" oder nicht – Google ist kein neutrales Werkzeug ohne eigene Interessen, sondern ein globales Wirtschaftsunternehmen, die teuerste Marke der Welt und in seinem Hauptgeschäft Quasi-Monopolist. Darüber, inwieweit es dem Wettbewerbsprinzip der informationellen Weltwirtschaft gut tut, diese Position weiter aktiv zu stärken, kann man ja mal reflektieren.</p>
<p>Auch in Bibliotheken, die sich jedoch an einer ganz anderen Stelle selbst beschäftigen: Auf der einen Seite steht das nicht tragfähige Beharren auf (vermeintlich) etablierten Qualitäten und auf der anderen das totale Hinterfragen der eigenen Existenzberechtigung. Das Googleversum erscheint hier entweder als Vorhölle oder als Paradies, Google entweder als Todfeind oder als Leitstern. Das Optimum liegt natürlich immer irgendwo dazwischen. Und so sollte man auch handeln: skeptisch offen.</p>
<p>Ein bewussterer Umgang, bei dem man u.a. aggressiv hinterfragt, was sich der <em>Private</em>-Partner von der Kooperation mit dem öffentlichen Akteur eigentlich an Nutzen verspricht, könnte hier durchaus helfen.</p>
<p>"Don't be evil" ist letztlich nur eine sehr dürftige, zur Besänftigung eventueller Zweifel gestrickte, Phrase, kaum gehaltvoller als Amazons "...and you 're done" oder die Beschwichtigungsmimik eines Fußballspielers nach einem Foul. Eigentlich ist die Verwendung einer solchen trivial-ethischen Plattheit, die nicht einmal den ähnlichen, aber immerhin mit einer zugegeben dürftigen und deswegen als halbhohle Werbephrase sofort durchschaubaren Mehrdeutigkeit von der "Wir sind die Guten"-Kampagne des Elektronikhändlers ProMarkt erreicht, sondern mit einem derartigen Leitbild tatsächlich auf Vertrauensbildung aus ist, weitaus verdächtiger, als der klar auf den Allround-Dienstleistungsanspruch von Amazon zugeschnittene Slogan. "Don't be evil" sollte man sicher nicht für barere Münze nehmen, als den Liebesbeweis von Flickr (<a href="http://l.yimg.com/g/images/flickr_logo_gamma.gif.v35314.14">Flickr loves you</a>). In einer Welt, in der Bedeutungen derart zu Marketingzwecken gedehnt werden, ist es schwer, noch mit Worten zu überzeugen...</p>
<p>Gerade weil nicht ganz klar ist, was so eine Aussage eigentlich meint bzw. inwieweit Google ein Unternehmen wie jedes andere ist und sein will und wie sehr "don't be evil" Lippen- oder Herzensbekenntnis oder einfach nur ein griffiges Verkaufsmotto ist, bleibt eine gesunde Skepsis vielleicht doch sinnvoller als allumfassende Affirmation.</p>
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		<title>&#8220;Das Buch ist ein Produkt, und als solches ist es zu verkaufen&#8221; - ein Zitat zum Thema e vs. print.</title>
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		<pubDate>Fri, 23 May 2008 12:39:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ben</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[E-Books]]></category>

		<category><![CDATA[Markt]]></category>

		<category><![CDATA[Medienverhalten]]></category>

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		<description><![CDATA[Im Zusammenhang mit der Vorstellung des neuen Random House-Leiters im FAZ-Feuilleton vom Mittwoch (Hintermeier, Hannes: Ein Außenseiter wird Spitzenreiter. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21. Mai 2008 (Nr. 117) , S. 39) findet sich eine schöne Formulierung zur Einstellung des Bertelsmann Vorstandsvorsitzenden Hartmut Ostrowski, die ganz gut in die aktuelle E-Book- bzw. E-Publishing-Debatte passt und daher [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Im Zusammenhang mit der Vorstellung des neuen Random House-Leiters im FAZ-Feuilleton vom Mittwoch (Hintermeier, Hannes: Ein Außenseiter wird Spitzenreiter. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21. Mai 2008 (Nr. 117) , S. 39) findet sich eine schöne Formulierung zur Einstellung des Bertelsmann Vorstandsvorsitzenden Hartmut Ostrowski, die ganz gut in die aktuelle E-Book- bzw. E-Publishing-Debatte passt und daher hier kurz notiert werden soll, bevor die Zeitung nachher im Altpapier landet:</p>
<div style="margin-left: 40px"> "In einer Zeit, in der die deutsche Buchbranche zwischen Hoffen und Bangen, zwischen Gutenberg und Internet oszilliert, setzt Ostrowski [...] ganz pragmatisch auf eine Manager-Lösung: Das Buch ist ein Produkt, und als solches ist es zu verkaufen."</div>
<p>Will heißen: Solange es den Markt dafür gibt, gibt es auch das Buch. Bislang scheint es den Markt trotz Internet durchaus zu geben, wird doch erwähnt, dass Random House unter Dohles Vorgänger Peter Olson immerhin in 10 Jahren vier Milliarden Bücher absetzen konnte. Das scheint mir nicht allzu wenig zu sein und offensichtlich geht bei Bertelsmann niemand davon aus, dass sich das Absatzvolumen demnächst fundamental ändert. Allerdings hält man dort auch noch mit den Buchclubs ein Vertriebsmodell, dass soviel Nostalgie versprüht, wie eine Langspielplatte, am Leben...</p>
<p>Und hoppla, gar nicht aus Versehen habe ich gestern auch wieder einmal eine solche gekauft. Denn wenn am Abends in gedimmter Atmosphäre und innerer Einkehr zu guter Musik über sein Tagwerk sinniert, stört das blinkend, fordernde Diodenspiel des CD-Spielers irgendwie. Ich vermute - und dazu gehört wahrlich nicht viel Fantasie - dass ein naher Trend der der verstärkten Offline-Zeit sein wird. Der mündige, aufgeklärte Konsument bedient sich dann natürlich beim Besten aus beiden Welten: der analogen und der digitalen. Insofern ist die optimale Strategie sicherlich die, diese beiden in friedlicher Koexistenz zu sehen und zu bedienen, als, wie es manchmal in den flotten Aufbruchsdiskursen derer geschieht, die in bestimmte Marktlücken und Deutungsvakuen zu stoßen trachten, von Ausschließlichkeit und/oder  Frontenbildung auszugehen.</p>
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		<title>Perspektive &#8220;(e)Book-enrichment&#8221;?</title>
		<link>http://kontext.edublogs.org/2008/05/19/perspektive-ebook-enrichment/</link>
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		<pubDate>Mon, 19 May 2008 13:48:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ben</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[E-Books]]></category>

		<category><![CDATA[]]></category>

		<category><![CDATA[e-book-Markt]]></category>

		<category><![CDATA[Trends]]></category>

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		<description><![CDATA[Überlegungen im Anschluss an dieses Posting.

O'Reilly TOC ist m.E. der momentan interessanteste und lesenswerteste unter den zahlreichen Weblogs, die sich mit den Möglichkeiten des elektronischen Publizierens bzw. von e-Books befassen. Und je intensiver man die Debatte dort (und auch anderswo) betrachtet, um so klarer wird, dass sich e-Books stärker als bisher vom Vorbild des Mediums [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Überlegungen im Anschluss an <a href="http://kontext.edublogs.org/2008/04/23/werden-sie-kaufen-oder-leihen-die-verlagsbranche-ratselt-uber-den-umgang-der-kunden-mit-den-buchern-einige-assoziationen/">dieses Posting</a>.<br />
</strong><br />
<a href="http://toc.oreilly.com/">O'Reilly TOC</a> ist m.E. der momentan interessanteste und lesenswerteste unter den zahlreichen Weblogs, die sich mit den Möglichkeiten des elektronischen Publizierens bzw. von e-Books befassen. Und je intensiver man die Debatte dort (und auch anderswo) betrachtet, um so klarer wird, dass sich e-Books stärker als bisher vom Vorbild des Mediums Buch (inklusive dem linearen Paradigma) verabschieden müssen, um einen nennenswerten Mehrwert und damit eine Marktchance zu entwickeln. Man kann natürlich weiterhin einer <a href="http://www.teleread.org/blog/2008/05/18/how-apple-could-respond-to-the-kindle/">i-Phone-etc.-Fixierung</a> unterliegen und hoffen, dass man hier durchschlägt, zumal es mittlerweile <a href="http://www.teleread.org/blog/2008/05/18/new-iphone-e-reader-rubooks/">iPhone-reader</a> gibt. Ob allerdings die Tech-Geeks, die begeistert die High-End-Devices kaufen, auch die sind, die in großer Zahl Bücher kaufen und lesen, darf man bislang jedenfalls bezweifeln. Um die primär bücheraffinen (und nicht primär technikaffinen) Zielgruppen zu erreichen, bedarf es eher solider und verlässlicher, vor allem standardisierter Produkte, die sich intuitiv erfassen und mit zwei Blicken in ihrer Funktionstiefe durchschauen lassen.<br />
Entscheidend wird am Ende jedoch sein, ob und wie e-Books einen Mehrwert gegenüber gedruckten Büchern aufweisen, der über die eher abgedroschenen und redundanten <a href="http://epublishersweekly.blogspot.com/2008/02/30-benefits-of-ebooks.html">30 E-Books-Benefits</a> von <em>Epublishers Weekly</em> hinausreichen. Sehr nett ist z.B.:</p>
<p>28 Ebooks help paperbook publishers to sell paperbooks. Cory Doctorow has explained that the giving away of ebooks, for free, has helped to sell the paperback editions of his stories and novels.</p>
<p>Das zeigt, wie unüberlegt man hier von professioneller Seite (Epublishers weekly) an das Thema herangeht, fegt doch die Reduktion des Mediums <em>e-Book</em> auf ein Marketinginstrument für das gedruckte Buch all das vorher so mühsam zusammengeklaubte an Pro-Argumenten (Man kann viele Titel mit sich herumtragen; E-Books können automatisch gelesen werden; Während ein E-Book gelesen wird, kann man etwas anderes tun; E-Books sind für die Verlage besser, weil billiger zu produzieren...) wieder vom Tisch.</p>
<p>Mindestens zwei interessante Formen der Optimierung des Mediums, die bei O'Reilly TOC jüngst anklangen, gibt es jedoch, denen man dringlich Aufmerksamkeit schenken sollte:</p>
<p>1. Die (zweckmäßige) Ausnutzung von Hypertextualität (vgl. auch <a href="http://toc.oreilly.com/2008/05/linking-books-with-the-web-way-of-thinking.html">hier</a>)</p>
<p>Abgesehen von Elementen Inhaltsverzeichnissen, Registern und Fußnoten sind allerdings nur wenige Titel bisher überhaupt auf eine solche Funktionalität anpassbar. Dies erklärt sich schlicht aus der Tatsache, dass sie für den Druck geschrieben wurden und erst nachträglich für die elektronische Ausgabe optimiert werden.</p>
<p>Hypertextuelle E-Books würden dagegen eine weitgehend neue Form der Autorenschaft voraussetzen, was einen gründlicheren Bruch mit dem Paradigma "Buch" voraussetzen würde, als es die meisten Verlage (und Autoren) momentan vermutlich wollen. Am Ende stände ein völlig neues Textmedium, dass weitaus stärker auf aus dem WWW und Web 2.0 bekannten Rezeptionsmuster zurückgreift, als auf das Leseverhalten des gedruckten Romans oder Essays. Nicht ohne Grund sind Lehr- und Nachschlagewerke momentan die einzigen Formen, die sich halbwegs als e-Book verkaufen lassen. Vermutlich wird dies auch noch lange so bleiben. Umso wichtiger wäre eine Konzentration der Innovationsbemühungen auf solche Titel. Gerade hier sind Angebote, die nicht viel mehr als eine 1zu1-Übertragung vom Druck ins <em>E</em> darstellen, eher kontraproduktiv und ganz sicher eine verschenkte Möglichkeit.</p>
<p>2. Eine weitere, m.E. sehr sinnvolle Form ist die Anreicherung von E-Books mit umfassenden Zusatzinformationen. (vgl. <a href="http://http://toc.oreilly.com/2008/04/cultural-amnesia-ebook-bonus-m.html">auch hier</a>).</p>
<p>Das Verfahren hat sich bei Film-DVDs exzellent bewährt und könnte E-Books für kritische Texteditionen durchaus relevant werden lassen. Hier wie dort könnte man einen Expertenkommentar und eine Art "Making of" erwarten. Warum nicht Rezensionen, Varianten, umfangreiche Autoreninformationen o.ä. mitliefern. In Verbindung mit der Hypertextualität könnte das Medium an dieser Stelle tatsächlich Stärke zeigen.</p>
<p>Die breite Leserschaft, die nach wie vor die Lektüre gerade mit Bleistift und Abnutzung des Umschlags, mit Umblättern und Eselsohren und mit dem Stapeln von Büchern auf dem Nachtisch (und im Regal und das damit vielleicht auch verbundene Symbolisieren von Lebensstilmerkmalen) bevorzugt, erreicht man damit auch nicht. Aber man könnte gerade mit umfänglichen textkritischen Ausgaben die bisher häufig dem digitalen Publizieren gegenüber skeptischen Geisteswissenschaften davon überzeugen, dass digitale Textmedien, wenn denn ihr Potential tatsächlich genutzt wird, für die wissenschaftliche Arbeit durchaus Vorteile bergen. Dazu muss man aber mehr bieten, als die PDF- (oder auch E-Pub-)Abbilder der Druckausgaben.</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>&#8220;Werden sie kaufen oder leihen?&#8221; - Die Verlagsbranche rätselt über den Umgang der Kunden mit den Büchern. Einige Assoziationen.</title>
		<link>http://kontext.edublogs.org/2008/04/23/werden-sie-kaufen-oder-leihen-die-verlagsbranche-ratselt-uber-den-umgang-der-kunden-mit-den-buchern-einige-assoziationen/</link>
		<comments>http://kontext.edublogs.org/2008/04/23/werden-sie-kaufen-oder-leihen-die-verlagsbranche-ratselt-uber-den-umgang-der-kunden-mit-den-buchern-einige-assoziationen/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 23 Apr 2008 09:19:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ben</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Bibliothek]]></category>

		<category><![CDATA[E-Books]]></category>

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		<description><![CDATA["So why would you buy an ebook and download it to whatever as opposed to loaning it from a library for free. Why would you pay to even rent it online for a time period when you will be able to rent it for the same period for free?" - Bookseller Association.blogspot.com/April 2008

