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	<title>kontext &#187; Bibliothek</title>
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		<title>Die E-Books in der E-Bibliothek. Ein paar weitere Gedanken.</title>
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		<pubDate>Fri, 24 Oct 2008 10:23:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ben</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Michael Knoche]]></category>

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		<description><![CDATA[Das e-book ist bereits heftig dabei, die Bibliotheken zu verändern. An vielen wissenschaftlichen Bibliotheken spielen e-books schon seit ein paar Jahren eine große Rolle. Was auf der Buchmesse nur neu war, war das Leseendgerät. Das hat sich eben weiter verbessert und ist jetzt so attraktiv geworden, dass auch die normalen Leser und Benutzer damit arbeiten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>Das e-book ist bereits heftig dabei, die Bibliotheken zu verändern. An vielen wissenschaftlichen Bibliotheken spielen e-books schon seit ein paar Jahren eine große Rolle. Was auf der Buchmesse nur neu war, war das Leseendgerät. Das hat sich eben weiter verbessert und ist jetzt so attraktiv geworden, dass auch die normalen Leser und Benutzer damit arbeiten können. Aber an den Hochschulen werden Texte schon seit einigen Jahren runtergeladen, aber dann eben auf die normalen Laptops und PCs.</p></blockquote>
<p>Michael Knoche, Leiter der Herzogin Anna-Amalia Bibliothek in Weimar, äußert sich heute in einem <a href="http://www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/865327/">ausführlichen Interview mit dem Deutschlandfunk</a> u.a. recht zuversichtlich, aber definitorisch etwas unscharf, zum Thema E-Book. Denn abgesehen vom <em>Project Gutenberg</em> und einigen anderen Unternehmungen, war die Titelanzahl von elektronischen Büchern bis vor verhältnismäßig kurzer Zeit nicht so breit gestreut, dass sie in der wissenschaftlichen Arbeit verstärkt zum Einsatz kamen. Natürlich gab es immer wieder mal ein paar PDF-Fahnen und manches auch auf CD-ROM. Aber das, worauf die Merkmale, die ich weiter unten als kennzeichnend für ein E-Book herausarbeite, passen, wird erst allmählich zu einem breiten Phänomen.</p>
<p>Aber ich denke, Michael Knoche meint eigentlich das Lesen elektronischer Texte allgemein, was sich mit den elektronischen Zeitschriften tatsächlich zur Standardtätigkeit im wissenschaftlichen Alltag sehr vieler (nicht aller) Disziplinen entwickelt hat.</p>
<p>Deutlich wird hier erneut, dass der Begriff <em>E-Book</em> eher schwierig ist und der Diskurs sich womöglich etwas geschmeidiger vollziehen würde, spräche man von <em>elektronischen Texten</em> und im Zweifelsfall von <em>hypertextuell vorliegenden Inhalten</em> oder von einer <em>displayvermittelten Textrezeption</em>, sofern man auf den Vorgang abzielt.</p>
<p>Der Ausdruck <em>E-Book</em> ist dagegen vor allem gut für das Marketing, denn er schafft die Verbindung zu etwas, was die Zielgruppe kennt und mag. Vielleicht wäre er auch sonst praktikabel, wenn es (a) eine präzise und verbindliche Definition gäbe und sich (b) eine tatsächliche und sinnvolle Entsprechung des Einem im Anderen fände. Wenn man kurz genug sucht, entdeckt man womöglich etwas, das passt. In der Wikipedia nämlich findet sich dahingehend ein ziemlich eindeutiger Ansatz. Dort <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/E-Book">heißt es aktuell</a>, das E-Book &#8220;versucht im weitesten Sinne, das Medium Buch mit seinen medientypischen Eigenarten in digitaler Form verfügbar zu machen.&#8221;</p>
<p>Nun muss man sich fragen, (1) inwieweit das, was als E-Book bezeichnet wird, dieses erfüllt und (2) wie medial zweckmäßig solch ein Unterfangen ist. Warum legt man soviel Wert auf eine Imitation in der Form, wenn es nur der <em>Content</em> ist, auf den es ankommt?</p>
<p><span class="long_desc">Sofern wir tatsächlich am Bildschirm lesen, löst sich die Notwendigkeit zur Anpassung an die Druckseite auf. Textinhalte wie in diesem Weblog werden schon längst mich mehr auf Ausdruckbarkeit hin verfasst und sind in ihrer Hypertextualität oft auch gar nicht adäquat auf Papier abbildbar.</span></p>
