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	<title>kontext &#187; Open Access</title>
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		<title>Freie Grütze: Ein Kommentar zur Open Access Week in der FAZ</title>
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		<pubDate>Tue, 20 Oct 2009 21:07:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ben</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kommentar]]></category>
		<category><![CDATA[Open Access]]></category>
		<category><![CDATA[2009]]></category>
		<category><![CDATA[Frankfurter Allgemeine Zeitung]]></category>
		<category><![CDATA[Open Access Week]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaftskommunikation]]></category>

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		<description><![CDATA[Gerade auf die Kosten von Open Access, aber auch auf die Folgen einer Monopolstellung elektronischer Medien und auf urheberrechtliche Bedenken verweisen die Kritiker dieses Ansatzes [OA-Förderprogramm der DFG]. Solcher Skepsis setzen die Teilnehmer der Aktionswoche Vorträge und Informationsstände entgegen. Wenn das beide Seiten darüber ins Gespräch bringt, wie und um welchen Preis Open Access die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>Gerade auf die Kosten von Open Access, aber auch auf die Folgen einer Monopolstellung elektronischer Medien und auf urheberrechtliche Bedenken verweisen die Kritiker dieses Ansatzes [OA-Förderprogramm der DFG]. Solcher Skepsis setzen die Teilnehmer der Aktionswoche Vorträge und Informationsstände entgegen. Wenn das beide Seiten darüber ins Gespräch bringt, wie und um welchen Preis Open Access die Wissenschaftslandschaft verwandelt, dann hätte sich der Einsatz schon gelohnt. Dass Open Access niemanden hungern lässt, beweist bereits die Universitätsbibliothek Kassel. Dort will man Grütze verteilen, deren Farbe und Form dem Logo der Bewegung nachempfunden sind. Natürlich kostenlos.</p></blockquote>
<p>Die Frankfurter Allgemeine Zeitung kommentiert in ihrer morgigen Ausgabe auf den Seiten zum Thema Forschung &amp; Lehre (leider nur) kurz die<em> <a href="http://www.openaccessweek.org/">Open Access Week</a></em>.  (<em>Grütze gegen Zweifel</em>, Seite N 5, bislang nicht frei im Netz) An andere Mittwochen hat sie allerdings schon sehr prägnante Beiträge zur Debatte beigesteuert.  Diesmal preist sie eher allgemein die Diskursivität der Woche und die Kassler OrAnge-Grütze (so wäre wohl die passende Schreibweise).</p>
<p>Der Untertitel des kleinen Zweispalters &#8211; <span>&#8220;Eine Woche für das kostenlose Lesen im Internet&#8221; &#8211; </span> zeigt jedoch, dass hier (wahrscheinlich mehr noch in der FAZ als in der OA-Bewegung) die Auswirkungen von Open Access mit der rein ökonomischen und publikationsbezogenen Sicht nicht ganz ausgeschöpft und behandelt wurden. Da wird das aktuelle Hauptthema der Pressewelt zuungunsten anderer Effekte des Open Access überbetont, denn der freie Zugang, der genau genommen für all diejenigen, die ihren Netzanschluss selbst bezahlen, auch nicht kostenlos ist, stellt nur eine der Folgen von Open Access dar. Und auch um das Lesen geht es nicht allein.</p>
<p>Letztlich scheint das Thema des offenen Lesezugriffs auf Aufsätzen sogar ein bisschen erschöpft: die Wissenschaftsverlage haben das <em>Author-Pays</em>-Model als Option übernommen, die Wissenschaft lässt sich darauf ein, und dass die Inhalte frei abgerufen werden können, wird außerhalb der Verwertungsindustrien übergreifend als erstrebenswert akzeptiert. Spätestens wenn die entsprechenden Modelle auch die letztgenannte Gruppe umsortiert haben, wird in der Wissenschaft der freie Zugang zu den Diskursen aller Erwartung nach ein Standard sein.</p>
<p>Interessanter als die Frage, ob man vor der Einsicht eines Textes bezahlen muss oder nicht, ist jedoch, wie sich das wissenschaftskommunikative Verhalten im digitalen Umfeld generell verändert und welche Rolle Open Access dabei spielt.  Die freie Teilhabe an Wissenschaftsdiskursen drückt sich nicht zuletzt in neuen Möglichkeiten des Beisteuerns von Inhalten aus. Die zeitnahe Publikation von sich aufeinander direkt beziehenden Diskursbeiträgen, wie man sie in der Blogosphäre regelmäßig antrifft, könnte die kommunikative Praxis auch in der Wissenschaft auf längere Sicht durchaus gehörig umgraben. Zu Aufsatz und Monographie würden sich informellere und schnellere Formen des Austausches und auch des argumentativen Aushandelns gesellen.</p>
<p>Der freie Zugang zu diesen Diskursen (und nicht nur der Lesezugriff auf die Publikationen) verwischt die Grenze zwischen Experten und Laien. Das mag nicht jede Disziplin gleichermaßen und gleichschnell betreffen, aber gerade in weniger auf Entdeckung/Entwicklung als auf Argumentation bauenden Fächern könnte sich leicht das wiederholen, was man an populären Mediendiskursen wie dem um den Heidelberger Appell beobachten konnte. Wie man in solchen Kommunikationsräumen ein gewisses Qualitätsniveau sichert, ist übrigens eine Frage, mit der die deutsche Presse mit ihren Leserkommentaren Tag für Tag nicht unbedingt erfolgreich kämpft&#8230;</p>
<p>Die traditionellen Formen der Wissenschaftskommunikation orientieren sich darüber hinaus nach wie vor an der Fassbarmachung über Papier. Auch digitale Publikationen werden bisher zumeist in Seitenform gesetzt, sind dadurch nicht zuletzt als Einzeldokument indentifizierbar und lassen sich hinsichtlich des Zugriffs überschauen bzw. auch mittels Social-DRM u.ä.  kontrollieren. Ob die digitale Kommunikation allerdings langfristig viel vom wissenschaftlichen Aufsatz mit im Schnitt 10 Seiten Länge übrig lassen wird, ist nicht vorhersehbar. Vielleicht entsprechen die tradierten Formen wie z.B. die Geschlossenheit eines publizierten Textes auch langfristig einem kognitiven Optimum und werden sich halten. Vielleicht etablieren sich aber auch völlig andere Strukturen für die Abbildung des Diskurses.</p>
<p>Dass die Bereitstellung von Primärdaten mittlerweile zu einem Thema auch für Verlage geworden ist, zeigt dagegen, wie sich auch auf dieser dokumentenstrukturellen Ebene Formvorgaben aus der analogen Praxis aufzulösen beginnen. Stoffliche Zwänge und drucktechnische Notwendigkeiten für die Abbildung von Inhalten gibt es dafür nicht mehr.</p>