Das Verlagswesen ist [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote>"So why would you buy an ebook and download it to whatever as opposed to loaning it from a library for free. Why would you pay to even rent it online for a time period when you will be able to rent it for the same period for free?" - <a href="http://bookseller-association.blogspot.com/2008/04/digital-public-libraries-for-free.html">Bookseller Association.blogspot.com/April 2008<br />
</a></p></blockquote>
<p>Das Verlagswesen ist sich momentan offensichtlich noch nicht ganz klar, mit welchen Geschäftsmodellen man den sich langsam entwickelnden E-Book-Markt bedienen will. Folgerichtig kommen die oben gestellten Fragen in der Diskussion auf. Allerdings konnte und kann man sie zunächst einmal auch in Hinblick auf die klassischen Print- Publikationen formulieren: Warum sollte man sich ein Buch kaufen, wenn man es in der Bibliothek gratis bekommt?</p>
<p>Dahingehend fallen mir sofort drei Faktoren ein, warum man sich ein Buch dennoch kauft:</p>
<ol>
<li>Die Bibliothek hat den gewünschten Titel nicht im Angebot –  man bekommt es also tatsächlich nicht, oder erst verzögert (gratis) bei der Bibliothek.</li>
<li>Man möchte das Exemplar gern selbst besitzen, da man dadurch gewisse Nutzungsmöglichkeiten erlangt, die ein Bibliotheksbuch nicht hat. So kann man –  was der entscheidende Aspekt ist – als Eigentümer über das Buch dauerhaft verfügen. Ein weiterer Gesichtspunkt ist, dass man, wenn man denn möchte, im Buch ohne erwartbare Sanktion unterstreichen, Seiten anknicken etc. darf, also all die Dinge tun, die persönliche Spuren hinterlassen und eine individuelle Nutzung zulassen.</li>
<li> Der Weg zur Bibliothek ist schlicht zu weit, zu aufwendig oder die Bibliothek nimmt Gebühren, ist also nicht gratis. Für 10 Euro Jahresbeitrag hat man schon zwei Drittel des Kaufpreises für Charlotte Roches Feuchtgebietsbuch allein für Bibliotheksnutzungsmöglichkeit investiert. Die Ersparnis ist also gerade für Wenigleser nicht sehr lockend.</li>
</ol>
<p>Wendet man dies nun auf E- Books an, deren Merkmal es ist, dass sie digital und daher prinzipiell mit geringem Aufwand und ohne Qualitätsverlust kopiert und verteilt werden können, so löst sich der erste Teil des dritten Arguments schon einmal für all diejenigen, die Zugang zum Internet haben, schlicht auf. Dies werden in naher Zukunft potentiell all diejenigen sein, die ein Mobiltelefon besitzen.</p>
<p><strong>Die dematerialisierten Inhalte..</strong></p>
<p>Die Loslösung vom Ausleihort bringt es mit sich, dass sich prinzipiell auch eine Konkurrenz der Bibliotheken untereinander entwickeln kann. Wie sich dies auf eine entsprechende Gebührenverteilung und mögliche Zugangsregulierungen auswirkt, wird bislang kaum thematisiert. Wer darf die Bestände welcher digitalen öffentlichen Bibliothek nutzen? Und zu welchen Bedingungen? Wie exklusiv, z. B. auf die Einwohnerschaft der die Einrichtung unterstützenden Kommune beschränkt, kann und darf eine öffentliche Bibliothek sein?</p>
<p>Die Frage des Eigentums (Argument 2) stellt sich generell bei digitalen Dokumenten. <em>Social DRM</em> bedeutet eine eindeutige Verknüpfung zwischen einem digitalen Dokument und dem Eigentümer, wobei sich der Eigentümer der entsprechenden offensichtlichen Kennzeichnung mit dem Eigentumsstempel nicht entziehen kann. In diesem Sinne verpflichtet Eigentum tatsächlich und zwar zur Einhaltung der Nutzungsregeln. Während ein gedrucktes Buch beliebig verschenkt oder z. B. antiquarisch weiterveräußert werden kann, wird es für elektronische Publikationen kein Äquivalent zum Antiquariatsmarkt geben.</p>
<p><strong>.. und die Hürden der Materialität</strong></p>
<p>Die Hürden zur unkontrollierten Vervielfältigung des Printprodukts liegen ganz offensichtlich in seiner Materialität begründet. Der Aufwand zur materiellen Reproduktion ist in der Regel abschreckend groß genug, als dass der Verlag befürchten muss, von Raubdruckern in den Ruin gestürzt zu werden. Der finanzielle Aufwand, eine ebenbürtige Kopie mittels Kopierer zu erzeugen, ist relativ gering, so dass sich photokopierte Exemplare bestenfalls als Arbeitsmaterial anbieten. Den Rahmen der materiellen Aufbereitung bieten sie nicht bzw. nur zu Kosten, die sich dem eigentlich Kaufpreis des gedruckten Buches durchaus annähern können.</p>
<p>Digitale Dokumente kommen ohne fixierte Materialität aus. Sie sind einerseits theoretisch zu geringen Kosten (geringer als beinahe jeder vorstellbare Kaufpreis) kopierbar, andererseits jedoch nur mit Hilfsmitteln, d.h. über die Dienstleistungen externer Anbieter rezipierbar. Es ist also anzunehmen, dass eine Eigentumsempfindung in diesem Zusammenhang keine Rolle spielt. Man fordert bestenfalls ein Nutzungs- oder Zugangsrecht ein.</p>
<p>Die Verfügbarkeit dieser Hilfsmittel ist die Voraussetzung für die Nutzung des E-Books und aus dieser Notwendigkeit ergibt sich eine Abhängigkeit des Lesers vom Anbieter der Zugangs- und Lesewerkzeuge. Entsprechend ist davon auszugehen, dass sich die funktionierenden Geschäftsmodelle in diesem Kontext herausbilden werden.</p>
<p><strong>Books are for free..</strong></p>
<p>So stellt sich die Frage eventuell etwas anders. Man kann nämlich annehmen, dass getreu der von Chris Anderson in der Wired-Märzausgabe ausführlich dargelegten $0,00-Geschäftsmodelle, im E-Book-Bereich à la Ryanair-Geschäftsprinzip das Geld nicht mit der Kerndienstleistungen sondern den Dokumenten selbst verdient wird, sondern mit begleitenden Dienstleistungen. Solche Ansätze bieten sich hier, wo die Materialitätskosten vergleichsweise verschwindend gering sind, selbstredend an. Man versucht momentan viel in diesem Bereich und es wird interessant sein, zu beobachten, ob und wie die Wissenschaftsverlage mit Mehrwertdiensten reagieren, um z. B. der Open Access-Bewegung, die steigende Akzeptanz und Relevanz in der Wissenschaftskommunikation verzeichnet, zu begegnen.</p>
<p>Entschieden dürfte sein, dass es zukünftig im E-Book-Bereich mehr denn je um das geht, was um die Inhalte selbst an Dienstleistungen angeboten wird.<br />
<strong><br />
..aber Zugang und Rahmen kosten.</strong></p>
<p>Die kommerziellen Anbieter (Verlage) von Inhalten und die Bibliotheken nähern sich dabei insofern aneinander an, als es beiden darum gehen wird, den Zugang zu den Publikationen zu gestalten. Der kommerzielle Anbieter rechnet nicht mehr in Exemplaren und Auflagen sondern mit Abrufen und vielleicht mit verweisenden Dritten.</p>
<p>Bei ähnlichen Angeboten des Anbieters und der Bibliotheken besteht natürlich die Gefahr einer Art Indifferenz seitens der Nutzer. Er wird – nimmt man eine rein ökonomisch-rationale Grundlegung – den Titel dort beziehen, wo ihm die geringsten Nutzungskosten entstehen.</p>
<p>Das Ziel kommerzieller Anbieter ist es, einen möglichst regulierten Zugang einzuräumen, das Ziel der Bibliotheken traditionell einen weitgehend offenen. Allerdings sind Bibliotheken nicht gleichzeitig Hersteller sondern nur Vermittler von Titeln, insofern also von Anbietern abhängig.</p>
<p><strong>Exklusion.. </strong></p>
<p>Es ist daher zu erwarten, dass die kommerziellen Anbieter den Bibliotheken mit Nutzungskonditionen entgegentreten, die diese einerseits möglichst stark in der Kundenrolle hält und andererseits es ihnen schwer macht, möglichen individuellen Kunden Angebote zu unterbreiten, die diesem den Bezug eines E-Books über den Verlag attraktiver erscheinen lassen, als die kostenärmere Nutzung über die Bibliothek.</p>
<p>Die postulierte direkte Konkurrenzsituation, die in den Eingangsfragen durchschimmert, ist eigentlich keine, sind doch die Bibliotheken von den Anbietern abhängig, die Anbieter von der öffentlichen Bibliotheken nur bedingt.</p>
<p>Welche Rolle der traditionelle Buchhandel in einem solchen Szenario spielt, ist ein ganz eigenes Kapitel. Für den traditionell stationären Buchhandel bieten E-Books so gut wie keine Geschäftsgrundlage. Die Tortenstücke im Internetbuchhandel sind dagegen perspektivisch schon jetzt zuschreibbar, wobei Amazon mit seinem Kindle-Allroundsystem inklusive DTP-Plattform den Aspekt der Exklusion, hier anderer Marktteilnehmer, schon auf ein sehr hohes Niveau gebracht hat.<br />
<strong><br />
..und Mehrwertdienste</strong></p>
<p>Schaut man sich die Angebote bestimmter Akteure wie <em>Questia</em> an und hält man die oben ausgeführte Prämisse, dass in Zukunft das Geld nicht über Primärinhalte, sondern optionale Mehrwerte verdient wird, so erkennt man deutlich die Spuren des Web 2.0-Werkzeuge auch im Bereich der E-Book-Lösungen. Auf diesem Weg lässt sich z.B. die Annotation in im Vergleich zur Bleistiftnotiz deutlich verbesserter Form in entsprechende Dokumentumgebungen einbinden. Diese sind perspektivisch dann insgesamt vernetzbar und aus Social Bookmarking wird Social Annotation. Der Nutzer kann also mit dem E-Text im Rahmen der Funktionalität der Werkzeuge alles Mögliche tun, was die Textrezeption in seinem Sinne optimiert: Er kann zeichengenau Lesezeichen setzen, Unterstreichungen vornehmen und ebenso zeichengenau Randnotizen beifügen, die aber im Unterschied zum Printprodukt nicht durch die Materialität - d.h. den Seitenrand - in ihrem Umfang beschränkt sind. Die Perspektive ist eine über den eigentlichen Dokumenteninhalt gelegte hyptertextuelle Rezeptionsstruktur, die womöglich, manche sagen: sehr wahrscheinlich, die Vorstellung von dem, was ein publizierter Text sei, sukzessive verschiebt. Sicherlich bleibt –  ähnlich zur Musik –  die Ausgangskomposition ein maßgebliches Merkmal. Andererseits erlebt man bereits jetzt eine mitunter für die Diskurse kontraproduktive, da massiv Redundanzen und Rauschen erzeugende, Remix-Culture, die für eine aktive digitale Textrezeption eine fast zwingend nahe liegende Option darstellt.</p>
<p><strong>Wer macht was?</strong></p>
<p>Die Frage ist allerdings, wer entsprechende Werkzeuge entwickelt, pflegt und durchsetzt: Die Verlage, deren Kerngeschäft bislang eigentlich die Schritte bis zur Rezeption, also die Autoren- und Textakquise, das Lektorat, die Drucklegung, das Marketing etc., sind. Oder die Bibliotheken, die immerhin auch die Rolle des Rezeptionsortes übernehmen und daher auch in ihrer angedacht literaturvermittelten Funktion hier ein neues Kompetenzfeld entwickeln können. Oder dritte Akteure, die entsprechend Werkzeuge an Verlage, Buchhändler und Bibliotheken gleichermaßen zu verkaufen versuchen. Ungeklärt bleibt, inwieweit in den Bibliotheken die Rahmenmöglichkeiten zur Innovation gegeben sind, inwieweit es sich Bibliotheken leisten können, Lösungen einzukaufen oder selbst umzusetzen, wobei die erstere Variante mit anschließender Anpassung an die jeweiligen Bedingungen in der Regel die sinnvollere darstellt, selbst wenn der Markt momentan noch wenig auf diesem Gebiet hergibt.</p>
<p>In dem Bereich dieser Rahmendienstleistungen zur Lektüre eröffnet sich auch ein Feld, auf dem Bibliotheken, so sie dies denn wollen, in Konkurrenz zueinander treten können. Und zu den Verlagen ebenso.</p>
<p>Sollten wir tatsächlich ein solches Szenario Realität werden sehen, dann wird sich auch das erste Argument, das des Vorhandenseins eines Buches im Bestand, relativieren, es sei denn natürlich,  die Verlage verknappten gerade den Zugang für die Bibliotheken und während sie die Inhalte an Endkunden für sehr wenig Geld und mit der Hoffnung auf die Nutzung von Zusatzdienstleistungen vermitteln, erhalten Bibliotheken deutlich schlechtere Konditionen für die Weiternutzung der Inhalte. In einer solchen Situation sind dann für die Bibliotheken, so sie denn bestehen wollen, noch ganz andere Strategien notwendig und daher verwundert es nicht, wenn die Bibliothek 2.0-Bewegung mit dem „User Generated Content“ hier eine aufmerksame Zuhörerschaft findet.</p>
<p><strong>Downloadort Bibliothek</strong></p>
<p>Prinzipiell bieten E-Books aufgrund ihrer immateriellen Form den Bibliotheken die Möglichkeit, ein viel breiteres und vielfältigeres Titelangebot anzubieten, da nicht mehr in Regalmetern, sondern in Terrabyte zu planen ist, wobei 10 Terrabyte –  in jedem Fall im Verhältnis zum dort ablegbaren Inhalt – immer noch günstiger sein dürften, als 10 Meter Regal. Allerdings sind hier wiederum andere Betriebs- und Instandhaltungskosten und/oder Verbindungskosten zu berücksichtigen. Zudem zahlt der Nutzer, wenn er die virtuellen Angebote nutzt, gerade weil er es Downloaden kann.</p>
<p>Ein Download an sich mag nicht viel kosten, ist aber in jedem Fall nicht gratis, da der Nutzer bisher jedenfalls den Anschluss an die digitale Infrastruktur benötigt, der nicht gratis ist. Und für den Gegenwert eines Monats UMTS-Flatrate, die eigentlich keine ist, bekommt man durchaus einen Bibliotheksausweis für die Staatsbibliothek, und zwar für ein Jahr, und es bleibt immer noch genug Geld über, um sich ein oder zwei Titel von der Bestseller-Liste in der Printversion zu kaufen. Vielleicht werden also gerade die Infrastrukturanbieter im Bereich der E-Book-Vermittlung aktiv, denen es am Ende gleich ist, ob es Bibliotheksnutzer oder Buchhandelskunden sind, die den Download vornehmen. Wichtig ist für alle anbietenden Akteure, dass sie es viel und reichlich tun. Dies käme einem freien und offenen Zugang, wie er dem Bibliothekswesen wohl näher liegt, entgegen.</p>
<p><strong>Quo vadis?</strong></p>
<p>Man bewegt sich hier allerdings insgesamt auf dem dünnen Eis der Spekulation und gerade die eingangs zitierte Frage berücksichtigt die Gemengelage nicht in ihrer Gesamtkomplexität. Dennoch ist sie natürlich berechtigt. Womöglich muss man sie, nachdem die Verlage sie beantwortet haben, umgedreht stellen. Warum sollten die Nutzer einen Titel gratis bei der Bibliothek downloaden, wenn sie ihn ebenso gratis bei einem Verlag bekommen können und gegen  mehr oder weniger geringen Obolus und vielleicht ein paar Werbeeinblendungen auch ein paar großartige Werkzeuge zur Lektüre-Verwaltung. Und was macht man, wenn ein UMTS-Anbieter auf einmal einige zehntausend E-Book-Titel seinen Mobilfunkkunden gratis mitliefert? Damit wäre der Lektürebedarf bei einer gewissen attraktiven Auswahl für eine lange Zeit gedeckt und sowohl die Bibliotheken wie auch die Anbieter müssen Wege finden, um hier noch dazwischen zu stoßen.</p>
<p>So ist bislang wieder einmal mächtig unklar, welche Geschäftsmodelle sich am Ende als tragfähig erweisen. Die Bibliotheken sollten aber in jedem Fall dahingehend ein wenig wach sein, wobei ihnen die Bibliothekswissenschaft hoffentlich unter die Arme greift. Denn dafür ist sie schließlich da: Die gegenwärtige Situation in ihrer Komplexität zu erfassen, zu analysieren und perspektivisch Optionen zu formulieren, auf deren Grundlage praktische Schritte entwickelt werden. Und obendrein habe ich die Hoffnung nach wie vor nicht fahren lassen, dass Bibliothekswissenschaft und Bibliotheken durchaus selbst ein gewisses lenkendes Potential besitzen. Dies gilt gerade angesichts der allgemeinen Verunsicherung im Hinblick auf den Umgang mit elektronischen Publikationen. Denn in der Unsicherheit ist Expertise eine ziemlich mächtige Ressource.</p>
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			<wfw:commentRss>http://kontext.edublogs.org/2008/04/23/werden-sie-kaufen-oder-leihen-die-verlagsbranche-ratselt-uber-den-umgang-der-kunden-mit-den-buchern-einige-assoziationen/feed/</wfw:commentRss>
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		<title>Nachts im Museum</title>
		<link>http://kontext.edublogs.org/2007/12/05/nachts-im-museum/</link>
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		<pubDate>Wed, 05 Dec 2007 12:26:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ben</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Kunst]]></category>