<p>Entspricht also ein HTML-Text oder ein PDF tatsächlich den medientypischen Eigenschaften &#8211; gedruckt, gebunden (oder geklebt etc.), nicht periodisch, mindestens 49 Seiten<span class="long_desc">? Die aktuelle Generation der Lesegeräte versucht sich durchaus, wenigstens das Element &#8220;Seite&#8221; zu erhalten, aber wenn man sich gleich nebenan anschaut, dass die Displays von Mobiltelefonen als Ausgabeoberfläche zunehmen Aufmerksamkeit bekommen, erscheint es fraglich, dass sich in diesem Umfeld das Paradigma Druckseite halten kann. Denn eine Druckseite ist für das iPhone auch auf A5 zu groß. </span></p>
<p><span class="long_desc">Für die Simulation der Seitendarstellung, wie sie das PDF als Format für die Druckvorstufe natürlich berücksichtigt, besteht bei der Rezeption am Bildschirm kein Grund. Alle medientypischen Eigenschaften des Buches, die in seiner Materialität gründen, sind ganz offensichtlich nicht digitalisierbar. Was momentan in meinen Augen als einzig gültiges Unterscheidungsmerkmal für das E-Book im Vergleich zum E-Journal herangezogen wird, ist, dass es nicht periodisch erscheint. Zu anderen elektronischen Texten im Internet sind die verlegerischen Berarbeitungen von der Manuskriptauswahl über das Lektorat bis hin zur Gestaltung der Ausgabeform kennzeichnend. </span></p>
<p><strong>E</strong><strong>in E-Book wäre demnach, </strong>dies als eine Zwischendefinition<strong>, ein in sich abgegrenzter, nicht-periodisch erscheinender, distribuierbarer und von einem Verlag veröffentlichter Text. </strong></p>
<p><span class="long_desc">Das E-Book bildet also die materiellen medientypischen Eigenschaften nur äußerst bedingt ab, dafür aber einige formale Entstehungs- und Vertriebskennzeichen.  Dass E-Books oft als zu subskribierende Pakete angeboten werden, relativiert den Distributionsaspekt natürlich wieder. Besitzrecht oder Nutzungsrecht, das ist hier zu klären. Langfristig stehen die Zeichen wohl auf die zweite Variante gerichtet.</span></p>
<p>Auf der Ebene der formalen Imitation bieten die<strong> </strong>Lesegeräte abgesehen von dem ziemlich leichtgewichtigen Argument, dass man unbegrenzt viele Titel mit sich herumtragen kann, kaum Vorteile. Zwar relativiert sich das Problem des Lagerplatzes, wird aber &#8211; sofern man die Texte länger behalten mag &#8211; durch die Frage der Langzeitarchivierung, Langzeitlesbarkeit und Migration beim Gerätewechsel von einer neuen Schwierigkeit fast noch größerer Komplexität ersetzt. Perspektivisch werden sich, so meine aktuelle Vermutung, Geräte durchsetzen, die eine beliebige Rezeption und Bearbeitung und vielleicht sogar Produktion von digitalen Texten bzw. auch wieder multimedialen Inhalten zu lassen. Ein kleiner, leichter Laptop mit elektronischer Tinte wird sicher von der Masse der aktiven Leser eher gewünscht, als das Pendant zum digitalen Bilderrahmen.</p>
<p><span class="long_desc">Nun noch ganz kurz zur E-Bibliothek, auf die die Anschlussfrage des Interviewers abzielt, und die die große Diskrepanz zwischen Fachdiskurs und öffentlichem Diskurs entblößt:<br />
</span></p>
<blockquote><p><span class="text_bold">Heinemann:</span> Gibt es dann eines Tages die e-Bibliothek?</p>
<p><span class="text_bold">Knoche:</span> Die wird es sicher geben. Es wird Bibliotheken geben, die praktisch nur noch einen Ort darstellen, wo man lernen kann, wo man einen Zugang zum Netz hat, aber die keine Bücher mehr enthalten. Es wird Bibliotheken geben, die beides haben, das elektronische Angebot, aber natürlich auch noch die alten Druckschriften. Ich glaube, die Herzogin Anna-Amalia Bibliothek wird zu der zweiten Kategorie von Bibliotheken gehören.</p></blockquote>
<p>Die Beschreibung der ersten Kategorie passt übrigens auch auf eine Starbucks-Filiale und wer selbige in Universitätsstädten besucht, sieht, dass diese von den Studenten auch gern entsprechend genutzt werden. Natürlich meint Michael Knoche etwas anderes, nämlich das, was wir seit vielleicht einem Jahrzehnt als PC-Pools kennen, die man sicher noch gemütlicher gestalten kann. Die Idee, diese anheimelnder als e-Bibliothek zu bezeichnen ist gar nicht so schlecht, aber natürlich &#8220;lipstick on a pig&#8221;.</p>
<p>Aufgelöst würde die Bezeichnung aber <em>elektronische Bibliothek</em> heißen, was in der Bibliothekswissenschaft traditionell vor allem auf die Geschäftsgänge und die Katalogisierung ausgerechnet von physischen Medien bezogen war.</p>