<p>Ungeklärt ist bisher, inwiefern sich die Wissenschaftsverlage in diesem Zusammenhang tatsächlich positionieren können und inwieweit die öffentlichen Wissenschaftsinstitutionen und neue Akteure (vielleicht auch Google) an dieser Stelle die Plattformen und digitalen Kommunikationswerkzeuge entwickeln. Und natürlich, wie diese Entwicklungskosten finanziert werden. Womit sich der Kreis in gewisser Weise doch wieder schließt. Für die Wissenschaftsförderung wird es zweifellos sinnvoll sein, Open Access langfristig nicht nur in Hinblick auf das elektronische Publizieren, sondern direkt in Bezug auf die Entwicklung von Diskursinfrastrukturen zu betrachten. Diese werden sicher aus mehr als Repositorien und Zeitschriften bestehen.</p>
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		<title>Nach der Debatte ist vor der Debatte? Von Heidelberg bleibt jetzt noch Google übrig</title>
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		<pubDate>Sat, 18 Jul 2009 14:34:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ben</dc:creator>
				<category><![CDATA[Diskurs]]></category>
		<category><![CDATA[Markt]]></category>
		<category><![CDATA[Open Access]]></category>
		<category><![CDATA[Digitalisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Digitalität]]></category>
		<category><![CDATA[Google]]></category>
		<category><![CDATA[Heidelberger Appell]]></category>
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		<category><![CDATA[Medienwandel]]></category>
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		<category><![CDATA[Rhetorik]]></category>
		<category><![CDATA[Urheberrechtsdebatte]]></category>
		<category><![CDATA[Urheberrechtstagung 15.07.2009]]></category>

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		<description><![CDATA[Roland Reuss (Heidelberg) beleuchtete als Herausgeber der historisch-kritischen Kleist- und Kafka-Ausgaben bei Stroemfeld die praktischen Probleme einer Online-Edition. Die im Netz verwendeten Sprachen ermöglichen keine &#8220;standgenaue Übertragung&#8221; von Dokumenten, da je nach Einstellung des Browsers Texte unterschiedlich dargestellt werden. Als Medium für wissenschaftliche Editionen sei das Buch unentbehrlich, was von Verlegerseite Vittorio Klostermann (Frankfurt am [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>Roland Reuss (Heidelberg) beleuchtete als Herausgeber der historisch-kritischen Kleist- und Kafka-Ausgaben bei Stroemfeld die praktischen Probleme einer Online-Edition. Die im Netz verwendeten Sprachen ermöglichen keine &#8220;standgenaue Übertragung&#8221; von Dokumenten, da je nach Einstellung des Browsers Texte unterschiedlich dargestellt werden. Als Medium für wissenschaftliche Editionen sei das Buch unentbehrlich, was von Verlegerseite Vittorio Klostermann (Frankfurt am Main) unterstützte, indem er die Unrentabilität von Online-Publikationen anschaulich darlegte.</p></blockquote>
<p>Richard Kämmerlings berichtete einmal in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung über eine Tagung zu den Auswirkungen der neuen Medien auf die Buchkultur. Auf dieser sprach laut Bericht u.a. der Soziologe Gerhard Wagner über die &#8220;Einfalt des vernetzten Hypertextes&#8221; im Vergleich zur Vielfalt einer &#8220;gewachsenen Buchkultur&#8221;. Graham Jefcoate äußerte in Hinblick auf den zunehmenden digitalen Nachweis und die elektronische Bestellbarkeit von Frühdrucken im British Museum, dass diese Titel nun intensiver genutzt und entsprechend abgenutzt, bzw. &#8220;zu Tode gelesen&#8221; werden und betonte, dass die Digitalkultur den Originalen den Garaus macht, wenn zum Nachweis nicht auch eine digitalisierte Arbeitsversion auf den Bildschirm kommt: &#8220;Roland Reuss (Heidelberg) beleuchtete als Herausgeber der historisch-kritischen Kleist- und Kafka-Ausgaben bei Stroemfeld die praktischen Probleme einer Online-Edition. Die im Netz verwendeten Sprachen ermöglichen keine &#8220;standgenaue Übertragung&#8221; von Dokumenten, da je nach Einstellung des Browsers Texte unterschiedlich dargestellt werden. Als Medium für wissenschaftliche Editionen sei das Buch unentbehrlich, was von Verlegerseite Vittorio Klostermann (Frankfurt am Main) unterstützte, indem er die Unrentabilität von Online-Publikationen anschaulich darlegte.&#8221;</p>
<p>Roland Reuss sah das in gewisser Weise anders:  &#8220;Am Beispiel heute bereits wieder veralteter Medien wie Mikrofilm und Mikrofiche kann man sehen, wie rasch die Konvertierung von Beständen auf neue Speicherformate aktuell wird.&#8221; Auch seien die Fragen der Langzeitarchivierung und die Nutzungsdauer von Subskriptionen nicht geklärt. Auch Uwe Jochum betrachtete offenbar die Virtualisierung von Buchbeständen nicht gerade mit Enthusiasmus:</p>
<blockquote><p>&#8220;So verteidigte Uwe Jochum (Konstanz) in seinem polemischen Einführungsreferat die Bibliothek als kulturellen Gedächtnisort, als konkret sicht- und begehbares Gebäude gegen ein orientierungsloses Surfen auf weltweit rauschenden Datenströmen. Aus der antiken Mnemotechnik leitete er die Notwendigkeit einer Lokalisierung der Erinnerung ab: Bei der Lektüre eines Buches im Netz hingegen sei kein Rückschluß auf den Standort des Computers oder gar des Originals möglich.&#8221;</p></blockquote>
<p>So las man es im Oktober 1998 (Kämmerlings, Richard:Lesesaal, Gedächtnisort, Datenraum Der Standort der Bücher: Auf dem Weg zur hybriden Bibliothek, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.10.1998, S.46) und heftete den Zeitungsausriss mit Randbemerkung in den Leitz-Ordner. Während die &#8220;Werkherrschaft&#8221; bereits auf dem Programm stand, fehlte vom Urheberrecht noch jeder Spur. Allerdings ging es in Wolfenbüttel auch direkt um die Auswirkungen der Digitaltechnologie auf die Bibliotheken. Dass Endkunden irgendwann elektronische Texte auf ihren Mobiltelefonen lesen wollen und Studierende Lehrbücher womöglich bis zum Tode der Publikationsform auf USB-Sticks aus den Universitätsbibliotheken tragen wollen würde, lag fern fast jeder Vorstellung. Die Suchmaschine &#8220;Google&#8221; war zu diesem Zeitpunkt in einer Testversion knapp einen Monat online und meldete auf ihrer Startseite:  &#8220;<em>Index contains ~25 million pages (soon to be much bigger)</em>&#8220;. Die Frankfurter Allgemeine meldete ein Jahr später, dass die Suchmaschine „www.google.com“ mit neuen Algorithmen und der Anzeige von ähnlichen Ergebnissen in Betrieb gegangen ist (Ausgabe 14.10.1999, S.30)</p>
