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Live Blogging vom BBK – Myoung Wilson

Posted in Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft, LiveBlogging on November 7th, 2006 and

If you Build it Will They Come? A Study of Faculty Participations in Institutional Repositories - Myoung Wilson (Rutgers University).

Berliner Bibliothekswissenschaftliches Kolloquium, 7. Oktober 2006. 18 bis 19:30 Uhr.

 Der Anlass des Vortrags ist, dass sich Myoung Wilson während ihres aktuellen Sabbatical intensiv mit dem Phänomen der Institutional Repositories (IR) befasst. Das Hauptproblem von der Humboldt bis Rutgers ist sicherlich, wie man Wissenschaftler dazu bringt, sich an diesen Programmen zu beteiligen. Wilson skizziert ihre bisherigen Fortschritte und erste Erkenntnisse. Ihre Arbeit ist bislang “Work in progress”, so dass der Vortrag nur eine Momentaufnahme darstellt.

Überblick zum Thema

 Institutional Repositories:

- sind grundsätzlich mit der Open Access-Bewegung verbunden,
- ein “moving target”
- eine der grundsätzlichen Infrastrukturelemente für “Scholarship” in einer Digitalen Umwelt (Lynch)
- eine lebendiger und wesentlicher Teil der Infrastruktur jeder akademischer Institution (Richard Jones, et.al.)
- ein “Feld der Träume” (Field of Dreams)

Der letzte Teil ist tatsächlich ein Bezug auf den Film mit Kevin Costner. Die Parallele besteht in dem “rich farm land”, welches den Bibliotheken zur Verfügung steht. Bibliothekare nutzen diesen gern als Titel für Aufsätze zum Thema “Institutional Repository”.

Drei Aspekte für Institutional Repositories in Bibliotheken:

- Set of Services that a university offers to the members of its community for the management an dissemination of digital materials created by the institution and its members. (Lynch)

- “Were the spirit willing, the technology is ready” (Willinsky, Access Principle)

- An empty institutional repository is analogous to a library with empty bookshelves. (Jones et. al.)

Methodologie:

Sichtung von Bibliotheks-Websites (Quelle: ARL Association of Research Libraries) 

Erste Ergebnisse (1) 

54 Institutionen (1/2 der ARL-Mitglieder) hatten in irgendeiner Form IR zu denen man Material beisteuern konnte. 

Unter diesen waren 7 „Pilotprojekte“, d.h. im Probelauf, 
4 waren exklusiv für die elektronische Speicherung von Abschlussarbeiten (Theses and Dissertations)
und 1 ausschließlich für Undergraduate Work. Diese wurden nicht weiter in die Analyse einbezogen.
 

 1/3 der IRs enthält keine individuelle Paper (nur Kursmaterialien etc. Working Papers) 

Bei der disziplinären Verteilung fällt nach wie vor sehr auf, dass: Humanities Scholar are not with it – they are still writing their books. 

Erste Ergebnisse (2) 

Drei Viertel der Literatur zum Thema bezieht sich auf Marketing

Zudem gibt es bislang in Hinsicht auf die Navigation enorme Schwierigkeiten, auf der Homepage der Universität das IR zu finden (Navigational Paths). Zumeist ist der Zugang irgendwo unter “Library”, “Material” versteckt.

Conclusion 

- IR is a novel intervention in scholarly discourse.

- IR should support the unique processes and workflow of faculty research. 

- Faculty participations is either low or non-existent in one third of current university IRs of ARL libraries at this juncture  of IR development.

- IR deposits are highly skewed by discplinary area.

- Lack of uniform navigational paths across institutions.

Emerging Trends 

- Better understanding of faculty research culture in order to engage in marketing that is more effective than current practice.

- Deployment of change agents/change aids such as retired faculty

- Mandatory self-archiving

- Negotiations with vendors to reach an initial critical mass of IR content

Wichtig ist die kritische Masse: Wenn diese erreicht ist, so die Vermutung, steuern mehr Faculty Members Materialien für das Repository bei.

Diskussion:

Prof. Seadle: In den USA sind die Wissenschaftler eher disziplingebunden als institutionsgebunden, d.h. sie wechseln häufiger, wenn sich woanders bessere Bedingungen bieten. IRs sind jedoch institutionsgebunden. Hier liegt eventuell ein Problem für die Bereitschaft zur Partizipation an den IRs.

Prof. Hobohm wies auf die unterschiedliche Wissenschaftskulturen hin. Er geht davon aus, dass sich für Deutschland eher Subject-Repositories anbieten. Universitätsbibliotheken sind dabei aufgerufen, entsprechende Fach-Repositories zu eröffnen. Das Fachgebiet ist vermutlich als Sammelfeld sinnvoller als die insitutionsgebundene Sammlung.