<p>Was hier tatsächlich gemeint ist, nannte man <em>virtuelle Bibliothek</em> bzw. nennt man <em>digitale Bibliothek</em>, wobei der bücherlose Lernraum noch nicht einbezogen ist. Man sollte den allgemeinen Radiohörer sicher nicht überfordern, aber wenn man vom Fach kommt, dann ist man selbstverständlicher etwas pedantischer. Und daher soll abschließend vermerkt werden, dass wir die Herzogin Anna-Amalia Bibliothek korrekterweise als  <em>viergegliederte Bibliothek</em> begreifen, die übrigens auch in ihrem famosen Studienzentrum die eine oder andere neuere Druckschrift bereithält. Hoffentlich setzt sich E-Bibliothek nicht durch&#8230;</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>&#8220;A mega-corp took advantage of the optimistic hopes of a non-profit and that’s news?&#8221;, Googles Verhältnis zu den Bibliotheken</title>
		<link>http://kontext.edublogs.org/2008/06/30/a-mega-corp-took-advantage-of-the-optimistic-hopes-of-a-non-profit-and-that%e2%80%99s-news-googles-verhaltnis-zu-den-bibliotheken/</link>
		<comments>http://kontext.edublogs.org/2008/06/30/a-mega-corp-took-advantage-of-the-optimistic-hopes-of-a-non-profit-and-that%e2%80%99s-news-googles-verhaltnis-zu-den-bibliotheken/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 30 Jun 2008 14:35:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ben</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bibliothek]]></category>
		<category><![CDATA[Google]]></category>
		<category><![CDATA[Bibliothekswesen]]></category>
		<category><![CDATA[Debatte]]></category>
		<category><![CDATA[Google-Books]]></category>
		<category><![CDATA[Public-Private-Partnership]]></category>

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		<description><![CDATA[[diesen Text als PDF]

&#8220;Yes they used us, and some librarians (not you) were tricked. That’s what businesses do, particularly successful megapowerhouses like Google; it was nothing personal.&#8221;

Das ist ein faszinierender Kommentar von einer Melissa zur Frage, inwieweit Google die Bibliotheken benutzt hat und zwar in einer nicht unbedingt altruistischen Weise. Überlegt jedenfalls Steven M. Cohen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: right">[<a href="http://kontext.edublogs.org/files/2008/07/kommentar_20080630.pdf">diesen Text als PDF</a>]</p>
<blockquote>
<p style="text-align: left">&#8220;Yes they used us, and some librarians (not you) were tricked. That’s what businesses do, particularly successful megapowerhouses like Google; it was nothing personal.&#8221;</p>
</blockquote>
<p>Das ist ein faszinierender <a href="http://www.librarystuff.net/2008/06/29/usinglibrarians/#comment-24864">Kommentar</a> von einer <em>Melissa</em> zur Frage, inwieweit Google die Bibliotheken benutzt hat und zwar in einer nicht unbedingt altruistischen Weise. Überlegt jedenfalls Steven M. Cohen in seinem Weblog:<a title="Permanent Link to How Google Used Librarians…and Got Away With It" rel="bookmark" href="http://www.librarystuff.net/2008/06/29/usinglibrarians/">How Google Used Librarians…and Got Away With It</a>.</p>
<p>In der Tat ist <a href="http://librariancentral.blogspot.com/">Google Librarian Central</a> aus der letzten Sommerpause nicht wieder zurückgekehrt und ebenso ist es vergleichsweise etwas stiller hinsichtlich des Zusammenwirkens der Institution Bibliothek und dem Informationsunternehmen Google geworden.  Steven Cohen scheint es, als würde der marktdominante Suchmaschinist nun, da er von den Bibliotheken das bekommen hat, was er brauchte, das Bibliothekswesen mehr oder weniger im Regen stehen lassen, jedenfalls das Engagement deutlich drosseln:</p>
<blockquote><p>&#8220;So, their marketing department (those sly dogs) decided to buddy up with ALA and the entire library community to gain access to these print treasures so that they can scan and index them. &#8230; There is no doubt in my mind that the entire library community was used.  ALA was used.  Those academic institutions that signed up were used.  And those librarians that played a part in the PR stunt were used. &#8220;</p></blockquote>
<p>Allerdings, so Cohen, wird das relativ folgenlos bleiben, denn das typische Fremd- und Selbstbild der Bibliotheken bemühend, sieht der Blogger keine Revolutionsstimmung, sondern nimmt schlicht an, dass sich die Community brav dem Lauf der Zeit fügen wird:</p>
<blockquote><p>&#8220;But even more, I’m disappointed in librarians who actually fell for this blatant marketing scheme.   Did they really think that this relationship would continue?  Did they grasp the importance of what Google was/is doing?  Will they fight back?  Or will they fit the stereotype that librarians are passive and let yet another company walk all over them?  I hope they won’t, but then again, I won’t be surprised if they do.&#8221;</p></blockquote>