<p>Im Jahr 2008 kam das Unternehmen Google auf um die 21,8 Mrd. Dollar Umsatz und lag damit nicht mehr weit unter dem geschätzten Umsatz der US-Verlage, für die 24,3 Mrd. Dollar <a href="http://www.boersenblatt.net/sixcms/detail.php?id=315962">angegeben werden</a>.</p>
<p>Man kann demnach durchaus von veränderten Vorzeichen sprechen, auch wenn Annabella Weisl von Google in der Diskussion vom Mittwoch ganz richtig betonte: &#8220;Wir sind nicht das Internet.&#8221;  Aber angesichts der Zahlen vergleichsweise doch ein großer Spieler im Webgeschäft, der wahrscheinlich, wenn er wollte, eine ganze Reihe von Verlagen gar nicht zum Vergleich bitten müsste, sondern einfach aufkaufen könnte. Insofern kann man die Aufregung in der Buchbranche schon verstehen: Ein mächtiges Gewölk der digitalen Inhalte türmt sich am Horizont auf und man vermag nicht so recht abzuschätzen, ob es sich um Schön- oder Unwetterwolken halten und ob man demnächst nass bis auf die Knochen im Wolkenbruch steht oder einen Regenbogen ungekannter Schönheit bestaunen kann. Das akute Bedürfnis nach einem festen Dach über dem Kopf ist durchaus nachzuvollziehen, auch wenn in diesem Fall auf Deutschland noch nicht einmal feiner Niesel tropfte. Das Dach heißt in diesem Fall &#8220;Urheberrecht&#8221;. Google möchte, laut eines aktuellen Berichtes Richard Kämmerlings, die Axt, die laut allgemeinem Sprichwortschatz den Zimmermann im Haus ersetzt, nicht an dieses legen. Aber so richtig will der deutsche Buchhandel nicht an diesen Vorsatz glauben.</p>
<p>In gewisser Weise holt die Buchbranche eine Debatte nach, die vor wenigen Jahren die Bibliotheken stark beschäftigte: Ist Google eine Bedrohung?  Davon ist mittlerweile wenig zu spüren, vielleicht weil die Bibliotheken merken, dass die Nutzer trotz Google nicht fortbleiben und vielleicht, weil die Nutzer genügend Erfahrungen mit den Leistungsgrenzen von Google gesammelt haben und beides, die Bibliotheksangebote und Internetsuchmaschinen, verschränkt und pragmatisch je nach Informationsinteresse nutzen. In der Wissenschaft haben sich Bibliotheken jedenfalls weder durch Google noch durch das Internet erledigt und es erscheint ebenso eher unwahrscheinlich, dass die wissenschaftliche Monographie tatsächlich ausstirbt, weil man über Google Books nach Textstellen suchen kann.  Dass sich wissenschaftliche Publikationsformen generell verändern und die Druckausgabe eine Optionalform unter verschiedenen Repräsentationsmöglichkeiten von Inhalten darstellt, ist durchaus denkbar. Das entscheiden die Wissenschaftler als wissenschaftliche Kommunizierende. Sie wählen sich ihren Kanal und bestimmen die legitime Form.</p>
<p>Es erscheint aber nicht so, als würde sich gerade Google hier als treibende Kraft bei der Auflösung der Medienform Buch etablieren. Google bleibt auch mit dem Buchscanprogramm ein Akteur, dem es um den Zugang zu Information geht, nicht um die Gestaltung von Trägermedien. Insofern irrt man in der Annahme, dass Google, wenn es vergriffene Titel scannt und verfügbar macht als Verlag agiert. Es gleicht darin eher einem Antiquariat, dessen Regale sich nicht leeren. Oder einer Bibliothek mit Scans und dazu erschlossenen Volltexten. Mit viel Fantasie könnte man die Aktivitäten mit Google  mit denen eines Reprint-Verlages vergleichen. Aber letztlich wird eine bisher nicht gegebene Form des Zugangs zu bereits Publiziertem geschaffen. Dahinter steckt immer noch ein Buch. Für die Wissenschaft ist dieses vor Jahren Publizierte zumeist als Quellensammlung interessant. Für die laufende Wissenschaftskommunikation sind dagegen andere Entwicklungen viel relevanter.</p>
<p>Die bisher etablierten Open Access-Verfahren teilen mit Google Books eigentlich nur die Gemeinsamkeit, dass sie dem traditionellen Dokumentenbegriff verhaftet sind: Sie beziehen sich auf Publikationen, die weitgehend analog zu Druckprodukten konzeptioniert und potentiell druckbar sind. Die beispielsweise hinsichtlich der Bereitstellung von Primärdaten oder auch der Wissenschaftskommunikation über hypertextuelle Medienformen wie Wikis  oder Weblogs vorliegenden Entwicklungen lassen parallel dazu auf Kommunikationsformen schließen, die sich dem Druckparadigma entziehen. Dass Hubert Burda vor einiger Zeit kräftig in Scienceblogs investierte, zeigt, dass auch Verlage hier nach Möglichkeiten suchen. Vielleicht ist das statische Lehrbuch tatsächlich ein Auslaufmodell. Dann aber vermutlich nicht, weil Bibliotheken es gescannt haben, sondern weil Lehrbuchinhalte in einer anderen medialen Form vermittelt werden.</p>
<p>Nachdem man mittlerweile wohl eindeutig geklärt hat, dass in Deutschland kein Wissenschaftler zu einer bestimmten Publikationsform gezwungen werden kann, wäre es für die deutsche Buchbranche an sich vermutlicher sinnvoller, die Kräfte auf den Aushandlungsprozess mit Google zu beschränken.  Die Attacken gegen die offenen Kommunikationsformen der Internetkultur, die wenigstens im Zeitungsbereich von den Verlagen auf ihren Webauftritten selbst in großem Umfang und mit Bedacht eingerührt wurden, sorgen zwar nach wie vor für eine hohe weböffentliche Wirkung, sind ansonsten aber perspektivisch unfruchtbarer als jedes Blogposting. Solange Artikel 5 des Grundgesetzes in Kraft ist, wird es im Internet eine Auseinandersetzung mit Inhalten jedweder Art und auf jedweder Stufe intellektueller Feingliedrigkeit geben. Demnächst wird in LIBREAS ein Text von Joachim Losehand erscheinen, der sich mit dieser Kommunikationskultur intensiver befasst.</p>
<p>Richard Kämmerlings ist also nicht gänzlich zuzustimmen, wenn er aktuell Roland Reuß‘ mittlerweile eher peinlich wirkendem Wüten im Wasserglas gegen die DFG und diejenigen, die das Netz frisch, frei und von der Leber weg nutzen, weil sie es können, den Arm um die Schulter legt und schreibt: „Aber Versachlichung ist vielleicht auch nicht immer angemessen.“ Irgendwann wird sie eben doch notwendig, wenn man in der Debatte vorankommen möchte. Eine Fokussierung des Betrachtungsfeldes hilft dabei zusätzlich.</p>