Prof. Umstätter betonte die Chance die die IR-Idee für Invisible Colleges darstellt.

Wo sollte die IR institutionell angebunden werden? (Bibliothek, Fakultät, CMS)

Wilson: IRs sollten ihrer Meinung nach direkt auf der Startseite der Bibliotheksseite und/oder auf der Homepage der Faculty angebunden sein. Bislang sind die Bestände meist so niedrig, dass man kaum von einer Sammlung sprechen kann.

Frank Havemann: Es reicht nicht, die IRs an sich attraktiv zu machen. Vielmehr muss ein entsprechendes Harvesting-System entwickelt werden. Wichtig ist die übergreifende Erschließungsmöglichkeit für die in den IRs befindlichen Materialien.

Hobohm: In Deutschland hat man z.B. bei Kuhlen und Capurro “individual repositories”, auf denen die Dokumente frei verfügbar sind. Die Frage ist also, wie man auch diese Dokumente miterschließen kann. Bislang geschieht dies über “Human Harvesting”, d.h. die Dokumente müssen per Hand von den Bibliotheksmitarbeitern von der Seite “abgeholt” werden.

E. Simon: So lange man es den Wissenschaftlern freistellt, mitzumachen, werden IRs nicht erfolgreich sein. Einerseits sind anderer Publikationsformen (Zeitschriften) nach wie vor attraktiver und andererseits scheuen sich viele Wissenschaftler im Wissenschaftswettbewerb ihre Erkenntnisse in dieser Form freizugeben.

Weiterhin gab es die Frage nach IR-Policies, d.h. Vereinbarungen mit den Faculties, die zur Partizipation der Wissenschaftler verpflichten. Hier gilt es aber noch Möglichkeiten und Verfahren abzuklären. Es gibt bislang viele generelle Bedenken.

Links:

University of California eScholarship Repository

John Willinsky: The Access Principle

Notizen zum BBK (13. Juni 2006)

Posted in Journals, LiveBlogging, Peer Reviewing, Szientometrie, Walther Umstätter, cybermetrie on June 13th, 2006 and

Professor Umstätter heute bei seinem Vortrag “Ist es notwendig eine neue Zeitschrift für Informetrie zu gründen?” im BBK am Institut:

Der Begriff Cybermetrics ist an sich etwas unglücklich, denn eigentlich besteht hier terminologisch ein Bezug zur Kybernetik. Die Anwendung als Messung im Cyberspace ist daher nicht sonderlich sinnvoll. (sinngemäß)

Insgesamt sollten nach seiner Auffassung generell die Begriffe der *metrien (Bibliometrie, Scientometrie, Informetrie, Infometrie, Webometrie etc.) exakter differenziert/definiert werden.

Infometrie ist dabei als ein Oberbegriff (Messung von Information in bit) für die Informetrie zu verstehen (Messung von Dokumentationseinheiten), Szientometrie (Messung des wissenschaftlichen Outputs), Webometrie (Messung von Informationsangeboten im Internet).

Die Notizen zum Vortrag gibt es als PDF hier.

Anhand einer Analyse der Publikationsgeschichte von Zeitschrift aus den Bereichen der Szientometrie, Informetrie etc., allen voran Scientometrics, über SCI und LISA, überlegt Umstätter, ob die anstehende Gründung des “Journal of Informetrics” (mehr hier) eine sinnvolle ist.

Nach seiner Argumentation werden Zeitschriften häufig zu früh gegründet, was das “Zeitschriftensterben” von 3500-7000 Titeln/Jahr belegt.

Er geht davon aus, dass ein Potential von 300 Aufsätzen/Jahr zu einem Thema die Gründung einer wissenschaftlichen Zeitschrift zu diesem Thema rechtfertigt. Zur Gründungszeit von Scientometrics jedoch bestand an dieser Stelle ein Aufkommen von etwa 100 Aufsätzen/Jahr gegründet. Die Zeitschrift wurde allerdings, so der Referent, durch den SCI und Eugene Garfield massiv gefördert und konnte daher überleben.

Begründet wurde dieses Argument über einen Abgleich der Zeitschrift über den Datenbestand bei LISA. Die Zeitschrift ist dort “überproportional zur Bradford-Verteilung” vertreten, was auf eine “Cover-To-Cover”-Indexing zurückzuführen ist.

Eine Kernzeitschrift benötigt etwa 200 Abbonenten und 50 Autoren.