<p>David Rothman von TeleRead <a href="http://www.teleread.org/blog/2008/06/29/how-google-used-librariansand-got-away-with-it/">weist bei dieser Gelegenheit</a> gleich einmal auf den nächsten üblichen Verdächtigen hin:</p>
<blockquote><p>You can bet that if Amazon cranks up a major library effort, it, too, could seduce librarians, then abandon certain support efforts. Not to pick on Google alone!</p></blockquote>
<p>Natürlich nicht. Die ganze Web2.0/Bibliothek2.0-Euphorie weist in diese Richtung, genauso wie weite Teile dessen, was man als Bibliotheksmarketing und Bibliotheksmanagement angeboten bekommt.</p>
<p>Die &#8220;non-profit&#8221; Nutzerpartizipation und Generierung von Inhalten bis zur Selbstausbeutung wird auf weiter Strecke <span style="font-size: 12pt;font-family: Garamond">–</span> es gibt natürlich und glücklicherweise Alternativangebote <span style="font-size: 12pt;font-family: Garamond">–</span> von kommerziellen Akteuren bestimmt, denen es nicht vorrangig darum geht und nach der Definition auch nicht gehen kann, altruistisch tolle Produkte zu verschenken, sondern mit angepassten Geschäftsmodellen in möglichst ertragreiche Nischen vorzustoßen.</p>
<p>Letztlich stellen sie die Werkzeuge, mit denen Millionen Internetnutzer freudig und gut gelaunt für die Interessen <span style="font-size: 12pt;font-family: Garamond">–</span> d.h. <em>Pageimpressions</em>, Werbeflächen, Nachverwertung von Inhalten, Marktanteile, etc. <span style="font-size: 12pt;font-family: Garamond">–</span> einer Handvoll von Unternehmen tätig sind. &#8220;Will work for fun&#8221; ist die Devise und Abhängigkeit das Mittel zum Zweck. Wer sein soziales Netz ausschließlich über <em>Facebook</em> organisiert, begibt sich zwangsläufig in eine Abhängigkeit, aus der auszusteigen nur mit großen Mühen möglich ist. Andererseits kann z.B. eine Zeitung ihre Redaktion und ihren Mitarbeiterstab auf einige Koordinatoren verkleinern, wenn sich genügend &#8220;Leserreporter&#8221; finden, die das Blatt mit frischen Inhalten beliefern <span style="font-size: 12pt;font-family: Garamond">–</span> und zwar bestenfalls mit dem Anreiz der Namensnennung und einer Aufwandsentschädigung. Nicht nur für den Journalismus steht eine Deprofessionalisierung im Raum, deren Hauptproblem nicht, wie oft angenommen, darin liegt, ob die Hobbyjournalisten schlechter oder besser als die Profis arbeiten, sondern darin, dass sie bereit sind, dies nahezu ohne Gegenleistung zu tun. Ob das zwangsläufig dem Zeitgeist entspricht, müsste man diskutieren. In jedem Fall sollte man aber auch überlegen, welche Folgen daraus resultieren.</p>
<p>So wie es ausschaut, sind die Bibliotheken entsprechend in einer ähnlichen Situation, da sie mit vergleichsweise geringer Gegenleistung an einen Akteur mit kommerziellen Interessen zuliefern. Auch das ist an sich nicht verwerflich, wenn transparent ist, was, wie, wann mit diesen Zuarbeiten (in diesem Fall Inhalte) geschieht. Und wenn die Zuarbeit eines öffentlichen Akteurs auch wieder der Öffentlichkeit nutzt, also die öffentliche Aufgabe der Bibliothek wenn auch über einen Umweg wieder erfüllt wird. Wenn Google jedoch die Bibliotheken rein als Datenpool nutzt, weil es sonst nicht oder nur mit zähen Verhandlungen mit den oft eher störrischen Verlagen an die Vorlagen zur Digitalisierung gerät, die Bibliotheken also schlicht als Mittel zum einzig eigenen Zweck benutzt, ist es fraglich, ob eine öffentliche Institution sich auf diesen eher Kuhhandel einlassen sollte. Win-Win ist dies vielleicht, aber des Einen Gewinn übersteigt dabei überproportional den des anderen. Ein Hauptproblem gerade bei Google ist, dass nicht ganz deutlich wird, wohin sich das Interesse der Kooperation mit den Bibliotheken tatsächlich richtet, also die Intransparenz.</p>
<p>So wie es beim Privatfernsehen und -radio nicht um die Vermittlung von Inhalten geht, sondern um den Selbsterhalt des Unternehmens über den Verkauf von Werbeflächen, agiert auch Google ein wenig. Im Gegensatz zu Amazon, das klar an Endkunden verkauft, wird dies bei dem Informations-Anbieter aus Mountain View nicht ganz so deutlich. Derjenige, der bei Google eine Suchanfrage stellt oder seine E-Mail verwaltet ist im Prinzip kein Kunde, sondern Anreiz für Kunden, Anzeigen bei Google zu schalten.</p>