<p>Die Situation stellt sich doch für die Buchbranche ganz gut dar: Das Problem mit dem Open Access ist im Großen geklärt und wird im Kleinen von den Autoren mit ihren Verlagen auf Einzelfallebene ausgehandelt. Als nächste Erkenntnis folgt hoffentlich, dass das Aufreiben an der Blog- und  Netzkultur zwar eine fröhliche brancheninterne Bauchpinselei darstellt und vielleicht sozialpsychologisch als Gemeinschaft über Abgrenzung erzeugendes Element eine gewisse Funktion erfüllt.  Daran, dass sich Adam Soboczynski und Kollegen an mehr oder unqualifizierten Kommentare zu ihren Artikeln gewöhnen müssen, wird  das „Wörterbuch des neuen Unmenschen“ (Roland Reuß) nicht viel ändern. Der Leserkommentar wird so normal, wie es heute in den Bibliotheken die Online-Kataloge und elektronischen Zeitschriften sind. Vor elf Jahren durfte man hinter diese Selbstverständlichkeiten des Bibliothekswesens im frühen 21sten Jahrhundert noch ein Fragezeichen machen.</p>
<p>Übrig bleibt heute ein klarer Interessenkonflikt zwischen dem Einzelakteur Google und den deutschen Verlagen. Die können jetzt auf ihren Urheberrechtstagungen auf Frau Weisl einschimpfen, deren Rolle es wohl mehr der eines Frustfängers als eines Gegenübers entspricht, oder versuchen, sich noch einen anderen Verhandlungspartner aus einer anderen Etage des Unternehmens einzuladen und mit ihm auf einer Sachebene ihr Anliegen zu diskutieren. Die mediale Tingeltour mit Botschaftern wie Roland Reuß und Volker Rieble hat dagegen deutlich an Charme und Anziehungskraft verloren. Die Frankfurter Tagung war nun hoffentlich der letzte Höhepunkt dieser Tournee aus Polemik und haltlosen Ressentiments. Berichte zur Veranstaltung gibt es zahlreiche. Auch Richard Kämmerlings hat wieder eine Zusammenfassung für die FAZ verfasst. Diese kann man hier lesen und mit der eigenen <em>Personomy </em> erschlossen in die <em>Social Bookmarking</em>-Plattform der Wahl ablegen: <a href="http://www.faz.net/s/RubCF3AEB154CE64960822FA5429A182360/Doc~E52DC8184BCB64F9CBD2CDBFF15B1FA78~ATpl~Ecommon~Scontent.html">Den Autor kann niemand entrechten</a>.</p>
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		<title>In angenehmer Wissensgesellschaft: Eindrücke von einer Konferenz zum &#8220;Wissen und Eigentum im digitalen Kapitalismus&#8221;</title>
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		<pubDate>Fri, 15 May 2009 18:15:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ben</dc:creator>
				<category><![CDATA[Open Access]]></category>
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		<description><![CDATA[Es war schon ein stückweit Wohlfühlatmosphäre, die der Bundestagsfraktion DIE LINKE für die Suche nach der Antwort auf die Frage, wem denn das Wissen (im digitalen Kapitalismus) gehöre, gelang. Mittelhochoben im vierten Stockwerk des Filmhauses nahe dem Potsdamer Platz  mit schönem Ausblick in den Innenhof des Sony-Centers und in die Wohnzimmer der Esplanade Residence [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es war schon ein stückweit Wohlfühlatmosphäre, die der Bundestagsfraktion DIE LINKE für die Suche nach der Antwort auf die Frage, <a href="http://www.linksfraktion.de/termin_der_fraktion.php?artikel=1669249795">wem denn das Wissen (im digitalen Kapitalismus) gehöre</a>, gelang. Mittelhochoben im vierten Stockwerk des Filmhauses nahe dem Potsdamer Platz  mit schönem Ausblick in den Innenhof des Sony-Centers und in die Wohnzimmer der <em>Esplanade Residence</em> fand sich der Besucher in einem weitgehend dissensarmen Raum – was die <em>Panels</em> vor 16 Uhr betrifft – mit recht üppigem Catering und vor einer guten Zusammenfassung dessen, was mehr oder weniger dieser Tage als zeitgemäße Sicht auf die Digitalität in Deutschland zu bewerten ist.</p>
<p>Hätte Matthias Spielkamp nicht während seines <em>Panels</em> zur Internetkultur, das in der Umsetzung den „Kommunismus“ im Titel zugunsten eines pragmatischeren Ansetzens an der Frage nach möglichen, sinnvollen und mehr oder weniger zweckgemäßen Vergütungsmodellen verlor, nicht darauf hingewiesen, dass es andernorts ganz andere Denkmuster gibt, die eben nicht, wie seine <em>Panel</em>partner Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats und sogar Stefan Michalk, Geschäftsführer des Bundesverbands der Musikindustrie, dem Musiker Billy Bragg darin zustimmen – und zwar nicht einmal zähneknirschend –  dass die Zahnpasta (=Inhalte) aus ihrer Dose (=materielle und daher halbwegs kontrollierbare Datenträger) unwiederbringlich in die Mundhöhle des Internets gedrückt wurde und dort auf <em>Torrent</em>- und anderen -basen vor sich hin schäumt, man hätte fast glauben können, die Zeitungen lögen wie gedruckt und es gäbe  gar kein substantielles Problem zwischen der Netzkultur und der etablierten Kreativindustrie.</p>
<p>Kleine Differenzen gibt es schon. Stefan Michalk sieht z.B.  erwartungsgemäß in der Remix-und Kreativ-Kultur bislang keineswegs den freien Nährboden für hochwertige und einer industriegeförderten Tonkunst vergleichbaren Leistungsmusik (die <em>Arctic Monkeys</em> explizit und zwei, drei andere implizit ausgenommen). Er hielt sich aber fernab davon, Zeter und Mordio und den Untergang des musikalischen Abendlandes in die Runde zu schmettern, und blieb durchgängig sachlich und fast pragmatisch. Da ist die Musikbranche doch mancher Stimme aus dem Verlagsumfeld tatsächlich ein paar Jahre voraus.</p>
<p>Das Realitätsbewusstsein war also in diesem <em>Panel</em> bei allen Teilnehmern etwa auf dem gleichen Niveau und in der nahezu gültigen Einschätzung des übergewichtigen Maßes an Ungewissheit, was denn morgen sein wird, ebenfalls. Die Kulturflatrate wurde hineinjongliert und hinsichtlich ihrer praktischen Umsetzung fast schon wieder verworfen. Raubkopierer sind auch nicht mehr <em>per se</em> Verbrecher, sondern manchmal auch Söhne von Branchenrepräsentanten und aus dem Publikum kam die Anregung, <em>Filesharing</em> doch bitte als Kulturtechnik zu begreifen. Da ging dann nicht mehr jeder mit, aber begrüßt wurde die Überlegung als Beitrag zu Diskussion trotzdem und beinahe herzlich. Denn, so der Konsens, die Welt bewegt sich und wir sollten darüber reden, was wir mit dieser Tatsache anfangen können.<br />