		<category><![CDATA[Museum]]></category>

		<category><![CDATA[Presse]]></category>

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		<description><![CDATA[Peter Weibel beleuchtet das Web 2.0 
Eine kurze Lektüre von Weibel, Peter (2007): Das Museum im Zeitalter von Web 2.0. In: Aus Politik und Zeitgeschichte, 49 (2007) 3. Dezember 2007, S. 3-6
[diesen Text als PDF]
Jüngst informierte uns Jens Renner per Zitat darüber, was Peter Weibel, Vorstand des ZKM Karlsruhe und Professor für angewandte Kunst in [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Peter Weibel beleuchtet das Web 2.0 </strong></p>
<p><strong>Eine kurze Lektüre von Weibel, Peter (2007): Das Museum im Zeitalter von Web 2.0. In: Aus Politik und Zeitgeschichte, 49 (2007) 3. Dezember 2007, S. 3-6</strong></p>
<p>[<a href="http://kontext.edublogs.org/files/2007/12/kommentar_05122007.pdf">diesen Text als PDF</a>]</p>
<p>Jüngst informierte uns Jens Renner per Zitat darüber, was Peter Weibel, Vorstand des ZKM Karlsruhe und Professor für angewandte Kunst in Wien, für die Zukunft der Bibliotheken prognostiziert: die Totalvirtualisierung. (vgl. <a href="http://kontext.edublogs.org/2007/11/16/die-totmacher/">hier</a>)<br />
Von dieser nicht ganz neuen und – jedenfalls meiner Meinung nach – nicht ganz sattelfesten Utopisierung des Bibliothekswesens angestachelt, freut man sich, in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Aus Politik und Zeitgeschichte, einen essayistischen Versuch Peter Weibels zum „Museum im Zeitalter des Web 2.0“ vorzufinden, durchzulesen und natürlich etwas aufzupflügen. Und irgendwie erscheint unter der Krume der sieben Spalten etwas ganz ähnliches: der Aufruf nach einer Rundumvirtualisierung des Museums, des Kunsterlebens im Museum und der Diskurse über Kunst.</p>
<p><strong>Äon 2.0</strong></p>
<p>Wer meine <a href="http://kontext.edublogs.org/2007/11/16/die-totmacher/">Betrachtungen</a> zu den Aussagen von Jens Renner gelesen hat, weiß um meine Vorliebe, im gegebenen Wortlaut nach möglichen Anschlusspunkten und dem nicht Gesagten aber womöglich Implizierten zu graben. Stürzt man sich mit genau diesem Verfahren auf den Text des Medienkünstlers und -professors, der sich in ähnlicher Knappheit präsentiert, wie es die Ausführungen des BIB-Vorstands tun, bleibt man hier wie dort schon bei der Überschrift hängen. Weibel wählt eine im Vergleich zu „Wer früher lehrt, ist später tot“ angenehm sachlichere Variante und lässt die Tendenz der Existenzbedrohung erst einmal außen vor:</p>
<p>„Das Museum im Zeitalter von Web 2.0“ definiert zunächst den Gegenstand (Museum) und die Betrachtungsperspektive, die hier das Zeitliche ist. Dies wird – im Gegensatz zum Text Renners – nicht mit dem Segnen verknüpft, sondern mit dem Web 2.0.</p>
<p>Die Überschrift segnet also schon einmal den Zeitgeist, in dem sie den O’Reilly’schen Neologismus zum Epochen charakterisierenden Merkmal erhebt. Waren die 1920er einfach nur golden, die 1950er wirtschaftswundern und die 1980er ff. postmodern, leben wir nun in der fortgeschrittenen zweiten Hälfte des ersten Jahrzehnts des 21.Jahrhunderts in einer Phase, die sich über die Kommunikationswelten des Web 2.0 definiert. Meinen jedenfalls der Web 2.0-Stammtisch und allerlei Medienvertreter, die im Mitmachmedium einen neuen Neuen Markt vermuten und dazu auch noch die Demokratisierung der Kommunikation. Und meint anscheinend auch Peter Weibel.</p>
<p><strong>Spektakelage?</strong></p>
<p>Beides, Markt und allgemeine Äußerungsmöglichkeit, durchziehen seine Überlegungen über weite Strecken. Dies jedoch etwas spezifischer: der Markt ist der Kunstmarkt und die Äußerungen sind künstlerisch. An beidem, so die These des Autors, partizipieren Museen heute – also im Web 2.0-Zeitalter – beinahe gar nicht. Und das aus gutem Grund.</p>
<p>Museen „sind auf dem Markt nicht wettbewerbsfähig, weil sie nicht wie private Sammler kaufen können“. (S.3) Das macht es für sie etwas schwierig, zeitgemäß ihre Funktion als – wie Weibel es nennt – „Supportsystem“ zu agieren, welches zwei klassische Aufgaben und eine eher neue Funktion übernimmt, die sich bei näherer Betrachtung aber auch schon immer als dem Museum eingeschrieben erweist: Sammeln, Ausstellen, Produzieren – und zwar Kunst.</p>
<p>Das Sammeln, bzw. die Archivfunktion, die mit einem nur halbwegs kontextualisierten Derrida-Zitat, das aber eine schöne Bestätigung einer an sich einsichtigen These darstellt, illustriert werden, bezeichnet die Rolle des Museums als Ort eines kulturellen Gedächtnisses und hier wird die Parallele zur Bibliothek besonders deutlich. Auch die Institution Bibliothek – allerdings selbstverständlich nur besondere Bibliotheken, nämlich die mit Sammelauftrag – sammeln und bewahren in Textdokumenten fixierte Wissensrepräsentationen, die irgendwann wieder gelesen und im Idealfall auch entschlüsselt werden können, wenn auch mit den Reibungsverlusten die zwischen Schrift und Stimme entstehen, also dem was Derrida <em>différance</em> nennt, um den französischen Philosophen noch einmal etwas konsequenter ins Spiel zu bringen.</p>
<p>Den Codes der Kunst mangelt es im Normalfall weitaus mehr an Eindeutigkeit als den Codes der Schrifttexte – Ausnahmen finden sich selbstverständlich zuhauf – und entsprechend interessanter erscheint der Prozess des Versuchens einer Entschlüsselung, wie ihn der Besucher vornimmt, sofern er nicht einfach die ästhetische Sensation (im Sinne einer direkten Sinnesreizung) im Sinn hat.</p>
<p>Allerdings sieht Weibel, der zunächst die Rolle der Museen als fadenspinnende Ariadnen in offensichtlich labyrinthischen Kunstgeschichte – wobei die Frage nach dem Minotaurus offen bleibt – und als ausflaggender Lotse in der Unübersichtlichkeit der zeitgenössischen Kunstproduktion betont, die vermeintlich offensichtliche Schicksalschance der Bibliotheken in der Sensation (im Sinne des Spektakels).</p>
<p>Die Schwarmintelligenz, die den massenmediengelenkten Menschen zu Hundertschaften in die „schönsten Franzosen aus New York“ oder die Auslagerungsausstellung des ebenso New Yorker Museums of Modern Art in die Berliner Neue Nationalgalerie drängt, das von einem musealen Ausstellungszentrum zum für die kunstschwärmerischen Besucher Treibnetz und – rein räumlich gesehen – zur Sardinenbüchse in einem avanciert.</p>
<p>So konterkariert der zweite Absatz, in dem es um „Markt und Medien“ geht, die allgemeine Einführung zur Bibliothek des ersten Teiles. Denn wie eine unter der Knute der „Ökonomie der Aufmerksamkeit“ bzw. des „Interesses an Profit“ Museumslandschaft den „Generationenvertrag“ wahrnehmen soll, dessen Inhalt die Leistung der „Übersetzungen von Generationen zu Generationen, von Kulturen zu Kulturen“ ist, lässt Weibel offen. Dabei ist dies der maßgebliche Punkt: Wie entscheidet sich, was in einem von „Markt und Medien verzerr[t]en…Feld der Kunst“ den Eingang in die Sammlungsarchive und damit in das kulturelle Gedächtnis gelangt und was außen vor und damit zum Vergessen freigegeben bleibt:</p>
<blockquote><p>„Nur wenn die Museen die Sensationen liefern, welche die Medien brauchen, bekommen sie von diesen Aufmerksamkeit, weil die Medien damit Geld verdienen.“ (S.4)</p></blockquote>
<p>Aber eigentlich ist es doch anders, denn es bleibt eine wichtige Lücke, die vielleicht nicht der Teufel lässt – um einmal wenigstens rhetorisch Alexander Kluge einzustreuen – oder vielleicht gerade dieser, je nachdem wie man zu Markt und Medien steht. Und diese findet bei Weibel eine sehr schöne, leider nicht vollkommen weltfremde Trendbeschreibung:</p>
<blockquote><p>„So, wie die Wirtschaft der Wissenschaft nicht zur Gänze vorschreiben kann, was sie zu tun und zu forschen hat, weil die Wissenschaft vom Staat auch viel mehr geschützt und unterstützt wird als die Kunst, können auch Markt und Medien der Kunst nicht zur Gänze vorschreiben, was sie zu tun und wie sie sich zu entwickeln hat. Es gibt und gab Kunst jenseits von Markt und Medien.“ (S.4)</p></blockquote>
<p><em>Und die, die sie machten, hungern und hungerten sich in ihren Dachkammern vor Idealismus ins Delir</em> – könnte man die holprige Passage ergänzen. Eigentlich sollte nämlich die Wirtschaft der staatliche finanzierten Wissenschaft überhaupt nicht vorschreiben, was und wie sie erforscht, genau wie der Staat – Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG – dies nicht tun soll, aber um den Fetisch „Drittmittel“ kultiviert man selbstverständlich Abhängigkeiten, die der Wissenschaftsfreiheit über die unsichtbare Hand am Hahn ihrer Lebensgrundlage einiges an freier Gestaltungsoption nimmt. Ein leerer Bauch forscht nicht nach neuen Sonnen bzw. geht dies auch nicht ohne Teleskop und Satellit. Und wer das Labor bezahlt, mag im Normalszenario auch gern einen konkreten Nutzen für sich aus den Erlenmeyerkolben aufsteigen sehen. Folglich verengt der Staat im <em>Public-Private-Partner</em>schafteln und mit Rentabilitätsansprüchen die Lücke tatsächlich – könnte man die Meldungen der Zeit deuten, aber all das steht auf einem anderen Blatt und nicht hier im Ausgangstext.</p>
<p>Hier geht es um Kunst und Museen, die immerhin in ihren Sammlungen für bestimmte Kulturwissenschaften nicht unerheblich sind. Allerdings sind Museen nicht auf die Sammlung von Kunstwerken begrenzt, sondern bewahren und stellen alles Mögliche von der Feuerwehrspritze bis zum Düsenjet auf und manchmal fällt es schwer, die exakte Grenze zwischen einem Museum und einem Dokumentationszentrum zu benennen. Da Weibel darauf nicht weiter eingeht, soll eine derartige Bemühung – zu der man Suzanne Briets Frage nach dem, was ein Dokument ist, heranziehen müsste – um die Trennlinie nicht weiter erfolgen. Wir bleiben bei der Kunst.</p>
<p>Inwieweit sich das Abstraktum „Staat“ aus der Kunstförderung zieht, vermag ich nicht zu beurteilen. Für den Markt lässt sich jedoch beobachten, dass interessanterweise aus dem „Long Tail-Prinzip“ des Web 2.0 Marktmöglichkeiten gerade auch für Kunstformen, die massenmedial schwer popularisierbar sind. Wer’s nicht glaubt, kann gern einmal nach den DVD-Kollektionen zugemalter Züge „internet“ suchen (Stichwörter: <em><a href="http://www.google.com/search?q=Hardknocks+Berlin+Graffiti&amp;ie=utf-8&amp;oe=utf-8&amp;aq=t&amp;rls=org.mozilla:de:official&amp;client=firefox-a">Hardknocks Berlin Graffiti</a>, <a href="http://www.google.com/search?q=%22Pure+Hate%22+DVD&amp;ie=utf-8&amp;oe=utf-8&amp;aq=t&amp;rls=org.mozilla:de:official&amp;client=firefox-a">"Pure Hate" DVD</a></em>…) Hier werden an sich unverkäufliche Bearbeitungen der Umwelt (Graffiti) von unten marktgerecht bis ins Mainstream-Kino (<a href="http://www.wholetrain.com/">Whole Train</a>) und die Kunstzeitung und im Fall von Banksy bis ins Feuilleton (vgl. z.B. Schirrmacher, Frank: Wer ist Banksy? In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.02.2007, Nr. 29 / Seite Z1; <a href="http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE/Doc~E6EC0FE1F4FF34FCDB9020FDCEB806959~ATpl~Ecommon~Sspezial.html">online</a>) hinein erschlossen. Allerdings ist es fraglich, ob die Sensation eines in Silber umlackierten U-Bahnwaggons (vgl. <a href="http://www.youtube.com/watch?v=ewc5AZKOAuw">hier</a>) wirklich massenmedial als Kunst wahrgenommen wird. Die Lektüre Presseerzeugnissen à la Berliner Kurier lässt da eher etwas anderes vermuten. Andererseits: Die Zeiten, in denen sich der <em>Street Artist</em> Banksy selbst ins Museum hängen musste (vgl. <a href="http://www.youtube.com/watch?v=EkUbYBo5xgs">hier</a>), sind vorbei.</p>
<p><strong>Die Lücke, die der Markplatz lässt</strong></p>
<p>Die Zeiten, in denen sich Museen Werke von Banksy für ihre Sammlungen erwerben konnten eventuell allerdings auch bald schon wieder. (vgl. <a href="http://news.bbc.co.uk/2/hi/entertainment/6340109.stm">hier</a>) Denn für Weibel folgt etwas überraschend aus den vorhergehenden Beschreibungen die Schlussfolgerung, dass sich Museen überwiegend um „jene Kunst kümmern, um die sich Markt und Medien nicht kümmern“. Dies würde folglich entweder bedeuten, dass unter Beachtung des Archivierungsaspektes die populäre Kunst aus dem kulturellen Gedächtnis ausscheidet, oder, was wahrscheinlicher ist, eine Zweiteilung erfolgt: Populäre, marktgerechte Kunst wird vom Markt, d.h. den privaten Sammlern und Privatmuseen bewahrt, unpopuläre, schwer vermittelbare von den Museen. Darin also liegt die museale Besonderheit:</p>
<blockquote><p>„Das Museum heute, wenn es seine, Aufgaben, seine Mission [Sammlung, Ausstellung, Produktion] erfüllen will, kann natürlich nicht das gleiche wie der Markt und die Medien tun, sonst hätte es ja keine <em>Raison d’Être</em>, sonst gäbe es keinen Grund für seine Existenz.“ (S. 4)</p></blockquote>