<p>Der Nutzer, der in einem OPAC recherchiert, ist dagegen eine Art &#8220;Kunde&#8221;, auch wenn die Übernahme des Kundenbegriffs in das Bibliothekswesen gern zu Missverständnissen führt und sicher nicht die terminologisch beste Variante darstellt.</p>
<p>Während für das Unternehmen Google der Dienst am Informations-Nutzer gegenüber dem Dienst am Werbekunden sekundär sein muss, ist er für Bibliotheken zentral. Ersteren geht es um die Vermittlung von Werbung, Letzteren im Idealfall um die Vermittlung von Inhalten. Dabei sollte für Bibliotheken das Problem des Selbsterhalts marktextern durch öffentliche Finanzierung gelöst sein. Mit der Fokussierung auf den Marktgedanken auch in öffentlichen Bereichen verliert sich jedoch diese Selbstverständlichkeit, wobei in öffentlichen Verwaltungen unglücklicherweise häufig Wirtschaftlichkeit mit Markterfolg verwechselt wird.</p>
<p>Angesichts des Zurückfahrens dieser Basis und auch des verschwindenden Verständnisses, dass die Bibliothek als Institution mit öffentlicher Funktion für die informationelle Grundversorgung zu erhalten sei, ist es verständlich, dass man sich in einer solchen <em>Public-Private-Partnership</em>, bei der die Partner allerdings recht unterschiedliche Ziele verfolgen, einlässt. Oder sie über Gebühren ganz billig als Einnahmequelle erschließen möchte. Bei Scheitern des Modells ist dann auch gleich ein Argument für die Schließung auf dem Tisch.</p>
<p>Darin, dass Bibliotheken immer wieder eine verschärfte Bedrohungslage vorgezeichnet bekommen und leider auch sich selbst einreden, liegt sicher eine Ursache für das weithin spürbare Verlangen, sich an die (vermeintlich, weil entsprechend vermarkteten) erfolgreichen Akteure und Konzepte im virtuellen Informationsgeschäft zu hängen. Damit wird allerdings die Fähigkeit, sich eigenständig Perspektiven, Lösungen und Angebote zu überlegen, nicht unbedingt gefördert.  Kontingenz und <em>Best Practice</em> harmonieren nicht sonderlich.</p>
<p>Ich fürchte, ein Hauptproblem im Bibliothekswesen – und das teilt es mit dem Verlagswesen – ist nach wie vor, dass ihm ein stabiles Selbstbild fehlt, welches Perspektivität und eigenständige Entwicklung zulässt. Man bleibt für sich Underdog, geschockt durch den Erfolg von Google und entsprechend Prinzipien willfährig aufgreifend und zu den eigenen erklärend. Wenn OCLC sich anschickt, das &#8220;Google der Bibliotheken&#8221; zu werden und Google mit dem Datenbestand des <em>Worldcat</em> bestückt, sollte man sich vielleicht fragen, ob Google mit diesem Datenbestand OCLC überhaupt noch in einer anderen Rolle als die des Zulieferers benötigt. Eine gleichberechtigte Partnerschaft dürfte hier nicht im Raum stehen. Google profitiert von den optimierten Metadaten im MARC-Format für all die Bücher, die zwar gescannt aber nicht entsprechend formal präzise erschlossen wurden. Und OCLC darf dafür die Inhalte anbinden, die man sonst über Google-Books bekommt. Erstaunlicherweise greift man wieder auf das altbekannte Argument der &#8220;Visibility&#8221; zurück, welches da zugespitzt lautet, dass alles, was Google nicht sieht (bzw. sehen will), im Web nicht sichtbar ist. Allein schon die Existenz dieses Vermittlungsmonopol sollte zur Vorsicht mahnen: Ob &#8220;don&#8217;t be evil&#8221; oder nicht – Google ist kein neutrales Werkzeug ohne eigene Interessen, sondern ein globales Wirtschaftsunternehmen, die teuerste Marke der Welt und in seinem Hauptgeschäft Quasi-Monopolist. Darüber, inwieweit es dem Wettbewerbsprinzip der informationellen Weltwirtschaft gut tut, diese Position weiter aktiv zu stärken, kann man ja mal reflektieren.</p>
<p>Auch in Bibliotheken, die sich jedoch an einer ganz anderen Stelle selbst beschäftigen: Auf der einen Seite steht das nicht tragfähige Beharren auf (vermeintlich) etablierten Qualitäten und auf der anderen das totale Hinterfragen der eigenen Existenzberechtigung. Das Googleversum erscheint hier entweder als Vorhölle oder als Paradies, Google entweder als Todfeind oder als Leitstern. Das Optimum liegt natürlich immer irgendwo dazwischen. Und so sollte man auch handeln: skeptisch offen.</p>
<p>Ein bewussterer Umgang, bei dem man u.a. aggressiv hinterfragt, was sich der <em>Private</em>-Partner von der Kooperation mit dem öffentlichen Akteur eigentlich an Nutzen verspricht, könnte hier durchaus helfen.</p>