Herausgehoben interessant für diejenigen mit einem an der Frage nach der Wissenschaftskommunikation im Internet ausgerichteten Blick war natürlich das <em>Panel</em> zu „Open Access und Creative Commons“, dessen programmatische Nachfrage „Ende oder Beginn freier Wissenschaft?“ allerdings keine ausdrückliche Antwort fand.</p>
<p>Der Heidelberger Appell schwebte selbstverständlich über dieser Runde und Sabine Cofalla vom Berliner Akademie-Verlag lobte ihn noch einmal für seine in der Tat eindrucksvollste Leistung: die Debatte zu entzünden. Ansonsten ist aber über seinen widersprüchlichen Charakter und z.T. hanebüchenen Inhalt derart viel an anderen Stelle geschrieben und gesagt worden, dass er und sein Initiator Roland Reuß zwar als festes Symbol mit auf dem Podium sitzen, inhaltlich aber kein weiterer Kommentar notwendig erscheint.</p>
<p>Die mittelständischen Verlage, so Sabine Cofalla, haben eigentlich kein Problem mit Open Access, wohl aber mit einem pauschalen Ansatz, der Wissenschaft und Wissenschaftskommunikation als etwas Homogenes begreift. Denn es sind die Geisteswissenschaftler doch deutlich anders ausgerichtet, als die STM-Vertreter. Für die Erstgenannten geht die Sorgfalt der Publikation (auch in handwerklicher Hinsicht) in der Regel über die Publikationsgeschwindigkeit. Sie sind oft nach wie vor mit dem Medium Buch ganz zufrieden.</p>
<p>Man hätte obendrein auch einmal nachfragen können, ob die innovationsausgerichteten STM-Fächer nicht strukturell sogar weitaus stärker einem auf Funktionalität und Effizienz setzenden Muster folgen, also diskursökonomisch optimierter als die Geisteswissenschaften sind, deren Kommunikationsmuster sich zu einem gewissen Anteil auch an ästhetischen Kriterien orientieren und sich daher auch gern mit einem  adäquaten Rahmen präsentieren. Wo in der Naturwissenschaft einerseits der eindeutige Fakt zählt und andererseits – unter der Beachtung von Phänomenen wie dem <em>Impact Factor</em> – <em>wo</em> er bekannt gemacht wird, sucht die Geisteswissenschaft das Argument, die Interpretation und achtet dementsprechend stärker darauf, <em>wie</em> etwas gesagt wird. Da diese Idee erst hinterher dazu perlte und auf dem Podium ohnehin die Zeit knapp war, bleibt nur, sie hier kurz zu notieren und weiter zu bedenken.</p>
<p>Abgesehen von der empirisch noch zu klärenden Frage, inwiefern Akzeptanzprobleme des Open Access in den geisteswissenschaftlichen Fakultäten auf rezeptionsästhetischen Ursachen beruht, bleibt natürlich auch das Problem der Finanzierung. Zurecht wurde angemerkt, dass die Etats in den Naturwissenschaften und damit auch die finanziellen Mittel, um Publikationen auf dem goldenen Weg in die allgemeine Zugänglichkeit zu führen, ganz andere Dimensionen erreichen, als in geisteswissenschaftlichen Disziplinen.</p>
<p>Was Christoph Bruch von der Max-Planck-Gesellschaft einfach als Umlagerung der Subskriptionskosten in Vorfinanzierung ansieht, also vom Ende der Publikationskette an ihren Beginn, funktioniert vielleicht in den Zeitschriftenwissenschaften. Bei den Buchwissenschaften scheint dagegen so manche Holprigkeit zu überwinden. Die Beispielrechnung, die Matthias Spielkamp einwarf, nämlich, dass bei einem Druckkostenzuschuß von 5000 Euro und den Absatz von 200 Exemplaren  à 100 Euro an Universitätsbibliotheken die öffentliche Hand ja bereits 25.000 Euro an den geisteswissenschaftlichen Verlag auszahlt, ließ Sabine Cofalla souverän mit der Entgegnung abblitzen, dass die Bücher ihres Verlages eben keine 100 oder 150 Euro kosten und sie mit diesen dennoch gern die schwarze Null erreichen würde. Bei einem Modell, dass eine einmalig Zahlung für die Verlagsdienstleistungen vorsieht, wäre die Chance, weitere Exemplare auch an Privatpersonen abzusetzen und darüber Einnahmen zu generieren, dahin.</p>
<p>Nicht erwähnt wurde dabei, dass sich womöglich gar nicht 200 Bibliotheken finden, die das Buch erwerben, u.a. weil – wie der ebenfalls auf dem Podium anwesende Wolfgang Coy von der Humboldt-Universität einmal an anderer Stelle bemerkte &#8211; Akteure wie Elsevier versuchen, den gesamten Bibliotheksetat gleich auf ihr Konto umzuleiten. Da bleibt nicht mehr viel für Monographien des Akademie-Verlags. Die Zeitschriftenkrise ist auch in den Naturwissenschaften trotz relativ elaborierten OA-Formen noch längst nicht vorbei.</p>
<p>Überhaupt war die Verlagsleiterin des Akademie-Verlags eine Vertreterin, die nun nicht unbedingt ins initiale Problemfeld des Open Access passt: Ein hochsympathischer Verlag mit einem wunderbaren Programm, angefüllt mit Titeln, die man auch gern privat am Abend im Wohnzimmer zur persönlichen Wissenserweiterung lesen würde und dem man zweifellos ein langes und gedeihliches Leben wünscht, gehört kaum in die Reihe derer, die die Motivation zur Entwicklung alternativer Publikationsmodelle aufgrund ihrer Preispolitik nennenswert beschleunigt haben.</p>
<p>Unglücklicherweise hat man in Heidelberg den Ursprungshintergrund der OA-Bewegung nicht verstanden und unglücklicherweise hat vielleicht bei der DFG auch etwas Sensibilität gefehlt. Wenn die Sage denn stimmt, stellte sie eine Projektförderung für Roland Reuß in die Abhängigkeit davon, dass er sein Resultat auch frei zugänglich macht, wofür ihm sein Verlag den Korb gab und das Projekt platzte und darauf dem Abgelehnten der Kragen. Den Rest kann man in der FAZ und in der Frankfurter Rundschau nachlesen. Dafür, dass die Vorgeschichte so stimmt, übernehme ich keine Garantie, nur klingt das Lied der Spatzen von den Dächern so ähnlich.</p>
<p>Verbindlich ist dagegen, dass auch Christoph Bruch die Möglichkeit, nicht zureichend Aufklärungsarbeit hinsichtlich Open Access bei den Geisteswissenschaftlern (und ihren Stammverlagen) geleistet zu haben, einräumte. Das passt gut in die Forderung von Sabine Cofalla, dass Open Access in den Verträgen mit den Verlagen differenziert behandelt wird. Sehr viel ist möglich, man muss es nur absprechen und aushandeln.</p>