<p>Hoffentlich sehen das die Haushalt führenden Unterhaltsträger genauso. Die generelle Präsentation von Erzeugnissen der menschlichen Kunst- und Geistesgeschichte für die Allgemeinheit scheint als Urgrund für die Häuser nicht mehr zureichend, es muss – nach dieser Lesart, das in den Mittelpunkt, was sonst verschütt gehen würde.</p>
<p>Selbstverständlich ist die an dieser Schwelle beschworene Rolle des Museums als Gegenpol zum „verengten und verzerrten Blick, den Medien und Markt auf die Kunst werfen“ bzw. die daraus resultierende „Vermittlungsarbeit und Demokratie im tiefsten Sinne“ nur zu begrüßen, auch wenn sich nicht zwingend erschließt, warum sich aus der Anerkennung anderer als der marktgängigen künstlerischen Ausdrucksformen die Herrschaft des Demos in einer superlativen („Demokratie im tiefsten Sinn“) Form ergeben soll. Man ahnt immerhin, was gemeint sein könnte. Und wie man es missverstehen kann. Denn wenn das Volk loszieht, um über die herrschende Kunstauffassung abzustimmen, ergibt sich einerseits eine nicht gerade erschreckend hohe Wahlbeteiligung und andererseits erringt ausgerechnet das Spektakel hohe Prozentwerte. Der kleine, sperrige Off-Künstler im Dachgeschoss bleibt mit seinem Werk Splitterpartei. Der Museumsleiter, der den Text als Orientierung resultiert, dürfte hier ratlos bleiben.</p>
<p>Demokratie bedeutet bei Weibel aber etwas anderes und den Bogen zu diesem Anderen schlägt er über ein paar Sätze zur „Praxis der Kunst“ als „Rezipientenkultur“. Nicht wie das Werk gemacht ist entscheidet, sondern wie es aufgenommen wird; nicht die Orientierung an abstrakten Normen der Kunstproduktion zählt, sondern ob der Betrachter sich fangen bzw. überreden lässt und wozu. Und was er bei und mit seinen Eindrücken macht.</p>
<p><strong>Die Interaktionisten</strong></p>
<p>An dieser Stelle kommt folgerichtig das Web 2.0 ins Spiel, „hier verstanden als neue, interaktivere Generation des Internets“. Peter Weibel hat als Medienkünstler zahlreiche Erfahrungen mit der digitalen Kunst zusammengetragen, wobei sich die traditionelle Interaktion, so der Autor, weitgehend aus dem In-Gang-Setzen per Knopfdruck beschränkte.<br />
Nun ändert sich dies, denn die Generation des Web 2.0 ist nicht mehr nur interaktiv, sie ist eine „interaktivere“. Dieser Komparativ wird durch die Kunstproduktion seitens der Betrachter gekennzeichnet. Hier treffen sich Kunst, Journalismus und sonstige Textproduktion auf dem gleichen Problemfeld: dem „Cult of the Amateur“, der gerade durch die Betonung des Unterschieds zwischen etablierter (professioneller) Kunst-, Analyse- und Schreibkultur und dem was der normale Web 2.0-Angehörige und Durchschnittsinternetnutzer nun öffentlich zur Schau stellen kann, verfestigt wird.</p>
<p>Dabei werden die durchaus bestehenden und jeweils mit Vor- und Nachteilen behafteten Strukturen passiver sowie aktiver Medienrezeptionen nicht selten in eine Konkurrenzsituation gesetzt, die nüchtern betrachtet schon recht überzogen wirkt. Die Dichotomie: Brockhaus vs. Wikipedia ist solch ein Ansatz. FAZ vs. Spreeblick ein anderer. Barfuß vs. Lackschuh , Hund vs. Katze, Äpfel vs. Birnen – überall liegt Pulverdampf dort in der Luft, wo Konfrontationen sich eigentlich ausschließen. Ähnlich bedeutet nämlich nicht gleich und auch nicht gleich Konkurrenz. Später vielleicht, wenn man statt gegenseitiger Anerkennung und Entwicklung jeweils spezifischer Qualität sich dem anderen anzunähern und sich die Deutungshoheit bzw. den Rang auf dem Jahrmarkt der Aufmerksamkeit abzulaufen versucht. Angesichts der Annahme, dass mit der Diffusion der Lebensstile in der pluralistischen Gesellschaft des 20. Jahrhunderts mehr als zwei Muster des Medienkonsums nebeneinander und ineinander verschränkt Bestand haben können, wirken die rhetorischen Scharmützel, besonders (aber nicht nur) der „alten Medien“ etwas albern, doch wo es ums Geld geht, hört der Spaß bekanntlich auf und manchmal nimmt er auch die Vernunft mit.</p>
<p>Ebenfalls reichlich überzogen ist die Annahme, dass auf einmal alle Rezipienten – ob Kunst oder Massenmedien – zu Produzenten oder besser noch „Prosumenten“ werden. Die Möglichkeit, „selbst programmieren, nicht nur programmiert werden, Musikprogramme zusammenzustellen, Filme editieren und online stellen“, bedeutet nicht automatisch, dass „die jüngere Generation der bis ca. 30-jährigen“ dies auch wirklich in ungeahntem Ausmaß nutzt. Selbstverständlich: Wer gehen kann, kann tanzen. Aber es gibt trotzdem nicht zu verleugnende Unterschiede zwischen dem Schunkelnden auf dem Oktoberfest und Pina Bausch – besonders, was den Subtext angeht.</p>
<p>Nicht jedes Video bei YouTube erhebt einen Anspruch über den Spaßfaktor eines Gesellschaftsspieles hinaus. Nicht jedes Blogposting möchte sich in der Tradition des investigativen Qualitätsjournalismus sehen. Nicht jede nutzergenerierte Playlist zielt auf ein neuartiges Klangerlebnis. Vielmehr lässt eine differenzierte Beobachtung der Nutzung des Web 2.0 die Annahme zu, dass der überwiegende Zahl der dortigen Aktivitäten ganz tradierten und keinesfalls vorrangig auf ein hohes kreatives Ziel gerichteten Motivationen folgen: der Generierung und Verfestigung sozialer Beziehungen. Und der Freude am spielerischen Ausdruck.</p>
<p>Der maßgebliche Unterschied entsteht aus der medialen Form, in der dies stattfindet und deren Merkmal die aus dem digitalen Charakter der Äußerungen und Verknüpfungen resultierenden relativ einfachen weltweiten Verfügbarmachung und Recherchierbarkeit bilden.</p>
<p>Amateurkunst war seit dem Aufkommen des Phänomens Freizeit ein allgemeines Vergnügen. Auch schon in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts lichtbilderten einige Millionen Hobbyfotografen ihre Umwelt. Manch einer machte aus seinem Hobby auch etwas Größeres. Aber eben nur manch einer und nicht jeder. Das Gros der Abzüge endete in privaten Kabinetten, wogegen sie heute bei Flickr dank der Digitalfotografie ungleich größeren Quantitäten mit Tags inhaltserschlossen von jedem Internetnutzer der Welt problemlos einsehbar sind. Auch besteht die Möglichkeit, diese Bilder zu annotieren, zu favorisieren oder in andere Medien – z.B. Weblogs – einzubinden. Die Zahl der Aufnahmen, bei denen diese Option ungenutzt bleibt, dürfte jedoch die der Bilder, die es in den Flickr-Olymp (<a href="http://www.flickr.com/explore/">http://www.flickr.com/explore/</a>) schaffen, durchaus übersteigen. Die meisten Flickr-Fotografen scheinen damit ganz gut leben zu können.</p>
<p><strong>Das Kunstwerk und seine digitale Reproduzierbarkeit</strong></p>
<p>Interessant – auch für Museen – wird es dort, wo sich aus den Möglichkeiten des Web 2.0 bislang nicht bekannte künstlerische Ausdrucksformen entwickeln. Dass der Internetnutzer sich „vom Besucher zum Kurator“ entwickelt, wenn er sich im WWW verfügbar Kunst bzw. deren digitalisierte Abbilder in eigenen Listen und Präsentationsformen arrangiert, darf dagegen mittlerweile als eher triviale Einsicht gelten. Eigentlich ist er auch schon im gebauten Raum als eigener Kurator unterwegs gewesen, denn selten erfolgt der Museumsrundgang – jedenfalls der abseits der Führung – so, dass man ohne Abweichung den vorgegebenen Pfaden durch die Säle folgt und sich allen Werken mit gleicher Intensität zuwendet.</p>
<p>Daher ist es etwas schade, wenn sich ein Medienkünstler wie Peter Weibel ausgerechnet von diesem Aspekt derart hingerissen zeigt, dass er unter offensichtlicher Verkennung gängiger Rezeptionspraxen Museen ganz konkret auffordert, Zweigstellen in der virtuellen Welt von Second Life zur eröffnen:</p>
<blockquote><p>„In Second Life kann jeder jederzeit das Museum besuchen und dort auch wählen, was er oder se sehen will. Darüber hinaus – und das ist der entscheidende Punkt – muss der Betrachter die Möglichkeit haben, seine eigenen Kunstwerke dort abzustellen.“ (S.6)</p></blockquote>
<p>Warum muss er? Und vor allem: Will er das? Reproduktionen der großformatigen Fotografien von Jeff Wall, die die Deutsche Guggenheim gerade in ihrer Zweigstelle an der Berliner Straße Unter den Linden aushängt kann ich auch auf der normalen Internetseite betrachten. Allerdings ist die Wirkung der „War Games“ in einer Größe von um die zweieinhalb mal drei Meter eine ganz andere und nennenswert intensivere, als es selbst eine Vollbilddarstellung auf einem 19 Zoll Bildschirm darstellen würde. Und auch sonst gibt es durchaus qualitative Unterschiede zwischen einem Silbergelantineprint und einem JPEG. Von den atmosphärischen Unterschieden zwischen einem Ausstellungsraum und meinem Schreibtisch oder gar einer Pixelrotunde im Second Life ganz zu schweigen.</p>
<p>Das Erschrecken angesichts der Vorstellung, ich als Feld- und Wiesenfotograf könnte gleich noch einen Schnappschuss aus meinem Fundus daneben platzieren, mag noch sehr dem Prä-Web 2.0 verhaftet sein, verweist aber darauf, dass gerade die Beschränkung und Exklusivität der musealen Präsentation ein Kunsterleben erst möglich machen und eröffnet die Diskussion um die Frage, wie alltäglich Kunst sein kann, um Kunst zu bleiben.</p>
<p>Gerade die Eigenschaft des Museums, ein Ort zu sein, an dem der Betrachter Zeuge und Bestandteil „ein[es] lokal gebundene[n] Ereignis in Raum und Zeit“ werden kann, bestimmt das Museum als einen Ort, den aufzusuchen es sich lohnt, um mit einem Werk in Interaktion zu treten. Inwieweit darüber hinaus Museumsbenutzer das Bedürfnis verspüren „unabhängig von ihrem physischen Aufenthaltsort miteinander über die Kunstwerke kommunizieren [zu] können“, sollte Gegenstand entsprechender rezeptionstheoretischer und kunstsoziologischer Studien sein. Die bisherigen Erfahrungen mit Second Life zeigen jedoch, dass dies nicht unbedingt die rundum perfekte Form darstellt. Schlichtere Chatrooms oder Foren bzw. andere webbasierte Kommunikationsmittel mit weniger Einstiegskomplexität wären momentan für die meisten Bibliotheken ein gangbarerer Weg.</p>
<p><strong>Revolution redux</strong></p>
<p>Schließlich bleibt zu bemerken, dass die von Weibel postulierte „Revolution, durch die sich die Amateure, die „Idioten“, die Konsumenten – das ist mein Schlagwort – zum ersten Mal emanzipieren können“, um „Experten zu werden“ gar keine ist. Ein Blick in die Gästebücher zu den Ausstellungen zeigt (wer sammelt diese Zeitdokumente eigentlich), dass die kritische Interaktion per Text über die Sammlung keine ganz neue Erfindung darstellt.</p>
<p>Was unter dem Strich vom Essay zu den „Museen im Zeitalter von Web 2.0“ bleibt, ist der Appell, diese mögen doch ihre Webangebote dahingehend ausbauen, dass man einerseits als Besucher auf diesen über Kunst kommunizieren kann und andererseits unabhängig von Tageszeit und Hängung die Sammlungen in der Weise abrufen und rezipieren kann, wie es Internet vermittelt möglich ist. Ein solcher Ansatz ist sicher zeitgemäß, bedeutet jedoch eigentlich nur, dass Museen die sich bietenden technischen Möglichkeiten angemessen zu nutzen.</p>
<p>Schöner und wichtiger als die Frage, ob man dank WWW auch nachts ins Museum und seine eigene Kunst neben die alten Meister pixeln kann, wäre die Überlegung, welche neuen Kunstformen beispielsweise aus der hypertextuellen Verfasstheit des Netzes entstehen, welche subversiven Ausdrucksformen sich auf den Präsentationsplattformen des WWW bis hin zur Marktgängigkeit etablieren können und wie Museen besonders vor dem Hintergrund des Gedankens des Sammelns und Bewahrens, also als kulturelles Gedächtnis, mit diesen Variationen umgehen. Und natürlich die Frage nach der beliebigen, verlustfreien technischen Reproduzierbarkeit digitaler Kunstwerke im Zusammenhang mit dem Ereignis-, Exklusivitäts- bzw. Singularitätsanspruch, der dem Phänomen „Kunstwerk“ tradiert zugeschrieben wird.</p>
<p>Und – natürlich Teil 2 – wie sich die Vorstellungen und die Ausprägung des kulturellen Gedächtnisses angesichts seiner Digitalisierung, nicht zuletzt in Hinblick auf die nicht digitalisierbaren materiellen Eigenschaften eines Großteils der Kunstproduktion, verändern. Denn es lassen sich mit der Digitalisierung nur zwei Sinne erreichen: der Seh- und Hörsinn. Die Atmosphäre eines Ausstellungsraums, in dem sich eine zu betastende Skulptur befindet, bleibt jedem <em>Second Life</em> bisher verschlossen.</p>
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		<title>Die Totmacher</title>
		<link>http://kontext.edublogs.org/2007/11/16/die-totmacher/</link>
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		<pubDate>Fri, 16 Nov 2007 18:00:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ben</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Bibliothek]]></category>