Weitere (Kern)Zeitschriften mit der thematischen Ausrichtung sind:
- Journal of the American Society for Information Science (and Technology)
- Nauchno Tekhnicheskaya Informatsiya
- Revista Espanola de Documentacion Cientifica
- Journal of Information Science
- Information Processing and Management
- Journal of Documentation
- Annals of Library Science and Documentation

Für die Bibliometrie, Szientometrie etc. nimmt er ein Literaturaufkommen von ca. 600-700 Aufsätzen pro Jahr im Jahr 2006 an. Die Frage ist, wieviele Kernzeitschriften für diese Fachgebiete notwendig werden.

 Wir brauchen dringend eine zweite Zeitschrift neben Scientometrics

Ein grundlegendes Problem ist die schwankende Qualität in Scientometrics, was z.B. der schwache Aufsatz “Bibliometric analysis – A new business are for information professionals in libraries?” von Rafael Ball und Dirk Tunger (Scientometrics 66 (3) 2006, S. 561-577) zeigt. Auch bei anderen aktuellen Beiträgen ist die Qualität der Publikationen eher fragwürdig.

Wichtig ist, dass nicht nur eine neue Kernzeitschrift gegründet wird, sondern dass eine stärkere Qualitätskontrolle erfolgt. Eine Möglichkeit dafür wären Referateblätter als Mittel der Qualitätssicherung, d.h. einer nachträglichen Auswertung von Publikationen in Hinblick auf die methodische/wissenschaftliche Korrektheit und der publizierten Ergebnisse. Ausgangspunkt dafür ist die Position, dass Wissenschaft nicht nur selbstorganiserend sondern auch selbstreproduktiv ist. Dies bedeutet, dass eine wissenschaftliche Erkenntnis (eine wissenschaftliche Lösung eines Problems) grundsätzlich auf das gleiche Ergebnis hin reproduziert wird.

Dabei ist zu beachten, dass das System des Peer Reviewing als Instrument der Qualitätssicherung – so Umstätter – wissenschaftlich abzulehnen ist. Er stellt dabei das Peer Reviewing dem Verfahren der Referateblätter entgegen, wobei das Peer-Reviewing-Verfahren seiner Meinung nach den Niedergang des Referatewesens beschleunigte.

Wir brauchen keine Zeitschrift für Informetrics sondern eine Zeitschrift für Infometrics.

Umstätter entwirft eine Perspektive für LIBREAS. Die Zeitschrift sollte als öffentlich wirksames Organ des Instituts als eine Art erweitertes Referateblatt, in welchem Primär-,Sekundär- und Tertiärliteratur integriert werden, dienen. 
Thematisch schwebt ihm die Zeitschrift als Publikationsorgan für die “eigentliche Infometrie” vor.
Zudem sollten Zusammenhänge in Gestalt von Reviews verknüpft und verständlich gemacht werden. Die Position des Referateblatts dient dem Controlling des Publikationsaufkommens im Bereich der Informetrie.

In diesem Zeitschriftentypus soll das “offene Referat” das “Peer Reviewing” ablösen. Das Peer Reviewing besitzt den Nachteil, dass die Reviewer im Anonymen agieren und entsprechend nicht für ihre Entscheidungen zur Verantwortung gezogen werden können. Dies erhöht die Gefahr des Missbrauchs. Insofern liegt die Vermutung nahe, dass Peer Reviewing bestimmte wissenschaftliche Paradigmen fördert bzw. hemmt.

In der weiteren Argumentation ging es ihm um die Frage nach der Moral von Wissenschaft. Dabei verwarf er Rüdiger von Bruchs Ausspruch, dass Wissenschaft zwar nicht unmoralisch aber amoralisch ist.

Wahre Wissenschaft ist hoch moralisch, aus der Erkenntnis heraus, dass wir Verantwortung für unser Tun nur tragen können, wenn wir bewusstes Wissen besitzen.

Dieses ist die Voraussetzung für die Fähigkeit zum Unterscheiden von “richtig” und “falsch”.

Professor Umstätter plädiert explizit dafür, dass sich das Institut eine eigene Publikationsplattform im oben ausgeführten Sinne schafft, die als Organ zur Qualitätssicherung fungiert.

In Bezug auf Bibliothek geht er abschließend davon aus, dass es die Hauptaufgabe von Bibliotheken ist,

nicht nur “gute” oder sogar ideologisch einwandfreie Publikationen anzubieten, sondern in einer Synopsis richtiges und falsches [Wissen im Sinne von Aussagen] durch Kataloge, Bibliografien, Wissensorganisation bzw. Wissensrepräsentation vergleichbar zu machen.

Als Antwort auf die Titelfrage des Vortrags geht Professor Umstätter davon aus, dass die Neugründung zwar zum richtigen Zeitpunkt erfolgt und sicher wirtschaftlich erfolgreich sein wird, aufgrund ihres traditionellen Konzepts allerdings das, was für eine progressive Wissenschaftsauffassung denkbar und auch notwendig wäre, hier nicht abgedeckt wird.