<p>&#8220;Don&#8217;t be evil&#8221; ist letztlich nur eine sehr dürftige, zur Besänftigung eventueller Zweifel gestrickte, Phrase, kaum gehaltvoller als Amazons &#8220;&#8230;and you &#8216;re done&#8221; oder die Beschwichtigungsmimik eines Fußballspielers nach einem Foul. Eigentlich ist die Verwendung einer solchen trivial-ethischen Plattheit, die nicht einmal den ähnlichen, aber immerhin mit einer zugegeben dürftigen und deswegen als halbhohle Werbephrase sofort durchschaubaren Mehrdeutigkeit von der &#8220;Wir sind die Guten&#8221;-Kampagne des Elektronikhändlers ProMarkt erreicht, sondern mit einem derartigen Leitbild tatsächlich auf Vertrauensbildung aus ist, weitaus verdächtiger, als der klar auf den Allround-Dienstleistungsanspruch von Amazon zugeschnittene Slogan. &#8220;Don&#8217;t be evil&#8221; sollte man sicher nicht für barere Münze nehmen, als den Liebesbeweis von Flickr (<a href="http://l.yimg.com/g/images/flickr_logo_gamma.gif.v35314.14">Flickr loves you</a>). In einer Welt, in der Bedeutungen derart zu Marketingzwecken gedehnt werden, ist es schwer, noch mit Worten zu überzeugen&#8230;</p>
<p>Gerade weil nicht ganz klar ist, was so eine Aussage eigentlich meint bzw. inwieweit Google ein Unternehmen wie jedes andere ist und sein will und wie sehr &#8220;don&#8217;t be evil&#8221; Lippen- oder Herzensbekenntnis oder einfach nur ein griffiges Verkaufsmotto ist, bleibt eine gesunde Skepsis vielleicht doch sinnvoller als allumfassende Affirmation.</p>
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		<title>&#8220;Werden sie kaufen oder leihen?&#8221; &#8211; Die Verlagsbranche rätselt über den Umgang der Kunden mit den Büchern. Einige Assoziationen.</title>
		<link>http://kontext.edublogs.org/2008/04/23/werden-sie-kaufen-oder-leihen-die-verlagsbranche-ratselt-uber-den-umgang-der-kunden-mit-den-buchern-einige-assoziationen/</link>
		<comments>http://kontext.edublogs.org/2008/04/23/werden-sie-kaufen-oder-leihen-die-verlagsbranche-ratselt-uber-den-umgang-der-kunden-mit-den-buchern-einige-assoziationen/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 23 Apr 2008 09:19:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ben</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bibliothek]]></category>
		<category><![CDATA[E-Books]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8220;So why would you buy an ebook and download it to whatever as opposed to loaning it from a library for free. Why would you pay to even rent it online for a time period when you will be able to rent it for the same period for free?&#8221; &#8211; Bookseller Association.blogspot.com/April 2008

Das Verlagswesen ist [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>&#8220;So why would you buy an ebook and download it to whatever as opposed to loaning it from a library for free. Why would you pay to even rent it online for a time period when you will be able to rent it for the same period for free?&#8221; &#8211; <a href="http://bookseller-association.blogspot.com/2008/04/digital-public-libraries-for-free.html">Bookseller Association.blogspot.com/April 2008<br />
</a></p></blockquote>
<p>Das Verlagswesen ist sich momentan offensichtlich noch nicht ganz klar, mit welchen Geschäftsmodellen man den sich langsam entwickelnden E-Book-Markt bedienen will. Folgerichtig kommen die oben gestellten Fragen in der Diskussion auf. Allerdings konnte und kann man sie zunächst einmal auch in Hinblick auf die klassischen Print- Publikationen formulieren: Warum sollte man sich ein Buch kaufen, wenn man es in der Bibliothek gratis bekommt?</p>
<p>Dahingehend fallen mir sofort drei Faktoren ein, warum man sich ein Buch dennoch kauft:</p>
<ol>
<li>Die Bibliothek hat den gewünschten Titel nicht im Angebot –  man bekommt es also tatsächlich nicht, oder erst verzögert (gratis) bei der Bibliothek.</li>
<li>Man möchte das Exemplar gern selbst besitzen, da man dadurch gewisse Nutzungsmöglichkeiten erlangt, die ein Bibliotheksbuch nicht hat. So kann man –  was der entscheidende Aspekt ist – als Eigentümer über das Buch dauerhaft verfügen. Ein weiterer Gesichtspunkt ist, dass man, wenn man denn möchte, im Buch ohne erwartbare Sanktion unterstreichen, Seiten anknicken etc. darf, also all die Dinge tun, die persönliche Spuren hinterlassen und eine individuelle Nutzung zulassen.</li>
<li> Der Weg zur Bibliothek ist schlicht zu weit, zu aufwendig oder die Bibliothek nimmt Gebühren, ist also nicht gratis. Für 10 Euro Jahresbeitrag hat man schon zwei Drittel des Kaufpreises für Charlotte Roches Feuchtgebietsbuch allein für Bibliotheksnutzungsmöglichkeit investiert. Die Ersparnis ist also gerade für Wenigleser nicht sehr lockend.</li>