<p>Dies erfordert von den institutionellen Anbietern bei der Gestaltung von Mandaten einen flexibleren Ansatz, wobei angemerkt wurde, dass deutsche Mandate relativ zurückhaltend formuliert sind. Dass das Urheberrecht, welches man bei den Diskussion gern und oft mit dem Nutzungs- und Verwertungsrecht verwechselt, durch Open Access nicht verletzt wird, versteht sich eigentlich von selbst, muss wohl aber zur Präzisierung immer wieder mal klar gestellt werden. Die Einmengung des Ausdrucks <em>Copyright</em> in die Urheberrechtsdebatte, die immer zwangsläufig immer dann erfolgt, wenn die geographische Betrachtungsgrenze überschritten wird, ist natürlich wenig hilfreich und führt regelmäßig zu Missverständnissen. Für eine global orientierte Wissenschaft ist das natürlich sehr problematisch. Denn gerade Naturwissenschaftler publizieren vergleichsweise selten in deutschen Publikationen (selbst <em>Springer Science+Business Media</em> ist halb luxemburgisch). Deutsche Geisteswissenschaftler dagegen eher schon. Auch das wird häufig in der Diskussion übersehen.</p>
<p>Auf dem Podium wurde die Unveräußerlichkeit des Urheberrechts frühzeitig betont. Nicht so klar war dagegen so manchem im Publikum angesichts des freundlichen argumentativen Miteinanders der Diskutierenden, wo denn eigentlich das Problem sei. Jedenfalls merkte Olaf Zimmermann dies in seinem Zwischenruf an. Die grundgesetzlich garantierte Wissenschaftsfreiheit, so sein Argument, stelle doch jedem frei nach dem Open Access-Verfahren zu publizieren. Dass Wissenschaftler bisher dennoch zu den Verlagen gingen, läge wohl auch daran, dass die Wissenschaftsinstitutionen bislang keinen befriedigenden Ersatz für die Verlagsdienstleistungen entwickeln konnten. Wer einmal versucht hat, ein fertiges Dokument nach einer Formatvorlage für ein Repositorium anspruchsgerecht umzuformatieren, mag ihm zustimmen. Wer aber einmal seinen Text ebenfalls selbst nach Vorgabe formatiert und als druckfertiges PDF zu einem größeren Zeitschriftenverlag eingereicht hat, fragt zu Recht: welche Dienstleistung? Hier ist wirklich und dringlich zwischen den Zeitschriftenverlagen und den Buchverlagen mit den damit assoziierbaren Wissenschaftskulturen zu unterscheiden.</p>
<p>Ein weiterer Aspekt, den Wolfgang Coy in der Erwiderung in die Diskussion steuerte, ist das Argument, dass Wissenschaftsfreiheit nicht eine uneingeschränkte Publikationsfreiheit bedeutet. Das mag Volker Rieble (vgl. <a href="http://weblog.ib.hu-berlin.de/?p=6829">hier</a>) ganz anders sehen, aber zu bedenken ist allemal – und besonders auch im Vergleich zu anderen Erzeugern von Kreativerzeugnissen – ob jemand, der als festangestellter Wissenschaftler dafür bezahlt wird, <em>dass</em> er publiziert, nicht auch darauf verpflichtet werden kann, <em>wo</em> er (parallel) publiziert. Wohlgemerkt: Nicht darauf, <em>was</em> er publiziert! Das Gelände ist verminter als man auf den ersten Blick annimmt, denn wie will man einem Hochschulprofessor nachweisen, dass er sein Lehrbuch nicht in seiner Freizeit, also unabhängig von seiner bezahlten Arbeitszeit, verfasst hat. Und wie will man die Autonomie der Wissenschaftsgemeinschaft, die auch auf die Strukturen der Wissenschaftskommunikation unabhängig von der konkreten institutionellen Anbindung ihrer Mitglieder zurückwirkt, an dieser Stelle berücksichtigen. Mit Zwangsmandaten wird man hier nicht allzu weit kommen. Da sind Embargo-Zeiträume schon eine bessere Alternative, die selbst bei eher konservativ eingestellten Wissenschaftsverlagen fruchten könnte.</p>
<p>Auch wenn allgemein angenommen wird, dass das Internet schon aus den Kinderschuhen heraus ist, zeigt es sich, dass es bei vielen Buchverlagen (meist jenseits der Wissenschaft) erst jetzt als potentiell primäre Textplattform erkannt wird. Auslöser ist wohl die Aussicht auf die kommerzielle Verwertbarkeit der vom Trägermedium losgelösten Inhalte, die Amazon und Sony mit ihren E-Book-Ambitionen in den letzten zwei Jahren massiv beförderten. Dass sich aber schon weitaus länger und spätestens mit der Durchsetzung des so genannten Web 2.0 eine unglaubliche Textproduktion ausschließlich im Web vollzieht, die auch die Wissenschaftskommunikation beeinflusst, dämmert den traditionellen Buchverlagen erst allmählich. Wenn Christoph Speer daran anschließend in seinem Zwischenruf aber davon ausgeht, dass Texte generell ins Internet abwandern und dann bei besonderer Popularität von Verlagen als „qualifizierten Druckereien“ in Bücher geformt werden, dann folgt er zwar einem naheliegenden <em>Print on Demand</em>-Gedanken, spannt den Bogen aber doch ein wenig weit ins Ungewisse. Und unterschätzt womöglich die Trägheit (buchstäblich und wertfrei gemeint) von bestimmten wissenschaftlichen Kommunikationspraxen.</p>
<p>Schließlich wurde noch sehr richtig angemerkt, dass ein Hemmschuh für das Open Access und gleichzeitig das Treibmittel für die Spirale der Preissteigerungen im Zeitschriftenbereich, in einem eigenwilligen bis „kaputten“ Zitationssystem zu suchen ist, das mithilfe eines „Impact Factors“  im Prinzip die Währung der Wissenschaft „Reputation“ in die Währung des Marktes „Geld“ übersetzt, an sich aber an Objektivität zu wünschen übrig lässt. Daran, dass die „Reputation“ ihren Stellenwert im Sozialsystem Wissenschaft behalten wird, zweifelt wohl niemand. Nur müssen, so die Ansicht, neue, am besten web-gerechte <em>Ranking</em>-Verfahren entwickelt werden.</p>
<p>Ebenfalls eindeutig ist, was Olaf Zimmermann weiterhin anmerkte: Der institutionell angestellte Wissenschaftler muss im Gegensatz zu den Künstlern nicht von seinen Publikationen leben. Er könnte es in der Regel auch nicht, denn im Normalfall bekommt er von den Verlagen sein Honorar nicht in Geld sondern in potentiellem Reputationsgewinn dank Verlängerung der Publikationsliste. Die Dienstleistungen zur formalen Sicherung der Wissenschaftskommunikation (inklusive der Begutachtungsverfahren) müssen natürlich erbracht und bezahlt werden. Darüber hinaus besteht aber eigentlich keine Notwendigkeit, Wissenschaftspublikationen den Bedingungen des allgemeinen Buchmarkts zu unterwerfen. Wohin die Debatte also führen sollte, ist eindeutig: Zu einer Differenzierung des urheber- und verwertungsrechtlichen Rahmens für wissenschaftliche Publikationen.</p>