		<category><![CDATA[Kommentar]]></category>

		<category><![CDATA[Presse]]></category>

		<category><![CDATA[Web 2.0]]></category>

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		<description><![CDATA[Eine Art Dekonstruktion zu Jens Renners Kommentar „Wer früher lehrt, ist später tot. Vom aufhaltsamen Ende der wissenschaftlichen Bibliotheken.“ (erschienen in: BuB 59 (2007) 11-12, S. 812-813.) [diesen Text als PDF]

Vorbemerkung
Als jemandem, dem sowohl konkret Bibliothek, Bibliothekswesen und Bibliothekswissenschaft, wie auch allgemein die Welt, in der wir leben und obendrein die Wechselwirkungen zwischen beiden am [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Eine Art Dekonstruktion zu Jens Renners Kommentar „Wer früher lehrt, ist später tot. Vom aufhaltsamen Ende der wissenschaftlichen Bibliotheken.“ (erschienen in: BuB 59 (2007) 11-12, S. 812-813.) </strong>[<a href="http://kontext.edublogs.org/files/2007/11/kommentar_16112007.pdf">diesen Text als PDF</a>]<strong><br />
</strong></p>
<p><strong>Vorbemerkung</strong></p>
<p>Als jemandem, dem sowohl konkret Bibliothek, Bibliothekswesen und Bibliothekswissenschaft, wie auch allgemein die Welt, in der wir leben und obendrein die Wechselwirkungen zwischen beiden am Herz liegen, verspüre ich in letzter Zeit ein Unbehagen angesichts eines Teiles des Diskurses zu den Themen, die für mich maßgeblich Reflexions-Agenda stehen.</p>
<p>Das kann an mir liegen und daran, dass es mir nicht gelingt, eine entsprechend beruhigende Affirmation aufzubauen. Aber andererseits denke ich auch, dass ein sachbezogener Diskurs durchaus auch eine Gegenrede nicht nur aushält, sondern geradezu benötigt. Auch heute möchte ich „gegenreden“ – bzw. gegenschreiben – und das Medium Weblog bietet sich geradezu dafür an, zumal man hier auch noch absatzgenau gegen die Gegenrede halten kann. Es wäre sehr schön, wenn diese schmucke Innovation, die bislang eindeutig auf Kosten des angenehmen Äußeren geht, noch intensiver genutzt wird. Manches mag vielleicht überzogen klingen, aber ich bin der Auffassung, dass man der Phrase nur mit ihrer Umkehrung und Ironisierung beikommen kann.</p>
<p>Worum es mir also geht, ist das von mir wahrgenommene Phänomen eines Umgangs mit Themen, die mir wichtig sind und von denen ich als Bibliothekswissenschaftler wenigstens theoretisch etwas zu verstehen glaube, welcher sich zu einem leider sehr großen Anteil auf rhetorische Scharmützel mit Allgemeinplätzen beschränkt hinsichtlich der Frage, welche und wie viel Substanz sich dahinter verbirgt, dekonstruierend zu durchzusieben. Dies, verbunden mit dem Interesse an einem reflexiven Diskurs, steht hinter diesem kleinen Weblog-Eintrag.</p>
<p><strong>Die Fame Generation</strong></p>
<blockquote><p>„Die Vermutung liegt nahe, dass es sich mit der Blogosphäre ähnlich verhält wie mit den allmählich abklingenden Reality-Shows, die nichts mit der Wirklichkeit und alles mit Exhibitionismus zu tun haben, dass nämlich vor allem jene, die mit ihrem Privatleben nichts anfangen können, sich ins Informationsmeer stürzen.“ – Felicitas von Lovenberg: Und wann steigen Sie aus? In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 10.11.2007, Nr. 262, S. Z1-Z2</p></blockquote>
<p>Ich blogge, also bin ich. Und zwar Teil der „fame generation“, wie die Guardian-Kolumnistin Marina Hyde in ihrem Dreispalter in der letzten Samstagausgabe des britischen “Quality Papers“ titelt. Exhibitionistisch, „pooterisch“ und einer dieser jungen Menschen, – „broadcasting who I am“ – die sich nachhaltig mit ihrem „inneren Monolog“ um Kopf und Kragen schreiben, da die Personalchefs genauso wie die Geheimdienste Persönlichkeitsprofile aus Google-Resultaten ermitteln. Man glaubt fast nicht an Zufall, dass am vergangenen Wochenende einerseits in der „Bilder und Zeiten“-Beilage der Frankfurter Allgemeinen Zeitung Felicitas von Lovenberg eine argumentativ außergewöhnlich bodenlose Ode an die Webverweigerung publizieren durfte („Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis nicht nur die soziale Enklave, sondern gerade auch die digitale Abschottung vom Bewusstseinsstrom der Banalität überlebensnotwendig für jeden werden wird, der kreativ oder schlicht geistig gesund bleiben will.“) und andererseits im Guardian Marina Hyde die Peinlichkeit des geäußerten, inneren Monologs geißelt. Die vier Millionen britischen Blogger (sh. <a href="http://www.guardian.co.uk/technology/2007/nov/09/blogging.socialnetworking">auch</a>) wissen nicht, was sie tun, ihre deutschen Kollegen gleichermaßen, so der Eindruck nach der Lektüre des Textes von Felicitas von Lovenberg, und entäußern ihre Persönlichkeit (und <em>Privacy</em>) den 15 oder auch mehr Minuten „Fame“ bar jedes Blickes für mögliche Konsequenzen.</p>
<p>Und natürlich: „Ein Leben für den Fame“, wie es der Prenzlauer Berg-Rapper V-Mann näher am Leben als alle Hydes und von Lovenbergs auf den Qualitätspressebällen dieser Welt es beschreiben könnten, in einem kleinen Raptrack zusammenreimt, das bedeutet, wenn Ruhm gesellschaftlich wertvoll sein soll, erst einmal Schweiß und Tränen und vielleicht auch Blut fließen: „Watch the audition rounds of any television talent show, and it seems as if an entire generation now believes fame to be a basic human right.“ Warum eigentlich nicht.</p>
<p>Marina Hyde freut sich sicherlich auch, ihr Gesicht im Guardian zu sehen und auch bei Felicitas von Lovenberg (und anderen Deutungseliten) geht des Öfteren die Substanz merklich vor der Tinte aus. Auch dem sich selbst gern beschwörenden „Qualitätsjournalismus“ à la FAZ  könnte man locker eine Art „Schwarzblog“ zur Seite stellen, wie es die Bildblogger zum großen Pendant auf dem Boulevard tun. Die Frequenz des Zeilenfüllens um jeden Preis ist vielleicht nicht ganz so hoch und man muss den dekonstruierenden Diskursschlüssel meist feiner justieren, aber dass nicht jeder Artikel einem Feuerwerk der Sachkenntnis gleichkommt, merkt man überraschend häufig. Indes: Stilistisch bleibt es meist stabil und somit die gute Form gewahrt. Und zugegeben: den Freizeitkolumnisten der Blogosphäre entgleiten nachweisbar um Potenzen häufiger sowohl Form wie Schreibstil.</p>
<p>Gerade aus diesem Grund verwundert es zutiefst, wieso sich die Kommentatoren von Presseerzeugnissen, die Weltniveau als Aushängeschild ihre Zeitungen beschwören, immer wieder in grob undifferenzierter Art und Weise und manchmal fast hysterisch bemühen, über Blogger und der vermeintlich nach Fame-gierenden Masse des Web 2.0 den Stab zu brechen und dabei zu verkennen, dass gerade die, die sie zu treffen versuchen, sie gar nicht wahrnehmen. Man kann zwar, wenn man Watzlawick glaubt, nicht „nicht“ kommunizieren, aber durchaus in großer Entfernung aneinander vorbei.</p>
<p>Die Wikipedia ist die Wikipedia und kein Brockhaus und keine Britannica und ein Weblog ist keine Tageszeitung, sondern ein Werkzeug, das sich für alles Mögliche gebrauchen lässt, allerdings nicht, um mir die Tageszeitung zu ersetzen. Denn im Gegensatz zu den meisten Weblogs ist das Medium „Tagespresse“ von der Erscheinungsweise bis hin zum Tenor der Beiträge halbwegs berechenbar. Das WWW und die Blogosphäre sind mächtig gestreut, was ihren Reiz ausmacht, von mir als Informationsrezipient oft, aber nicht immer gewünscht ist. Manchmal sehnt sich der Mensch auch nach Begrenztheit und Bündelung, d.h. also nicht nach Hypertext und permanenten Datenstrom im RSS-Feed. Der zweite Vorteil der Tageszeitung liegt buchstäblich auf der Hand: sie ist ausgedruckt und schön gefaltet und auch offline - sogar in der Badewanne - lesbar, man kann sich etwas anstreichen, ausschneiden, ins Tagebuch kleben oder dem Kollegen auf den Schreibtisch legen und man sieht materiell konkretisiert an dem Stapel neben dem Sofa, wohindurch man sich gerade gelesen hat.</p>
<p><strong>Kampf den Blogwindmühlen</strong></p>
<p>Aus irgendeinem Grund reagiert das alte Medium Zeitung dennoch oft wie ein bedrohtes Tier und zeichnet gar düstere Visionen der Kids da draußen, die ihren Lieblingsfilm und ihre Lieblingsmusik und manchmal gar ihre Lieblingswochenendausschweifung ganz offen auf der Suche nach fälschlicherweise „Freunde“ genannten Identitätslinks zu anderen Nutzern bekannt geben. Das Feuilleton wundert sich, als hätte es noch nie etwas von Pierre Bourdieu und symbolischen und kulturellen Kapital bzw. dem Habitus-Konzept gehört, wobei sich all das irgendwie nachvollziehbar im WWW neue  Bahnen bricht.</p>
<p>So schlingert der mehr oder weniger selbst beschworene Qualitätsjournalismus beinahe regelmäßig und immer dann, wenn es um Phänomene geht, denen sich Kolumnisten und Feuilletonisten erfahrungsarm gegenüber sehen, an seine Qualitätslimits. Anwendungen der Sozialen Software gehören eigenartigerweise zu diesen schwierigen Themen. Das ist bedauerlich, denn natürlich finden sich in den Druckzeilen, hinter denen sich (fast) immer ein kluger Kopf zu verbergen scheint, auch eine Reihe von das virtuelle Kommunikationserleben betreffenden Phänomenen, die einer sachlichen sowie lebendigen öffentlichen Diskussion bedürfen. Der Aspekt der „Privacy“ gehört ganz sicher dazu. Nur leider verschüttet man diese Ansatzpunkte dann gleich wieder unglücklich mit banalen Pauschalisierungen und Untergangsszenarien, dass einem um die FAZ und andere tatsächlich bange werden muss. Der Feind sitzt allerdings nicht irgendwo im WWW, sondern im eigenen Blatt bzw. Kopf. Statt z.B. auf  eine (sozial)wissenschaftlich fundierte Basis zu warten und die Leser mit soliden Reflektionen zu versorgen, formuliert man Doppelseiten füllend eine dürftige Paraphrase von Andrew Keens „Cult of the Amateur“ herunter und bastelt sich aus dem Halbwissen der Nichtnutzer die Halbwahrheit über ein mediales und soziales Phänomen, die alles in einer Form über den feuilletonistischen Fabulierkamm schert, der prima ins Konzept einer sich – warum auch immer – in die Ecke gedrängt fühlenden Zunft darstellt.</p>
<p><strong>Das Ende der Bibliotheken</strong></p>
<p>Was die zitierten Vertreterinnen des Qualitätsjournalismus an die Haustür des potentiell wankelmütigen Abonnenten zu tragen gedenken, spielt rhetorisch mit einem Endzeitszenario, wie wir es leider – wenn auch mit anderen Vorzeichen – nicht selten im Bibliothekswesen hinnehmen müssen. Ein besonders unangenehmes Beispiel ist dabei der Kommentar von Jens Renner in der aktuellen Ausgabe der BuB. (Renner, Jens: Wer früher lehrt, ist später tot. Vom aufhaltsamen Ende der wissenschaftlichen Bibliotheken. In: BuB 11/12 (2007) S. 812-813)</p>
<p>Jens Renner ist kein Journalist, sondern Diplom-Bibliothekar von Ausbildung, Leiter einer wissenschaftlichen Bibliothek von Beruf und stellvertretender Vorsitzender des BIB im Ehrenamt. Wenn sich also jemand in den aktuellen Entwicklungen des Bibliothekswesens auskennt, dann muss er es sein. Umso erschreckender ist sein Entwurf der deutschen Bibliothekslandschaft. Als Ausgangspunkt für seinen Kommentar zum „aufhaltsamen Ende der wissenschaftlichen Bibliotheken“ greift er auf das Zitat eines Nicht-Bibliotheksexperten zurück, was durchhaus sinnvoll ist, zeigt sich hier doch, wie die Außenwelt auf den offensichtlich wankenden Korpus des deutschen Bibliothekswesens blickt. Peter Weibel – so heißt der Stichwortgeber und gleichzeitig Vorstand des ZKM – geht davon aus, dass Bibliotheken „nur als virtuelle Dienstleistungen überleben“. Und die Bibliotheken glauben es ihm anscheinend.</p>
<p>Fassen wir also kurz den Einstieg in Renners Kommentar zusammen, damit deutlich wird, worum es geht: Es droht nichts Geringeres als das „Ende“, Bibliotheken werden überleben, aber nicht mehr als Häuser – wenn überhaupt, denn „am Ende könnten auch die Bibliotheken den Weg alles Irdischen gehen“ und damit uns das Abendland bzw. sein bibliothekarisches Erbe verloren. „Na und?“, mag man da sagen. Das <em>Long Tail</em> wird wohl eine oder zwei übrig lassen. Schließlich fahren wir Taxi und dennoch stehen in Wien am Heldenplatz die Fiaker fast wie ehedem. Zugegeben: einem überzeugten Bibliothekar langt diese nostalgische Nische nicht und für die Wissenschaft und ihre Kommunikation ist dies momentan jedenfalls ebenso keine akzeptable Option. Aber welche Ursachen stehen hinter dem beschriebenen Nahtoderleben?</p>
<p><strong>Wir (bzw) sie virtualisieren uns zu Tode</strong></p>
<p>Renner beschwört die fortrasende Virtualisierung, welche die wissenschaftlichen Bibliotheken gleich Lemmingen dem todbringenden Abgrund entgegenhetzt. Doch bevor wir alle Hoffnung fahren lassen, sind wir unseres Schicksals Lenker und können den Untergang aufhalten. Die Lösung heißt dieses Mal – nicht ganz überraschend passend zum Themenheft – „Teaching Library“. So auch der Haupttitel des Kommentars: „Wer früher lehrt, ist später tot.“ Sterben aber, so impliziert Renner, müssen wir in jedem Fall. Nur der Zeitpunkt, den können wir hinauszögern. Zum Beispiel, in dem wir Bibliothekswissen in die Curricula der Bachelorstudiengänge einbringen.</p>
<p>Man hätte natürlich auch weniger fatalistisch und ohne den pathetischen Endzeitschwulst formulieren können: ’Die Digitalisierung von Inhalten und die Möglichkeit der Virtualisierung von Kommunikationsprozessen bieten den Bibliotheken andere, nicht traditionelle Wirkungsmöglichkeiten, die es ihnen ermöglicht ihr Spektrum an Vermittlungsformen von Literatur bzw. wissenschaftlichen Inhalten maßgeblich zu erweitern. Damit können sie ihre Funktion (Sammeln, Schließen und Verfügbarmachen inklusive Vermitteln von Inhalten) noch besser auf die Bedürfnisse ihrer Nutzer abgestimmt ausüben. Zudem kann man die Kommunikationstechnologien des Web 2.0 genauso wie Präsenzveranstaltungen für einen Dialog mit der Zielgruppe der Studierenden nutzen, idealerweise integriert in die Studienprogramme.’</p>
<p>Anscheinend geht Jens Renner aber davon aus, dass solch ein Positivszenario den Nerv seiner Adressaten nicht trifft und malt den Teufel in Gestalt eines aggressiven Unterhaltsträgers an die Wand und stellt sich und seine Berufskollegen dagegen prophylaktisch schon einmal in die Ecke des bitteren Klischees, dass alles vor der abgenudelten Kulisse des unbegreifbaren Dritten, der Über-Konkurrenz aus den Santa Cruz Mountains:</p>
<blockquote><p>“Was tun, wenn der letzte Datensatz fremdübernommen, der letzte Aufsatz lizensiert und das letzte Buch von Google eingescannt ist? Unsere Unterhaltsträger werden dann einen Grund brauchen, die Bibliotheken nicht aufzugeben oder austrocknen zu lassen. Die Schönheit und Reinheit des Katalognachweises mag unsere Herzen zu entflammen vermögen, aber den Rektor der Präsidenten einer Hochschule interessiert es nicht.“</p></blockquote>