</ol>
<p>Wendet man dies nun auf E- Books an, deren Merkmal es ist, dass sie digital und daher prinzipiell mit geringem Aufwand und ohne Qualitätsverlust kopiert und verteilt werden können, so löst sich der erste Teil des dritten Arguments schon einmal für all diejenigen, die Zugang zum Internet haben, schlicht auf. Dies werden in naher Zukunft potentiell all diejenigen sein, die ein Mobiltelefon besitzen.</p>
<p><strong>Die dematerialisierten Inhalte..</strong></p>
<p>Die Loslösung vom Ausleihort bringt es mit sich, dass sich prinzipiell auch eine Konkurrenz der Bibliotheken untereinander entwickeln kann. Wie sich dies auf eine entsprechende Gebührenverteilung und mögliche Zugangsregulierungen auswirkt, wird bislang kaum thematisiert. Wer darf die Bestände welcher digitalen öffentlichen Bibliothek nutzen? Und zu welchen Bedingungen? Wie exklusiv, z. B. auf die Einwohnerschaft der die Einrichtung unterstützenden Kommune beschränkt, kann und darf eine öffentliche Bibliothek sein?</p>
<p>Die Frage des Eigentums (Argument 2) stellt sich generell bei digitalen Dokumenten. <em>Social DRM</em> bedeutet eine eindeutige Verknüpfung zwischen einem digitalen Dokument und dem Eigentümer, wobei sich der Eigentümer der entsprechenden offensichtlichen Kennzeichnung mit dem Eigentumsstempel nicht entziehen kann. In diesem Sinne verpflichtet Eigentum tatsächlich und zwar zur Einhaltung der Nutzungsregeln. Während ein gedrucktes Buch beliebig verschenkt oder z. B. antiquarisch weiterveräußert werden kann, wird es für elektronische Publikationen kein Äquivalent zum Antiquariatsmarkt geben.</p>
<p><strong>.. und die Hürden der Materialität</strong></p>
<p>Die Hürden zur unkontrollierten Vervielfältigung des Printprodukts liegen ganz offensichtlich in seiner Materialität begründet. Der Aufwand zur materiellen Reproduktion ist in der Regel abschreckend groß genug, als dass der Verlag befürchten muss, von Raubdruckern in den Ruin gestürzt zu werden. Der finanzielle Aufwand, eine ebenbürtige Kopie mittels Kopierer zu erzeugen, ist relativ gering, so dass sich photokopierte Exemplare bestenfalls als Arbeitsmaterial anbieten. Den Rahmen der materiellen Aufbereitung bieten sie nicht bzw. nur zu Kosten, die sich dem eigentlich Kaufpreis des gedruckten Buches durchaus annähern können.</p>
<p>Digitale Dokumente kommen ohne fixierte Materialität aus. Sie sind einerseits theoretisch zu geringen Kosten (geringer als beinahe jeder vorstellbare Kaufpreis) kopierbar, andererseits jedoch nur mit Hilfsmitteln, d.h. über die Dienstleistungen externer Anbieter rezipierbar. Es ist also anzunehmen, dass eine Eigentumsempfindung in diesem Zusammenhang keine Rolle spielt. Man fordert bestenfalls ein Nutzungs- oder Zugangsrecht ein.</p>
<p>Die Verfügbarkeit dieser Hilfsmittel ist die Voraussetzung für die Nutzung des E-Books und aus dieser Notwendigkeit ergibt sich eine Abhängigkeit des Lesers vom Anbieter der Zugangs- und Lesewerkzeuge. Entsprechend ist davon auszugehen, dass sich die funktionierenden Geschäftsmodelle in diesem Kontext herausbilden werden.</p>
<p><strong>Books are for free..</strong></p>
<p>So stellt sich die Frage eventuell etwas anders. Man kann nämlich annehmen, dass getreu der von Chris Anderson in der Wired-Märzausgabe ausführlich dargelegten $0,00-Geschäftsmodelle, im E-Book-Bereich à la Ryanair-Geschäftsprinzip das Geld nicht mit der Kerndienstleistungen sondern den Dokumenten selbst verdient wird, sondern mit begleitenden Dienstleistungen. Solche Ansätze bieten sich hier, wo die Materialitätskosten vergleichsweise verschwindend gering sind, selbstredend an. Man versucht momentan viel in diesem Bereich und es wird interessant sein, zu beobachten, ob und wie die Wissenschaftsverlage mit Mehrwertdiensten reagieren, um z. B. der Open Access-Bewegung, die steigende Akzeptanz und Relevanz in der Wissenschaftskommunikation verzeichnet, zu begegnen.</p>
<p>Entschieden dürfte sein, dass es zukünftig im E-Book-Bereich mehr denn je um das geht, was um die Inhalte selbst an Dienstleistungen angeboten wird.<br />
<strong><br />
..aber Zugang und Rahmen kosten.</strong></p>