<p>Und die Antwort auf die Frage, wem Wissen gehört? Bis 16 Uhr gab es sie nicht und danach musste ich fort. Ein klassischer Leitsatz der Informationsökonomie lautet aber: Information ist keine Ware wie jede andere. Wissen, das über die Verknüpfung von Informationen (und manchmal Bauchgefühl) und immer individuell erzeugt wird, ist noch weniger in einem Warenbegriff fasslich. Das Wissen gehört dem, der es hat und da es wunderbar dynamisch ist, kann selbst der es nicht festhalten. Nur versuchen, es aufzuschreiben. Während man also den Zugang zu Wissensrepräsentationen regulieren kann, scheint sich das Wissen an sich der Diskussion zu entziehen. Kurz: Wir verhandeln nicht das Wissen, wir verhandeln die Bedingungen für seine Entstehung. Und die sollten in einer Wissenschaftsgesellschaft möglichst für und nicht gegen die Allgemeinheit wirken.</p>
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		<title>Ein freier Download ist noch kein Open Access. Die FAZ zu einer Tagung.</title>
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		<pubDate>Mon, 27 Apr 2009 10:17:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ben</dc:creator>
				<category><![CDATA[Open Access]]></category>
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		<category><![CDATA[Blattkritik]]></category>
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		<category><![CDATA[Thomas Thiel]]></category>
		<category><![CDATA[Urheberrecht]]></category>

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		<description><![CDATA[Oha! Der Wagen läuft und läuft und die Debatte zur Themenkonstellation Internet – Gratismentalität – Kulturverfall – Piraten gibt dem Betrachter das Gefühl, er taumele geradewegs über die Monkey Island. Dies gilt besonders und bedauerlicherweise für die Qualitätspresse, die hier Textbaustein an Textbaustein reiht um schließlich die LeChucks der sieben Webmeere mit Malzbier zu bezwingen. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Oha! Der Wagen läuft und läuft und die Debatte zur Themenkonstellation Internet – Gratismentalität – Kulturverfall – Piraten gibt dem Betrachter das Gefühl, er taumele geradewegs über die Monkey Island. Dies gilt besonders und bedauerlicherweise für die Qualitätspresse, die hier Textbaustein an Textbaustein reiht um schließlich die LeChucks der sieben Webmeere mit Malzbier zu bezwingen. Man könnte nun sagen, dieses Schiff sei längst abgefahren.</p>
<p>Man könnte aber auch sagen, dass so mancher Journalist in seiner hanebüchenen Annäherung an das Thema dahingehend offenbart, dass er nicht einmal mit Wasser kocht. Heute ist in der Frankfurter Allgemeinen der erstaunlicherweise und sicher für einen Artikel aus seinem Fachgebiet mit dem Axel-Springer- Preis 2008 ausgezeichnete Germanist und Feuilleton-Mitarbeiter Thomas Thiel an der Reihe, mit bestenfalls Zehntelwissen über das, was „Open Access“ ist, zu brillieren. „Es ist nicht die Zeit für leichtfertige Reden.“ Recht hat er. Warum tut er’s aber?: <a href="http://www.faz.net/p/Rub013457531D514A289550C982F21BCDBF/Dx1~E85dfb0a6f85348027eaca634fe7305ac~ATpl~Ecommon~Scontent.html">Ein Handyton ist keine Symphonie</a>.</p>
<p>Sein Bericht zur Brüsseler Goethe-Instituts-Konferenz über den „Schutz geistigen Eigentums im digitalen Raum“ beruht nämlich auf der irrigen Annahme, <em>Open Access</em> hätte irgendetwas mit der Musikindustrie zu tun. Den Tipp hat er wohl von seiner Kollegin Sandra Kegel, der ja bereits am Samstag ihr <a href="http://www.faz.net/s/Rub5A6DAB001EA2420BAC082C25414D2760/Doc~EB0BCF2CAEAF146C29F4668106DF43986~ATpl~Ecommon~Scontent.html">Kommentar auf der Titelseite</a> der FAZ derart entglitten ist, dass man als Kioskleser gleich das ganze Blatt wieder auf den Stapel zurückwarf. Man kann, darf und muss sicher bei dieser Diskussion problematisieren, was das Zeug hält. Das befreit einen aber noch nicht davon, wenigstens einmal in der Wikipedia nachzulesen, was Open Access eigentlich bedeutet. Dann unterbietet man nicht noch Roland Reuß in Unkenntnis der Materie:</p>
<blockquote><p>„Den Vertretern des Open Access reicht meist die Schreckkulisse der vier major labels, die den Musikmarkt im Würgegriff halten, der Medientycoone vom Format Berlusconis oder Murdochs, um mittelständische Betriebe, Kleinverlage oder Garagenlabels in Sippenhaft zu nehmen und die Abschaffung jeder Art von Vermittlungsinstanz zu fordern.“</p></blockquote>
<p><em>Open Access</em> pfeift auf Universal, Sony, Berlusconi und Rupert Murdoch. Und zwar nicht, weil es für freie Unterhaltung für freie Bürger eintritt, sondern weil diese Akteure nichts, aber auch rein gar nichts mit wissenschaftlicher Kommunikation zu tun haben. Und die Open Access-Bewegung möchte auch keinen mittelständigen Verlag und auch kein kleines Garagenlabel enteignen. Nein, wirklich nicht. Sie fordert nirgendwo die Abschaffung für Vermittlungsinstanzen für derartige Kulturprodukte. Sie möchte einzig (vorrangig natur-) wissenschaftliche Publikationen – und zwar nicht einmal ausschließlich sondern gern parallel zu einer Verlagspublikation – für andere Wissenschaftler und mittelbar natürlich für die interessierte Öffentlichkeit ohne große Hürden zugänglich machen.</p>
<p>Die Aussage Thomas Thiels, die Open-Access „favorisiert den Feierabendkünstler, den Sampler und Tüftler, den es vor urheberrechtlichen Behinderungen bei seinen Collagen zu schützen gilt“ zeugt also entweder von einem sehr abwertenden Verständnis von Wissenschaft oder schlicht von einer beeindruckenden Unbedarftheit gegenüber der Materie. Der Physiker als Feierabendkünstler. So dummdreist arrogant müsste man erst einmal sein.</p>
<p>Im Ernst: Natürlich mein der vielfältig studierte Feuilletonist etwas anderes, nämlich die Gruppe, die gemeinhin als Piraten gelabelt wird und zu denen streng genommen jeder gehört, der sich ein Bundesligator oder ein nicht autorisiert eingestelltes Musikvideo bei Youtube anschaut (bzw.<em> entert</em>). Also vermutlich jeden, vielleicht einige Mitglieder der FAZ-Redaktion ausgenommen, was ihren Informationsrückstand in Internetthemen erklären mag. Und eventuell Myriam Diocaretz vom europäischen Schriftstellerverband, die prophezeit:</p>