<p>Und hat es nie interessiert, dies übrigens zu recht, denn der funktionalen Arbeitsteilung der Hochschulverwaltung wohnt schlichtweg inne, dass der Bibliothekar seinen Beitrag zum Funktionieren des Gesamtsystems seinem Aufgabenspektrum entsprechend leistet. Die tadellose Titelaufnahme gehört dazu. Die entflammenden Herzen waren dabei vermutlich schon immer ein Privatvergnügen, das mit der Aufgabe an sich nicht viel zu tun hat. Zudem stolpert Renner hier langfristig über die Stilblütenwiese, denn etwas später schreibt er: „Wofür der Bibliothekar nicht glüht, dafür wird sich der Finanzier nicht erwärmen.“ Wie denn nun: Soll er brennen oder soll er nicht?</p>
<p>Was das ach so übermächtige Google angeht, wird es sich, wenn es das letzte Buch gescannt hat, zunächst einmal die zahllosen Fehldigitalisierungen vornehmen müssen und eine Reihe von Titeln noch einmal angehen. Ob und wie das gedruckte Werk – auch im Bibliotheksregal – damit obsolet wird, kann man m. E. heute noch nicht absehen. Immerhin verkauft auch Amazon noch etliche Bücher in materieller Form, die man bequem auf der Amazon-Webseite „volltextdurchsuchen“ und häufig auch Blättern kann. Mein persönliches Kaufverhalten jedenfalls wird dadurch eher angeregt und je mehr die Menschen sehen, dass Offline-Zeit auch eine besondere Qualität besitzt – und zahllose Kolumnen in der Qualitäts- und anderer Presse aus den letzten drei, vier Jahren weisen auf das Umsichgreifen dieser Erkenntnis hin – desto öfter werden sie womöglich auch wieder etwas aus Papier zur Hand nehmen.</p>
<p>Die Lehre aus der Individualisierung der Lebensstile liegt nun mal in einem Verhaltenspluralismus, der sich vom entweder (gedruckt) oder (digital) zugunsten eines “sowohl als auch“ verlagert. Dass man als Bibliothek diese Entwicklung gestalten kann, kommt Jens Renner in seinem Kommentar nicht in den Sinn. Er hält es mit Klischees bibliothekarischer Arbeit, die vermutlich selbst der Feuilletonchef der FAZ seinen Feuilletonisten als zu einseitig rot anstreichen würde:</p>
<blockquote><p> „Niemand weiß also, was wir letzten Sommer getan haben.“</p></blockquote>
<p>Wir hoffen für die Hochschulbibliothek und Hochschule in Ansbach, dass hier Renner nur rhetorisch die Pferde durchgehen. Selbstverständlich gibt es in Hochschulverwaltungen mitunter die Position zu hören, dass nicht ganz eindeutig ist, warum die Bibliothek sehr viel Geld benötigt, um optimal ihre Aufgabe zu erfüllen. Und manchmal scheint gar ihre Aufgabe nicht eindeutig bekannt. Dass hier aber statt einer Selbstbezichtigung, die sich leider mehr oder weniger deutlich durch den Text zieht, fehl am Platze ist und man eigentlich auf ein in diesem Fall Verfehlen der Aufgabe durch die Hochschulleitungen und Unterhaltsträger hinweisen müsste, wird nicht geschlussfolgert. Denn – so müsste man annehmen – ist es die Aufgabe einer guten Führungsetage, dass sie über Funktion und Funktionsgüte der ihnen unterstellten Teilinstitutionen, d.h. also auch der Hochschulbibliotheken, im Bilde ist. Sollte einer Hochschulleitung also über Nacht wirklich auf einmal durch den Kopf schießen, dass ihre Bibliothek ein – wie Renner semantisch etwas unsauber schreibt – „Kostentreiber“ ist, oder ein, da es ohne Aufwand nicht geht, in jedem Fall zutreffender „Aufwandsverursacher“, und sie in Staunen versetzen, dann deutete dies auch irgendwie darauf hin, dass sie – die Leitung – ihr Handwerk nicht ganz nach Pflichtenheft versieht und daher nicht weiß, was im eigenen Hause vor sich geht.</p>
<p><strong>Die Bibliothek in der Dauerwerbesendung</strong></p>
<p>Die transportierte Befürchtung, dass eine Hochschulleitung leichtfertig ihre Bibliothek zusperrt, entspringt obendrein einer trivialen Vorstellung von Betriebswirtschaft, denn selbst wenn die Bibliothek suboptimal arbeitet, stellt sie doch einen Wert dar, den man lieber erst einmal sinnvoll zu nutzen versucht, als ihn einfach wegzuwerfen. Zudem sprechen mindestens zwei Gründe gegen eine derartige Geringschätzung der Bibliotheken durch ihre Mutterhochschulen: Einerseits wurden und werden diverse, z. T. enorm teure und repräsentationsorientierte Bibliotheksneubauten in die Campuslandschaften gebaut und zum anderen besitzen die großen „Leuchtturmuniversitäten“ der Ivy-League durchweg exzellente Bibliothekssysteme. Hier den Sonderweg zu gehen und Eliteuniversitäten ohne Bibliotheken heranzüchten zu wollen, ist der deutschen Hochschulpolitik nun wirklich nicht zuzutrauen. In das aktuelle Idealbild des Hochschulwesens ist die Bibliothek elementar eingebettet. Das „werbend für uns selbst eintreten“, welches Jens Renner als Losung der Stunde ausruft, könnte hier einen prima Ansatzpunkt finden.Die Betonung dieser Grundsätzlichkeit scheint in den offenbar auf große Vorbilder orientierten Universitätsleitungen in jedem Fall sinnvoller, als ihnen in einer falsch verstandenen Übernahme des Vokabulars der Unternehmenswelt einzureden, sie müssten sich als „Shareholder“ sehen.</p>
<p>Und auch innerhalb der Bibliothek wirkt die Radikalkur eher verunsichernd. Gleiches dürfte für den leider auch bei Renner deutlich werdenden Griff in die Anglizismenkiste gelten, der überflüssigerweise aus Zugang „Access“ und aus Inhalt „Content“ macht. Wer sich auch terminologisch so verwässert und damit auch die eigene Identität zur Disposition stellt, muss sich nicht wundern, wenn auf einmal ominöse „Mitbewerber um Geld und Ansehen“ auf den Plan treten, die „ihren Wert [zu] artikulieren wissen“.</p>
<p>Die Bibliothek wird jedenfalls nicht wertvoller, wenn sie bis in die Service-Point-Sprache versucht, genau wie diese Mitbewerber auszusehen – denn dann wird sie tatsächlich verwechsel- und austauschbar. Zudem wüsste man natürlich gern, welche feindliche Armada Renner konkret im Sturmritt auf die Bastion der Literaturversorgung zu galoppieren sieht. Dafür, dass sie sich nicht von der Verkaufsrhetorik der Wissenschaftsverlage kirre machen lassen, sollten die wissenschaftlichen Bibliotheken abgeklärt genug sein. Wie man Kunden gewinnt, hält und kontrolliert, können sie übrigens zumeist in den entsprechenden Sachgruppen ihres eigenen Bestandes nachlesen.</p>
<p><strong>Studierende: Der Rohstoff der Bibliotheken</strong></p>
<p>Die aktuellen Studierendengeneration dagegen scheint dies nicht mehr so richtig zu können – oder zu wollen. Das Bild, welches Renner von heutigen Hochschülern (bzw. in seiner Diktion: vom „nachhaltig nachwachsenden Rohstoff Studierende“) zeichnet, ist jedenfalls düster und wenn dies auf die FH Ansbach tatsächlich derart zutrifft, sollte sich die dortige Fachkoordination einmal zum Krisengipfel treffen und die Curricula umstellen:</p>
<blockquote><p>“Es mag besonders motivierte Studierende geben. Ganz sicher aber gibt es viele nicht ganz so leistungsbereite Studierende, die sehr klug und zielgerichtet das Prüfungswissen punktgenau bereitstellen. Nicht weniger. Selten mehr.“</p></blockquote>
<p>Im Anschluss wird wieder der üblich „Google-Hupf“ [sic!] beschworen und beklagt, dass man damit auch durchkommt. Wenn dies tatsächlich ausreicht, wird die Hyde’sche „fame generation“ allerdings auch nicht die „hilfsbereiten, empathischen und aus Steuermitteln halbwegs auskömmlich finanzierten Experten“ annehmen. Nebenbei: Was interessiert das dritte Merkmal eigentlich die Studierenden? Würden sie noch mehr Hilfsbereitschaft und Empathie einfordern, wenn sie beispielsweise über Studiengebühren die Bibliotheksmitarbeiter direkt finanzierten?</p>
<p>Dass Bibliotheken didaktisch aufbereitete Tutorials anbieten, ist ein willkommener, notwendiger und eigentlich auch selbstverständlicher Dienst. Ob sich daraus jedoch der Rettungsanker, wäre denn die Not so groß wie behauptet, schmieden ließe, bleibt fraglich.</p>
<p>Überraschenderweise nimmt Renner jedoch genau dies und nicht etwa die funktionsgebende Verpflichtung, optimale Dienstleistungen anzubieten, als Auslöser für einen Staffettenlauf des Marketingvokabulars gen Selbsterhaltung, der mitunter fast wie Satire klingt:</p>
<blockquote><p> “Eine curricular eingebundene Lehrveranstaltung „Wissenschaftliches Arbeiten“ ist eine Dauerwerbesendung, besser noch: ein interaktiver Werbedialog für die Leistungen der Bibliothek. Daran lassen sich weitere Kundenbindungsmaßnahmen anschließen, etwa ein Diplomanden-vier-Augen-Service.“</p></blockquote>
<p>Dauerwerbesendung? Interaktiver Werbedialog? Rufen sie jetzt an, gleich schlägt der Hot-Button zu? „Vier-Augen-Service“? Eine Stichelei gegen Brillenträger? Marketing schön und gut – aber man sollte vielleicht in der Wortwahl die Nähe zum Produkt und auch zur Zielgruppe suchen. Für eine wissenschaftliche Zielgruppe darf es ruhig ein wenig weniger phrasenhaft klingen und selbst Studierende fühlen sich wohler, wenn sie das Gefühl haben, dass die Leute wissen, wovon sie sprechen. Das zitierte Klangfeuerwerk verunsichert dagegen nicht wenig, wobei es spannend wäre, zu sehen, wie Studierende aus dem Bereich „Marketing“ auf so etwas reagieren:</p>
<blockquote><p>„Eine Lehrveranstaltung ist Bibliotheksmarketing direkt am Kunden, den erst die drohende Klausur motiviert, bald aber die charismatische und interaktiv aktivierende Wissensshow der Bibliothekarin völlig begeistert.“</p></blockquote>
<p>Das muss sich erst einmal setzen: „charismatische, interaktiv aktivierende Wissensshow der Bibliothekarin“. Was muss man sich hier vorstellen? Ein Nummerngirl mit Gnadengabe? Ein Entertainmentmodell mit Ratequiz? Die Verführung des Toren mittels des Apfels der Weisheit in „eine neue Welt, die er zugleich kritisch zu reflektieren lernt.“ Das ewig Weibliche (natürlich) zieht den faulen Studenten mit seinen Reizen hinan und hinein in die schillernde Welt des Bibliotheksbestands, damit nachher keiner der „Shareholder“ sagen kann, man wäre nicht ganz nah dran an der Zielgruppe. Dies alles wird eingekleidet in ein verbrämtes Aufklärertum, das so ein bisschen noch moralischen Zielen folgt, aber eigentlich nur neue Ernährer heranzieht, die im Gegensatz zu den heutigen, die Bibliothek zu schätzen wissen:</p>
<blockquote><p>“Die co-finanzierenden Kunden, in die Rolle eines neuen Entscheiders aufgerückt, werden interessiert, informiert und überzeugt von der Sinnhaftigkeit der Bibliotheksinstanz“.</p></blockquote>
<p>Mit Charisma und Wissensshow. Wer wird Professor…</p>
<p>Ganz zu recht fragt Jens Renner, „Fürchten wir uns ein wenig davor?“ Bei prickelnden Sätzen wie „Sex up your library service“ ist die Furcht nicht nur „ein wenig“, sondern gewaltig, sofern man davon ausgeht, dass Bibliothekare auch in Zukunft solid und seriös Informationen vermitteln und wissenschaftliche Kommunikation unterstützen sollen, was wohl ganz zurecht nicht in die Kategorie „cooler Fun-Job“ à la Bademeister in St. Peter-Ording oder Projektentwickler beim StudiVZ passt. Das „neue und positive Licht“, welches Renner erstrahlen lassen will, wird den Bibliothekaren dann aufgehen, wenn sie sich „aus der Masse von Werbemüll [vergleiche: „…ist eine Dauerwerbesendung“] und ungeprüfter Behauptung die Rosinen picken können.“ Dazu zählt u.a. auch das Hinterfragen von Nachsätzen wie</p>
<blockquote><p>„Wir sind es, die diese Rosinen in Rum einlegen helfen und daraus schmackhaften Kuchen zu machen [sic!], wir können elegante Tipps für eine geschmeidige schriftliche Arbeit geben.“</p></blockquote>
<p><strong>Die Sorge ums Selbst</strong></p>
<p>Vielleicht bin ich mit meinen Wissenschaftsidealen ein Ewiggestriger, vielleicht auch nur humorlos. Aber für mich, der ich durchaus einer fröhlichen Wissenschaft etwas abgewinnen kann, ist die Aussicht auf eine Promotionsverteidigung als – wenn auch übertragen gemeint – von der Hochschulbibliothek beförderte Tortenschlacht ein Sahnhäubchen zuviel. Wer auf „Ideen wie Peer-Review“ als „Qualitätssicherung“ der Wissensbasis des Nutzers hinweist und betont</p>
<blockquote><p>„Er wird erst dann wissenschaftlich geprüfte Quellen suchen und andere unbeachtet am Wegrand zurücklassen, wenn ihm der Unterschied zwischen beiden Welten verständlich wurde“</p></blockquote>
<p>und gleichzeitig derart Phrasen plakatiert, zeigt leider deutlich, in welche der beiden Welten er sich manövriert. Das kann man natürlich machen und man kann den Studierenden auch dem Zeitgeist gemäß unterstellen, sie interessierten sich nicht für Wissenschaft und Bibliothek, wobei die Umsetzung des Bologna-Prozesses mit seinen Effektivstudiengängen im Gegensatz zu erkenntnisorientierten Programmen ein nicht zu kleines Schärflein zu solchen Zerrbildern beiträgt. Aber man sollte nicht die Gesamtheit der Fach- und Berufskollegen mit derartigen Droh- und Rettungsszenarien zum Folgen auffordern. Die Hochschulautonomie, Google und "<em>Web’n’Walk"</em> als „unterminierende Faktoren“ zu bezeichnen, ist schon ein deutliches Symptom für eine gewisse Ratlosigkeit, die in der entlarvend unterwürfigen Aussage resultiert:</p>
<blockquote><p>“Wir tun unseren Entscheidern und Kunden etwas Gutes – damit sie uns nichts Böses tun.“</p></blockquote>
<p>die sich mit einer ungeheuerlichen Selbstüberschätzung verbindet:</p>
<blockquote><p>“Demokratisierende und oft inhaltlich verflachende soziale Welten a la Web 2.0 machen diese Erkenntnis [dass es zwei Welten gibt, nämlich die der bibliothekarischen Qualitätsinformation und den Rest] noch deutlicher.“</p></blockquote>
<p>Hier treffen sich der Qualitätsjournalismus der Felicitas von Lovenberg und die Überlebensstrategie der wissenschaftlichen Bibliotheken, wie sie Jens Renner sieht, wieder. Und so wie man dennoch manchmal die FAZ, den Guardian oder die New York Times liest, da dort nach wie vor auch Autoren Raum finden, die die Darstellung eines Themas auf hohem Niveau beherrschen, wird man auch das Prinzip der Teaching Library begrüßen, dass, wie u.a.auch andere Beiträge dieses BuB-Heftes zeigen, mehr sein kann, als ein aus eine irrationalen Furcht entspringendes Rhetorikhülsengeklapper mit dem einzigen – trivialdarwinistisch angehauchten – Ziel der Selbsterhaltung um jeden Preis.</p>
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		<item>
		<title>Stadtraum, Stadtpark, Stadtbibliothek - eine Handvoll Überlegungen zur öffentlichen Bibliothek</title>
		<link>http://kontext.edublogs.org/2007/10/25/stadtraum-stadtpark-stadtbibliothek-ein-paar-kurze-uberlegungen-zur-offentlichen-bibliothek/</link>
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		<pubDate>Thu, 25 Oct 2007 10:40:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ben</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Bibliothek]]></category>

		<category><![CDATA[Kundenorientierung]]></category>

		<category><![CDATA[Library 2.0]]></category>

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		<description><![CDATA[Eigentlich wollte ich nur aus einem Nebeninteresse heraus ein wenig in einem Aufsatz „zur Ökonomie der Stadtparkkultur“ blättern. (Axel Ostmann; Joachim Vogt: Ökonomie der Stadtparkultur. In: Zeitschrift für Sozialmanagement. 2 (2) November 2004, S. 97-121)
Einige Passagen lassen jedoch Parallelen zwischen "Stadtgrün" und öffentlichem Bibliothekswesen aufscheinen, die ich für festhaltenswert erachte.
So liest man:
„Stadtparks verursachen Kosten. Wäre [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Eigentlich wollte ich nur aus einem Nebeninteresse heraus ein wenig in einem Aufsatz „zur Ökonomie der Stadtparkkultur“ blättern. <font size="1">(Axel Ostmann; Joachim Vogt: Ökonomie der Stadtparkultur. In: Zeitschrift für Sozialmanagement. 2 (2) November 2004, S. 97-121)</font></p>
<p>Einige Passagen lassen jedoch Parallelen zwischen "Stadtgrün" und öffentlichem Bibliothekswesen aufscheinen, die ich für festhaltenswert erachte.</p>
<p>So liest man:</p>
<blockquote><p>„Stadtparks verursachen Kosten. Wäre ein Stadtpark ein privates, marktfähiges Gut, so wäre es wirtschaftlich, so viel davon zu produzieren, dass der Gewinn, also Erlöse minus Kosten möglichst groß wird Da ein Stadtpark jedoch ein nicht marktfähiges Kollektivgut ist, können wir die Nachfrage nur indirekt erschließen sehen keinen geldwerten Gewinn. Nun ist eine Stadt auch kein Wirtschaftsbetrieb, und schon ihr sozialer und kultureller Auftrag verbietet kostendeckende Eintrittsgelder für Stadtparks. Die Stadt gehört den Bürgern, also auch ihr Kapital und dazu gehört der Stadtpark.“ (S.118)</p></blockquote>
<p>Man kann m.E. in diesen Zeilen das Wort „Stadtpark“ durch das Wort „(Stadt)Bibliothek“ ersetzen, ohne in allzu große argumentative Probleme zu geraten</p>
<p>Immerhin ist - trotz allem Bemühens weiter Zweige der Bibliothekstheorie der letzten Jahre, öffentliche Bibliotheken als „marktfähiges Gut“ mit „erschließbarer Nachfrage“ zu sehen und entsprechend mit Schlagwörtern wie Kundenbindung (mitunter sogar im Wettbewerb  mit „Google“) und Kosten-Leistungsrechnung „Diensleistungen als Überlebenschance“ zu entwickeln – der Status der öffentlichen Bibliothek als Kollektivgut bislang kaum in Frage gestellt worden.</p>
<p>„Kollektivgut“ meint dabei im Anschluss an den Ökonomen Mancur Olson (<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Mancur_Olson">Eintrag in der Wikipedia</a>)  ein Gut, „das den anderen … praktisch nicht vorenthalten werden kann“. (S. 98) Der Stadtpark ist eine Leistung der „kommunalen Daseinsvorsorge“, weshalb sich „ein Ausschluss von Bürgern der Stadt verbietet“.</p>
<p>Dies gilt hoffentlich auch für die Stadtbibliothek, deren Name sie bereits direkt als Institut für Stadtöffentlichkeit ausweist. Auch wenn öffentliche Bibliotheken, anders als die häufig als fixiert empfundenen Parkanlagen, in Hinblick auf eine mögliche direkte Gestaltungsinteraktion mit dem Bürger bevorteilt erscheinen, hat man auch bei diesen den Eindruck, dass "die Anerkennung eines positiven Gestaltungsrechtes bei Kollektivgütern" durch die Bürger auch dort lange Zeit nicht in jedem Fall zum Selbstverständnis gehörte.<br />
Hinter dem Konzept der "Bibliothek 2.0" verbirgt sich in gewisser Weise ein Versuch, an dieser Stelle konkrete Möglichkeiten zu entwickeln. Die massiv propagierte "Kundenorientierung" der letzten 10 bis 15 Jahre war ein anderer Ansatz, "die Bürger als Souveräne zu akzeptieren". Allerdings verfehlte der Versuch das "der Kunde ist König"-Prinzip, also der "Konsumentensouveränität", den eigentlichen Gegenstand und auch hier kann man auf eine Formulierung aus dem Aufsatz zurück greifen:</p>
<blockquote><p>"Die Freiheit, alles kaufen zu können und über Zahlungskraft und Nachfrage die Produzentin oder die Dienstleisterin über ihr Gewinnstreben in die richtige Richtung zu lenken, mag für Märkte von privaten Gütern ein attraktives Leitbild sein, taugt jedoch nach weitverbreitetem Wissen nicht für politische Institutionen. ... Auch lässt sich fragen, ob, wenn der Kunde König sei, der Dienstleister Untertan zu sein habe. ..." S.113)</p></blockquote>
<p>Die Autoren sprechen sich für das "Leitbild der verantwortlichen Teilnahme" aus und genau dieses sehe ich als fruchtbaren konzeptionellen Kern der "Bibliotheks 2.0"-Bewegung.</p>
<p>Das Wort "Kunde" impliziert in seiner aktuellen, personalisierten Verwendung unglücklichweise nicht mehr seine ursprüngliche etymologisch auf das "Bekanntsein" fußende Bedeutung, sondern die des Käufers. Ein Kunde ist jemand, der in einem Geschäft als Käufer bekannt ist, also immer wieder mal am selben Ort eine Ware oder Dienstleistung gegen Entgelt in Anspruch genommen hat. Dies erschwert m.E. die Übertragung des Ausdrucks auf den Bereich der Bibliotheken ungemein, weckt es doch bei vielen - besonders Außenstehenden - den Eindruck, die Bibliothek wäre ein Dienstleistungsgeschäft wie andere kommerziell betriebene auch. Als Kollektivgut kann sie dies aber nicht sein.</p>
<p>Vielleicht steht hinter der Verschiebung der Bezeichnung vom Nutzer vom Kunden auch der Gedanke, dass sich damit besser das Gestaltungsrecht des Bürgers besser kommunizieren lässt. Zu wenig berücksichtigt wird dabei jedoch, dass damit auch ein Konsumanspruch in den Vordergrund tritt und bestimmte stadtkulturelle Funktionen der Stadtbibliothek in der Wahrnehmung zurückdrängen. Nach meinem Verständnis lässt sich die Institution Bibliothek - genauso wie der Stadtpark - nicht nur auf eine Dienstleistungsfunktion reduzieren und jede Kommune täte gut daran, dies einerseits zu realisieren und andererseits ihre Bürgerschaft zu vermitteln.</p>
<p>Insofern leistet der Gedanke, Eintrittsgelder zu erheben, um damit Einnahmen für Haushalt zu gewinnen, der Stadtkultur eher einen Bärendienst. Zugangsbeschränkungen reduzieren den Raum, der als "öffentlich" wahrgenommen wird. Die Bibliothek erscheint verschwindet in der Wahrnehmung als Kollektivgut und erscheint in gewisser Weise als Konsumraum, in dem nicht Bürger als Bürger Nutzungsrecht hat, sondern er dann, wenn er zahlt und dadurch Kunde wird, "König" ist.</p>
<p>Wenn beispielsweise die Stadtbibliothek Magdeburg für „für 1 Tag Bibliotheksbenutzung ohne Entleihung“ 2 Euro berechnet (vgl. <a href="http://www.magdeburg.de/index.phtml?La=1&amp;sNavID=115.37&amp;ffmod=tx&amp;ffmod=tx&amp;object=tx|37.1991.1|37.7.1">hier</a>), dann bietet sie nunmal kein „vielseitiges Angebot für alle Bürgerinnen und Bürger“ (vgl. <a href="http://www.magdeburg.de/index.phtml?La=1&amp;sNavID=115.37&amp;ffmod=tx&amp;ffmod=tx&amp;object=tx|37.1812.1|37.7.1">hier</a>), sondern für die - wie umfänglich auch immer - exklusive Gruppe derer, die bereit sind  diese zwei Euro für einen Tag Stadtbibliothek auszugeben. Will man dabei den Zugangspreis dennoch halbwegs allgemeinverträglich gestalten - was bei den 2 Euro in Magdeburg sicher auch mitschwingt - rechnet es sich offensichtlich kaum. Dies gilt jedenfals für Parkanlagen, wie die Autoren darstellen,  da der „Beitrag […] nicht zu hoch veranschlagt werden [sollte], zumal der Tarif, des hohen Wertes der sozialen Kultur wegen, sozial verträglich gestaltet sein muss. Damit verschlingt die Erhebung der Eintrittsgelder einen erheblichen Teil der eigenommenen Gelder. Den eigentlichen Nutzen von Eintrittsgeldern kann man hingegen in der erzeugten Wertschätzug und in der Eindämmung von Vandalismus sehen.“ (S. 109f.) Eintrittsgelder haben also eher ein Wirkung im Bereich der Schadensabwehr (wie z.B. auch Überziehungsgebühren), was aber für öffentliche Bibliotheken in Hinblick auf den reinen Zugang kaum ein relevantes Argument sein dürfte.</p>
<p>Natürlich kann man argumentieren, dass eine Bibliothek ohnehin nur einen Bruchteil der Stadtbevölkerung erreicht, der hier postulierte allgemeine Anspruch also eher Augenwischerei ist. Aber es geht m.E. auch nicht um die tatsächliche Nutzung, sondern um die potentiell mögliche Nutzung. Bibliotheken sind, wie Stadtparks oder auch ein, zwei oder drei Opernhäuser, Teil der Stadtkultur, haben also Effekte, die über ihre Kernfunktion hinausweisen. Entsprechend sind sie nicht marktfähig:</p>
<blockquote><p>„Das Dilemma ist, dass einerseits Stadtkultur das Leben in der Stadt erst lebenswert macht und ihre Bürger freundlich stimmt, andererseits Kultur gegenüber anderen Leistungen der Kommune für ihre Bürger, im Bewusstsein vieler gegenüber anderen dringenderen Aufgaben nachrangig erscheint.<br />
Würden jedoch die Güter „Theater“, „Schule“, „Park“ [und „Bibliothek“] auf einem Markt gehandelt, so würden Angebot und Nachfrage zu Preisen führen, die großen Teilen der Bürgerschaft den Zugang de facto verwehren würden. Stadtkultur, in dem Sinne, dass alle in der Stadt daran teilnehmen können, würde aufgelöst. Mit dieser Kultur verschwänden Gemeinsamkeiten, die Freundlichkeit und Friedlichkeit in einer Stadt erst ermöglichen. Die Stadtkultur würde in viele „Teilkulturen“ zerfallen, fragmentiert werden. Öffentliche Parks sind sinnstiftend für die gemeinsame Stadtkultur: Darin liegt eine wesentliche Begründung ihres Unterhalts.“ (S. 97)</p></blockquote>
<p>Für die Bibliotheken gilt dies ähnlich, auch wenn das Argument der „Sinnstiftung“ häufig etwas untergeht, besonders, da man es im Gegensatz zu konkreten Ausleihzahlen schwer messen kann. Allerdings liegt genau hierin das Potential für Bibliotheken. Da das Subsystem "Kommune" Teil des "Gesamtsystems" Gesellschaft ist, lässt sich die Wirkung eines gut ausgebauten öffentlichen Bibliothekswesens nicht nur auf stadträumliche und -kulturelle Effekte reduzieren, sondern wirkt gesamtgesellschaftlich. Der Bundespräsident hat in seiner <a href="http://www.bundespraesident.de/-,2.641428/Festrede-von-Bundespraesident-.htm">Weimarer Rede</a> sehr allgemeinverständlich darauf hingewiesen:</p>
<blockquote><p>Die öffentlichen Bibliotheken sind weder ein Luxus, auf den wir verzichten könnten, noch eine Last, die wir aus der Vergangenheit mitschleppen: sie sind ein Pfund, mit dem wir wuchern müssen.</p></blockquote>
<p>Notwendig scheint es, dies stärker als bisher zu verankern und wo nötig Kommunen bei der Einrichtung, Erhaltung und Entwicklung des Kollektivgutes "Bibliothek" zu unterstützen. Schade ist, dass Horst Köhler in seiner Rede den Bildungsaspekt für Jugendliche ins Zentrum rückte:</p>
<blockquote><p>Die Chance zur kulturellen Teilhabe, dass heißt der Zugang zu Kunst und Kultur, zur Geschichte und zu wissenschaftlichem Denken, ist das Recht eines jeden Heranwachsenden.</p></blockquote>
<p>Denn eigentlich sollte dies das Recht jedes Bürgers sein.</p>
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		<title>Wir Minotauren? Gedanken zu Theseus und der Bibliothekswissenschaft.</title>
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		<pubDate>Tue, 09 Oct 2007 15:03:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ben</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Bibliothekswissenschaft]]></category>