<blockquote><p>„Open Access wird zum Aussterben des Schriftstellers führen, und zwar des ganzen Berufs“</p></blockquote>
<p>und wohl auch noch mal zur Wikipedia muss. Vielleicht weiß sie aber auch mehr und die DFG zwingt jetzt auch Daniel Kehlmann zur Publikation seiner Wissenschaftsgeschichtsprosa auf freien Servern. Und Rowohlt alle Nabokov-Texte, in denen Anspielungen auf Lepidoptera zu entdecken sind, frei interessierten Zoologen zur Verfügung zu stellen. Was die Debatte anscheinend dringlich braucht, ist eine offene Open Access-Nachschulung und obwohl die dafür notwendigen Dokumente weitgehend frei im Internet verfügbar sind, werden sie anscheinend nicht heruntergeladen. So vervielfältigungsgeil scheint der normale Nutzer also gar nicht zu sein&#8230;</p>
<p>Ein anderer zentraler Aspekt, der auf den ersten Blick irritiert, weil er sich mit dem geläufigen Verständnis von Öffentlichkeit nicht deckt, betrifft ein Argument des Medienwissenschaftlers Geert Lovink, der laut Thomas Thiel davon ausgeht, dass</p>
<blockquote><p>„Wenn die Arbeit von Autoren und Verlegern unbezahlt vervielfältigt würde, […] die Grundlage öffentlicher Meinungsbildung, damit auch die Demokratie bedroht. Es habe sich gezeigt, dass Blogs die umfassende Berichterstattung nicht übernehmen können, und gleichzeitig sorgfältiger publizistischer Arbeit zunehmend die finanzielle Grundlage wegfallen.“</p></blockquote>
<p>Man kann es auch so lesen: Ausgerechnet der freie und damit konsequent öffentliche Zugang zu Information gefährdet die öffentliche Meinungsbildung und damit die Demokratie.</p>
<p>Ein Monatsabo einer der beste Tageszeitungen der Welt kostet immerhin etwa 25 Euro mit Monat, dass der FAZ 39,50. Damit werden bestimmte Gehaltsgruppen konsequent vom Zugang zu solcher „sorgfältigen publizistischer Arbeit“ zunächst einmal ausgeschlossen. Ob diese Zugangsgestaltung die Demokratie fördert, darf man ruhig mal hinterfragen. Ich würde jedenfalls jemandem, der 40 Euro im Monat für Berichterstattung auszugeben bereit ist, in jedem Fall eher zu einer Internet-Flatrate als zu einer Papierflatrate der FAZ raten.</p>
<p>Dass freier Zugriff die Demokratie bedroht, meint Geert Lovink hoffentlich nicht. Er weist wahrscheinlich irgendwie zu Recht auf das Grundproblem hin – und nicht ein Vertreter der Open Access-Bewegung wird ihm da widersprechen – dass auch Autoren, selbst Blogger von etwas leben müssen. Sonst können sie einfach nicht schreiben. Die Frage ist, ob dies im digitalen Umfeld über eine Exemplarabrechnung sein muss.</p>
<p>Diese Brüsseler Zuspitzung ist an sich natürlich fahrlässig, denn der Artikel suggeriert, dass keine Alternative zu den 1,90 Euro, die der FAZ-Leser am Kiosk mittlerweile für eine immer schmalere Handvoll Papier bezahlt, existiert. Dass bisher anscheinend kein anderes praktikables Geschäftsmodell für die Zeitungswirtschaft etabliert ist, bedeutet aber nicht automatisch, dass das alte nun die ewiglich unumstößliche Variante ist. Thomas Thiel hat verständlicherweise in seinem Abschlusssatz Angst um seinen Lebensunterhalt:</p>
<blockquote><p>„Weil es für all diese Modelle aber keine wirtschaftlichen Kalkulationen gibt, bleibt ihr Erfolg unsicher. Ob sie Autoren eine Lebensgrundlage bieten können, bleibt fraglich.“</p></blockquote>
<p>Vermutlich wird er aber in fünf Jahren in irgendeiner Onlineredaktion zum Festgehalt sitzen und sich wundern, dass alles gar nicht so schlimm kam…</p>
<p>Und schließlich wird unterstellt, jemand hätte ernsthaft Lust, die Zeitungsinhalte zur Tagesberichterstattung raubzukopieren. Das ist doch gar nicht notwendig: Sie stehen oft ohnehin offen im Internet und ansonsten liest man in der Stadtbibliothek.</p>
<p>Es ist obendrein nicht so, dass Blogs unbedingt die umfassende Berichterstattung übernehmen wollen. Man wundert sich immer wieder, wie etablierte Medienwächter, allem, was sie nicht verstehen, den Griff nach der Weltherrschaft unterstellen. Wenn man aber erkennt, dass man sich ihr in der abendländischen Konflikttradition zwischen Orthodoxie und Ketzertum bewegt, ist eine derartige Spaltung der Auffassungen und die Vehemenz im Deutungsstreit wiederum fast vorhersehbar. (Wer es noch nicht erkennt, darf mal bei Carl Amery nachlesen.)</p>
<p>Die Beobachtung, die die FAZ und andere so kirre macht, ist, dass es tatsächlich Leute gibt, die gern und viel schreiben und ihr Einkommen mit anderer Erwerbsarbeit verdienen und die anscheinend nicht durchgängig als so schlecht angesehen werden, dass man bei ihnen nicht eine Zuwanderung von Zeitungslesern vermuten würde. Das zeugt allerdings von einer sehr begrenzten Fantasie hinsichtlich dem kulturellen Gestaltungs- und Ausdruckswillens gebildeter Menschen. Es geht nicht mehr jedem um totale Verwertung. Der <em>Homo Oeconomicus</em> ist keine sinnvolle und befriedigende Vollzeiteinstellung in der Überflussgesellschaft. Manch einer hat einfach Freude an der Debatte. Manch einer schreibt gern. Dass man als engagierter Demokrat und Medienrezipient mit Interesse beides liest – auch die FAZ-Blogs sind oft weitaus lesenswerter als die Zeitung selbst – bemerkt man in den Gesprächen zur strategischen Produktentwicklung in den Pressehäusern offensichtlich bisher nicht.</p>
<p>Es ist dennoch gut vorstellbar, dass die FAZ der Zukunft ein Verfahren, wie man es schon beim <a href="http://www.freitag.de/">Freitag </a>angedeutet sieht, einführt: Man lädt Leute im großen Stil zum Bloggen ein, sucht sich die jeweils besten Texte für den Druck aus, zahlt eine kleine Aufwandsentschädigung und spart sich somit einen weiteren Teil der Redaktion. Der verbliebene ist den ganzen Tag mit Sichten, Lesen und Redigieren der Blogpostings beschäftigt, so wie er heute noch die Presse- und Agenturmeldung durchblättert. Das Zeitungsgeschäftsmodell der Zukunft wird sich also vor allem mit Anreizsystemen für gute, freie Autoren befassen müssen. Und dann die Überweisung der Kulturflatrate verteilen.</p>
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