		<category><![CDATA[THESEUS]]></category>

		<category><![CDATA[Web 2.0]]></category>

		<category><![CDATA[Web 3.0]]></category>

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		<description><![CDATA[Mit vierteljährlicher Regelmäßigkeit schickt mir Fraunhofer-Gesellschaft ihr Forschungsmagazin, was ich nicht als erstes lese, wenn ich die Post sichte, aber ganz gern mal in der S-Bahn, zumal man, nachdem sich der "Souverän" (wer es in diesem Fall auch immer sein mag) durchgesetzt hat und die Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung überzeugte, die FAZ schnellesiger zu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mit vierteljährlicher Regelmäßigkeit schickt mir Fraunhofer-Gesellschaft ihr <a href="http://www.fraunhofer.de/fhg/publications/magazin/index.jsp">Forschungsmagazin</a>, was ich nicht als erstes lese, wenn ich die Post sichte, aber ganz gern mal in der S-Bahn, zumal man, nachdem sich der "<a href="http://www.faz.net/s/Rub475F682E3FC24868A8A5276D4FB916D7/Doc~E9A236CB3F5844465A6A8FA45926F906D~ATpl~Ecommon~Sspezial.html">Souverän</a>" (wer es in diesem Fall auch immer sein mag) durchgesetzt hat und die Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung überzeugte, die FAZ schnellesiger zu gestalten, was zwar trotz der eher grotesken Argumentation Werner D'Inkas jedenfalls für mich unverständlich bleibt und völlig überflüssig war, aber am Ende mehr Zeit für das Fraunhofer Magazin u.ä. lässt. Außerdem ist so Forschungsmagazin in der Regel etwas schneller an den aktuellen Entwicklungen dran, als es die Wissenschaftsteile der Tageszeitungen sein können.</p>
<p>Mit sehr großem Interesse habe ich natürlich sofort den Beitrag "Werkzeuge für das Web 3.0" (<a href="http://www.fraunhofer.de/fhg/Images/magazin4-2007-14_tcm5-85775.pdf">hier als PDF</a>), in dem es um das <a href="http://theseus-programm.de/">THESEUS-Programm</a>  - von dem <a href="http://weblog.ib.hu-berlin.de/?p=4822">nicht jeder viel hält</a> - geht, das mit keinem geringen Ziel im Titel auszieht, als einer "neuen internetbasierten Wissensinfrastruktur". Nur kann  und sollte man vom <em>Branding</em> eines Projektes nicht zwingend auf die Qualität schließen. Aber das, was geschildert wird, verspricht auf jeden Fall eine Menge. So findet sich unter dem Programmpunkt <a href="http://theseus-programm.de/scenarios/de/alexandria">ALEXANDRIA - eine Endnutzer orientierte Wissensplattform</a> folgende Beschreibung:</p>
<blockquote><p>Das Forschungsvorhaben widmet sich auch der Frage, auf welchem Wege sich von Experten aufgebaute Ontologien mit so genannten Folksonomies verknüpfen lassen. Folksonomien sind durch gemeinschaftliches Indexieren erstellte Sammlungen von Tags. Dabei stehen Forschungsarbeiten zur einfachen und intuitiven Nutzbarkeit einer solchen Plattform, zur Überprüfung und Erhöhung der Informationsqualität der verfügbaren Informationen und zum Management einer aktiven Alexandria Community im Vordergrund.</p></blockquote>
<p>Damit würde man ein elementares Desiderat der Bibliothek 2.0 aufgreifen. Was bedauerlicherweise ins Auge fällt, ist, dass bis auf die <em>Deutsche Nationalbibliothek</em> soweit ich es überblicke keine weiteren bibliothekarischen oder bibliothekswissenschaftlichen Akteure beteiligt sind. Das ist insofern bedauerlich, als man eigentlich annehmen sollte, dass vor dem Hintergrund der genuinen Aufgabe von Bibliotheken bzw. der Dokumentation bei der Beschreibung und Zugänglichmachung von Dokumenten hier durchaus die Chance bestanden hätte, die Bibliotheken nicht nur als Nachnutzer von Innovation, sondern als Mitgestalter einzubinden.</p>
<p>Im Zentrum des THESEUS-Programms stehen semantische Vernetzungsmöglichkeiten - also das Web 3.0 - wobei die Verknüpfung über die Metadaten erfolgt. Ein Teil der Projekte ist auf die automatische Metadatengenerierung ausgerichtet (vgl. <a href="http://theseus-programm.de/theseus-basistechnologien">auch hier</a>, Punkt a), wovon man sich beispielsweise konkret in der Medizin bei der Auswertung von Computertomographie aufnahmen viel erhofft (vgl. Anwendungsszenario <a href="http://theseus-programm.de/scenarios/de/medico">Medico</a>). In Anbetracht der Tatsache, der prospektiv großen Bedeutung z.B. der Digitalmikroskopie (<a href="http://dotslide.olympus-sis.com/">hier ein Beispiel</a>)  in der medizinischen (und biologischen etc.) Forschung steht hier vielleicht eine kleine Revolution bei Nutzung bildgebender Verfahren ins Haus. Dass solche diese Bilderkennungsmöglichkeiten irgendwann auch bei Flickr auftauchen und endnutzerfreundlich die Erschließung der eigenen Digitalfotosammlung ermöglich ist sicher nur eine Frage der Zeit.</p>
<p>Die Mitwirkung der Bibliotheken bezieht sich dagegen - fast möchte man sagen: dem Klischee entsprechend - auf den Aspekt des besseren Bewahrens und Verfügbarmachen des Bewahrten:</p>
<blockquote><p>"Bibliotheken, Sendeanstalten, Archive und Museen stehen vor der Herausforderung, digitale Kulturgüter einem beitem Publikum zugänglich zu machen."</p></blockquote>
<p>heißt es im Text des Magazins. Die Bibliothek bleibt als Sicherer des kulturellen Vermächtnis. (Anwendungsbeispiel <a href="http://theseus-programm.de/scenarios/de/contentus">CONTENTUS - Sicherung Kulturerbe</a>) Ihre mögliche aktive Rolle in der Wissenschaftskommunikation oder in Hinblick auf spezielle (nicht für das "breite Publikum") Informationsbedürfnisse findet dagegen keine explizite Beachtung.  Nicht dass diese Aufgabe der Sammlung und (Langzeit)Archivierung nicht hoch ehrenswert und sehr notwendig ist. Aber eigentlich sollten m.E. Bibliotheken (2.0) über den Umgang mit Artefakten hinaus weitaus direkter in die Koordination wissenschaftskommunikativer Strukturen eingebunden agieren. Die Frage, wie man neu publizierte wissenschaftliche Erkenntnis möglichst in Echtzeit, wenigstens zeitnah, mit Metadaten erschließt und idealerweise semantisch verknüpft, um die Wissenschaft mit entsprechenden hoch aktuellen Zugängen zur Forschungsliteratur und vielleicht auch Rohdaten zu versorgen, scheint mir momentan durchaus zentral für die Bibliothekswissenschaft.</p>
<p>Das Internet erodiert in gewisser Weise die Vorstellungen vom abgrenzbaren Dokument, wie es die Monographie oder der Zeitschriftenaufsatz waren. Es ist/wird nun möglich, Textschnipsel, Bilder, Einzelaussagen, Formeln etc. aus den Texten zu extrahieren und neu zu Hyperdokumenten zu kombinieren, die anfragenspezifisch erzeugt werden. Das ist ein schöner Vorteil der Verknüpfung, der Nachteil ist allerdings, dass der menschliche Nutzer u.U. bei gänzlicher Auflösung jeder für ihn erkennbaren Grenze - "lost in hyperspace" - seine Rezeptionsgewohnheiten erfahrungsgemäß nicht im Gleichschritt mit den technischen Möglichkeiten umstellen kann. Die sich hier ergebende Herausforderung, die wiederum ebenfalls auch für die Bibliotheken und die Bibliothekswissenschaft zentral erscheint, ist die Frage nach der "Form" der entsprechenden Schnittstellen zwischen Mensch und Maschine. Welche Form müssen die (personalisierten) Dokumente aufweisen, um optimal für den Erkenntnisprozess nutzbar zu sein? Wohl dem, der neben der Bibliothekswissenschaft auch ein bisschen Wahrnehmungspsychologie studieren konnte...</p>
<p>Aber auch dafür gibt es im THESEUS-Programm einen Baustein, der den schönen Namen "<a href="http://theseus-programm.de/scenarios/de/ordo">ORDO - Ordnung digitaler Information</a>" trägt:</p>
<blockquote><p>Im Rahmen des Anwendungsszenarios ORDO sollen durch Erforschung und Entwicklung von semantischen Technologien neue Dienste und Softwarewerkzeuge entstehen, die dem Benutzer eine übersichtliche und mühelose, weil automatisch erstellte, Ordnung seiner gesamten digitalen Informationen ermöglichen. Eine hohe Skalierbarkeit ermöglicht die problemlose Verarbeitbarkeit sehr großer Datenmengen und deren grafische Visualisierung als Wissensmodell. Im Gegensatz zu bestehenden Lösungen ermöglicht die personalisierte Verknüpfung der Inhalte eine einheitliche Ordnung unstrukturierter und strukturierter Daten, so dass ein effizientes, individuelles Wissensmanagement möglich wird.</p></blockquote>
<p>Dass (subjektiv empfundene) Übersichtlichkeit wirklich kausal mit der automatischen Generierung einhergeht, wie das Zitat suggeriert, bezweifle ich, bis ich durch Anschauung belehrt werde. Aber die Stoßrichtung ist klar und ebenso, dass die Fantasie der Bibliothekswissenschaftler sich doch sehr rotieren muss, um irgendetwas in ihrem Metier zu finden, was nicht potentiell unter Theseus subsumiert wird.</p>
<p>Es wird also eng, für die deutsche Bibliothekswissenschaft innerhalb dieser Forschungsziele, die allerdings zunächst hauptsächlich den STM-Bereich zu bedienen scheinen, denn bis die argumentativen und interpretativen Wissenschaften in ganzer Tiefe ebenfalls mit Web 3.0-Technologie befriedigend erschließbar und visualisierbar sind, müssen auch die Maschinen noch sehr viel lernen. Für das Retrieval potentiell relevanter Quellen werden sich die Ergebnisse des THESEUS-Programms selbstverständlich aber auch ganz gut nutzen lassen. Was bleibt unserem Fach also außer einer fachlich fundierten kritischen technik- und wissensphilosophischen Begleitmusik?</p>
<p>Wenn denn tatsächlich die gesamte entworfene Palette von ALEXANDRIA bis TEXO wie geplant verwirklicht wird, kann man vermutlich die Virtuellen Fachbibliotheken ganz neu aufrollen. Wo man heute kaum etwas, aus dem Bereich des Web 2.0 findet, erscheint eine Umstellung auf das Web 3.0 als eine noch ganz andere Herausforderung. Ich selbst finde mich gerade ein bisschen ratlos ob der Frage, wie Bibliotheken und Bibliothekswissenschaft mit den Trends, die an ihnen etwas vorbeizugehen scheinen, umgehen. Vielleicht ist eine Möglichkeit, die Entwicklung des maschinenbezogenen Web 3.0 tatsächlich weitgehend anderen Experten zu überlassen und sich erst einmal auf das Web 2.0 und die analog nummerierte "Bibliothek" zu beziehen. Zusätzlich wäre es in der Tat vielleicht nicht verkehrt, dass Geschehen um eine reflektive Ebene zu erweitern. Die Bibliothekswissenschaft könnte im Erkennen der Geschehnisse und im Entwickeln von Folgeszenarien für die Nutzer, in informations- oder wissensethischen Fragestellungen und auch in Strukturfragen hinsichtlich der von Gesellschaft und Wissenschaft mit den sich eröffnenden wissensinfrastrukturellen Möglichkeiten eine Perspektive finden. Verstehen, Kommentieren und Vermitteln - diese drei Pfeiler sind m.E. eine Option, die übrigens auch das Formulieren von Entwicklungszielen und das Aufzeigen von Leerstellen beinhaltet.</p>
<p>Unter dem, was häufig als "Bibliothek 2.0" bezeichnet wird, verbirgt sich eine Facette, die Theseus zwar berührt ("Im Fokus stehen dabei Verfahren des Text- und Multimediamining, die qualitätsgesteuert Änderungen durch den Benutzer zulassen."), dies allerdings nur von der technischen Seite und auf die Vernetzung von Nutzer und Inhalt bezogen. Die Facette der Sozialen Software, die kollaboratives Arbeiten fördern und Individuen - unter welcher Zielstellung auch immer - vernetzen soll, ist hier vielleicht implizit enthalten, könnte aber für die bibliothekswissenschaftliche Forschung weitaus stärker in den Vordergrund rücken. Die Inhalte sind dabei das Mittel zum Zweck. Wenn man dafür dann keine "Universalbibliographie" nebst Vollmedienzugriff entwickelt hat, dafür aber den Nutzer nicht nur als Informationsnutzer sondern als - auch in der Wissenschaft - von Mensch zu Mensch Kommunizierenden begreift und diese Richtung stärker ausbaut, wäre auch einiges (an Profil) zu gewinnen.</p>
<p>Sehr traurig wäre es jedoch, wenn die Mythologie am Ende eine analoge Umsetzung findet. Nimmt man das Bild der Bibliothek von Babel eines Borges als Labyrinth  und stellt man sich den Bibliothekar in diesem als Minotaurus vor (und den Nutzer als athenisches Jungvolk), so kann man sich leicht ausmalen, was mit dem Eindringen des Theseus in dieses mit dem Web 3.0 als Ariadnefaden so alles geschehen kann.</p>
<p>Bei Dürrenmatt ließt man übrigens folgende erstaunliche Überlegung zum Thema:</p>
<blockquote><p>Daß alle neun Jahre sieben Jünglinge und sieben Jungfrauen von Minos ins Labyrinth geschickt wurden, daran läßt sich nicht zweifeln, wohl aber an der Weise, wie sie den Tod gefunden haben sollen. Natürlich lag es nahe, Minotaurus als ihren Mörder zu betrachten, wenn ich nicht so recht überzeugt bin, so nur, weil die Unmöglichkeit aus dem Labyrinth zu entweichen, der Möglichkeit entspricht, in sein Inneres zu gelangen: Minotaurus konnte weder fliehen noch gefunden werden, auch von seinen Opfern nicht. Möglich, daß diese, einmal ins Labyrinth eingedrungen, manchmal das bald ferne, bald nahe Brüllen des Stiermenschen vernommen haben, aber auf ihn werden sie nie gestoßen sein. Das wochenlange Herumirren und die ständige Furcht, doch auf die Bestie zu stoßen, wird sie aber ermattet oder in den Wahnsinn getrieben haben; vielleicht daß sich die sieben Jünglinge und die sieben Jungfrauen selbst zerfleischten, nach und nach; ... (Dürrenmatt, Friedrich: Labyrinth Turmbau Stoffe I-IX. Zürich: Diogenes, 2002 S. 92)</p></blockquote>
<p>Alles nur ein Missverständnis? Immerhin hätte hier vielleicht mehr Dialog zwischen dem Stiermenschen, den Jünglingen und Jungfrauen die Tötung durch Theseus, der dadurch eine endgültig verwaiste Labyrinthstruktur zurücklies, zugunsten einer fruchtbareren Lösung verhindert.... Soviel zur mythologischen Überspitzung einer realen Beobachtung.</p>
<p>Ich werde noch ein wenig mehr über die mögliche Rolle und die möglichen Forschungsfelder, der Bibliothekswissenschaft nachdenken und hoffe, mit dieser Beschäftigung nicht allein zu sein. Dringend notwendig erscheint mir auch gerade am Berliner Institut eine intensive(re) Fortsetzung der begonnenen Profilierung des Faches. Auch hier gilt: Mehr Dialog bzw. Diskurs wäre hilfreich. Die vor ein paar Jahren konkret aufgeworfene Frage "Bibliothekswissenschaft - quo vadis?" ist für mich jedenfalls noch nicht befriedigend beantwortet.</p>
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		<title>Die Schweden hinterfragen das Medium Weblog (via euro&#124;topics)</title>
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		<pubDate>Mon, 08 Oct 2007 17:14:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ben</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Massenmedien]]></category>

		<category><![CDATA[Presse]]></category>

		<category><![CDATA[Web 2.0]]></category>

		<category><![CDATA[Weblogs]]></category>

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		<description><![CDATA[In der schwedischen Tageszeitung Dagens Nyheter ist aktuell ein kleiner Artikel über Sinn und Unsinn von Weblogs zu lesen, den euro&#124;topics als symptomatisch für eine beginnende Debatte über Sinn und Unsinn von Blogs sieht. Auslöser ist, dass Schwedens wohl meistgelesener Blogger, Alex Schulman, sein Weblog beim Aftonbladet geschlossen hat, da ihm das eigene Niveau wohl [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In der schwedischen Tageszeitung <em>Dagens Nyheter</em> ist aktuell ein kleiner Artikel über Sinn und Unsinn von Weblogs zu lesen, den <a href="http://www.eurotopics.net/de/presseschau/archiv/article/ARTICLE21160">euro|topics</a> als symptomatisch für eine beginnende Debatte über Sinn und Unsinn von Blogs sieht. Auslöser ist, dass Schwedens wohl meistgelesener Blogger, <a href="http://www.bloggportalen.se/BlogPortal/view/BlogDetails?id=5234">Alex Schulman</a>, sein Weblog beim <a href="http://blogg.aftonbladet.se/14002">Aftonbladet</a> geschlossen hat, da ihm das eigene Niveau wohl zu gering war:</p>
<blockquote><p>er sei "angeekelt von sich selbst", begründete Schulman seinen Schritt.</p></blockquote>
<p>euro|topics übersetzt freundlicherweise die <a href="http://www.dn.se/DNet/jsp/polopoly.jsp?d=2207&amp;a=700751">Gretchenfragen</a> der DN-Journalistin Maria Schottenius:</p>
<blockquote><p>Maria Schottenius bezeichnet es als einen großen Irrtum, "dass Blogs bahnbrechend für unsere Zeit sind, vergleichbar mit dem Einzug von Internet oder Radio. Dieser Wahn hat eine Hysterie bei ansonsten seriösen Journalisten ausgelöst. Es ist betrüblich, dass respektable Journalisten sich so krampfhaft Unwesentlichem widmen. Klatsch lockt Leser. Aber wie viele Blogger werden eigentlich gelesen? Und welchen Schluss sollen wir daraus ziehen, dass die populärsten Worte bei Blog-Suchen 'Sex' und 'Porno' sind?"</p></blockquote>
<p>Vielleicht sollte man aber auch einfach eine differenzierte Sicht auf das Medium gewinnen. Immer sind es die <em>respektablen Journalisten</em>, die die Inhalte gestalten.</p>
<p>Dass dafür die Zugriffszahlen ausschlagebendes <em>Benchmark</em> sind und nicht journalisitische Wertarbeit, ist am Ende dann doch weniger am Medium Weblog, als einer anscheinend von manchen Webjournalisten gepflegten, etwas eigenartigen Vorstellung von dem, was man mit diesem tun kann (und sollte) festzumachen.</p>
<p>Die zitierte Argumentation Maria Schottenius' wirkt dabei jedenfalls in gewisser Weise ähnlich überzogen, wie all die zuvor geäußerten Revolutionsszenarien des neuen Partizipations- und womöglich Massenmediums.</p>
]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>PmbH - Persona mit beschränkter Haftung als Datenschutzmodell, in der New York Times vorgestellt</title>
		<link>http://kontext.edublogs.org/2007/10/07/pmbh-persona-mit-beschrankter-haftung-als-datenschutzmodell-in-der-new-york-times-vorgestellt/</link>
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		<pubDate>Sun, 07 Oct 2007 10:24:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ben</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Datenschutz]]></category>

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		<description><![CDATA[Bei Seminaren zur Sozialen Software, auf denen wir uns bemühen, den nicht immer unbedingt Web 2.0-affinen Teilnehmern ein wenig Begeisterung in Bezug auf diese neuen Kommunikationsformen zu vermitteln, stoßen wir oft bei der Frage nach Überschaubarkeit der daraus resultierenden Inhaltsmengen und der Komplexität der Anschlüsse, Verknüpfungen und Bezugnahmen an unsere Grenzen.
Als Nebeneffekt stolpere ich regelmäßig [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Bei Seminaren zur Sozialen Software, auf denen wir uns bemühen, den nicht immer unbedingt Web 2.0-affinen Teilnehmern ein wenig Begeisterung in Bezug auf diese neuen Kommunikationsformen zu vermitteln, stoßen wir oft bei der Frage nach Überschaubarkeit der daraus resultierenden Inhaltsmengen und der Komplexität der Anschlüsse, Verknüpfungen und Bezugnahmen an unsere Grenzen.<br />
Als Nebeneffekt stolpere ich regelmäßig in die Frage, warum es sinnvoll ist, als Einzelperson mehrere Weblogs zu betreiben bzw. an mehreren mit zu wirken. Das griffigste Argument dafür liegt sicherlich in einer jeweils unterschiedlichen thematischen Ausrichtung des Weblogs oder, wie im Fall des <a href="http://weblog.ib.hu-berlin.de/">ib(i)-weblogs</a> einer traditionellen und organisationellen Anbindung, die selbst dann fortwirkt, wenn sich die Bindung an die Institution naturgemäß irgendwann zu lockern beginnt.</p>
<p>Die Ursache, warum ich heute nicht im ib(i)-weblog s