<p>Die kommerziellen Anbieter (Verlage) von Inhalten und die Bibliotheken nähern sich dabei insofern aneinander an, als es beiden darum gehen wird, den Zugang zu den Publikationen zu gestalten. Der kommerzielle Anbieter rechnet nicht mehr in Exemplaren und Auflagen sondern mit Abrufen und vielleicht mit verweisenden Dritten.</p>
<p>Bei ähnlichen Angeboten des Anbieters und der Bibliotheken besteht natürlich die Gefahr einer Art Indifferenz seitens der Nutzer. Er wird – nimmt man eine rein ökonomisch-rationale Grundlegung – den Titel dort beziehen, wo ihm die geringsten Nutzungskosten entstehen.</p>
<p>Das Ziel kommerzieller Anbieter ist es, einen möglichst regulierten Zugang einzuräumen, das Ziel der Bibliotheken traditionell einen weitgehend offenen. Allerdings sind Bibliotheken nicht gleichzeitig Hersteller sondern nur Vermittler von Titeln, insofern also von Anbietern abhängig.</p>
<p><strong>Exklusion.. </strong></p>
<p>Es ist daher zu erwarten, dass die kommerziellen Anbieter den Bibliotheken mit Nutzungskonditionen entgegentreten, die diese einerseits möglichst stark in der Kundenrolle hält und andererseits es ihnen schwer macht, möglichen individuellen Kunden Angebote zu unterbreiten, die diesem den Bezug eines E-Books über den Verlag attraktiver erscheinen lassen, als die kostenärmere Nutzung über die Bibliothek.</p>
<p>Die postulierte direkte Konkurrenzsituation, die in den Eingangsfragen durchschimmert, ist eigentlich keine, sind doch die Bibliotheken von den Anbietern abhängig, die Anbieter von der öffentlichen Bibliotheken nur bedingt.</p>
<p>Welche Rolle der traditionelle Buchhandel in einem solchen Szenario spielt, ist ein ganz eigenes Kapitel. Für den traditionell stationären Buchhandel bieten E-Books so gut wie keine Geschäftsgrundlage. Die Tortenstücke im Internetbuchhandel sind dagegen perspektivisch schon jetzt zuschreibbar, wobei Amazon mit seinem Kindle-Allroundsystem inklusive DTP-Plattform den Aspekt der Exklusion, hier anderer Marktteilnehmer, schon auf ein sehr hohes Niveau gebracht hat.<br />
<strong><br />
..und Mehrwertdienste</strong></p>
<p>Schaut man sich die Angebote bestimmter Akteure wie <em>Questia</em> an und hält man die oben ausgeführte Prämisse, dass in Zukunft das Geld nicht über Primärinhalte, sondern optionale Mehrwerte verdient wird, so erkennt man deutlich die Spuren des Web 2.0-Werkzeuge auch im Bereich der E-Book-Lösungen. Auf diesem Weg lässt sich z.B. die Annotation in im Vergleich zur Bleistiftnotiz deutlich verbesserter Form in entsprechende Dokumentumgebungen einbinden. Diese sind perspektivisch dann insgesamt vernetzbar und aus Social Bookmarking wird Social Annotation. Der Nutzer kann also mit dem E-Text im Rahmen der Funktionalität der Werkzeuge alles Mögliche tun, was die Textrezeption in seinem Sinne optimiert: Er kann zeichengenau Lesezeichen setzen, Unterstreichungen vornehmen und ebenso zeichengenau Randnotizen beifügen, die aber im Unterschied zum Printprodukt nicht durch die Materialität &#8211; d.h. den Seitenrand &#8211; in ihrem Umfang beschränkt sind. Die Perspektive ist eine über den eigentlichen Dokumenteninhalt gelegte hyptertextuelle Rezeptionsstruktur, die womöglich, manche sagen: sehr wahrscheinlich, die Vorstellung von dem, was ein publizierter Text sei, sukzessive verschiebt. Sicherlich bleibt –  ähnlich zur Musik –  die Ausgangskomposition ein maßgebliches Merkmal. Andererseits erlebt man bereits jetzt eine mitunter für die Diskurse kontraproduktive, da massiv Redundanzen und Rauschen erzeugende, Remix-Culture, die für eine aktive digitale Textrezeption eine fast zwingend nahe liegende Option darstellt.</p>
<p><strong>Wer macht was?</strong></p>
<p>Die Frage ist allerdings, wer entsprechende Werkzeuge entwickelt, pflegt und durchsetzt: Die Verlage, deren Kerngeschäft bislang eigentlich die Schritte bis zur Rezeption, also die Autoren- und Textakquise, das Lektorat, die Drucklegung, das Marketing etc., sind. Oder die Bibliotheken, die immerhin auch die Rolle des Rezeptionsortes übernehmen und daher auch in ihrer angedacht literaturvermittelten Funktion hier ein neues Kompetenzfeld entwickeln können. Oder dritte Akteure, die entsprechend Werkzeuge an Verlage, Buchhändler und Bibliotheken gleichermaßen zu verkaufen versuchen. Ungeklärt bleibt, inwieweit in den Bibliotheken die Rahmenmöglichkeiten zur Innovation gegeben sind, inwieweit es sich Bibliotheken leisten können, Lösungen einzukaufen oder selbst umzusetzen, wobei die erstere Variante mit anschließender Anpassung an die jeweiligen Bedingungen in der Regel die sinnvollere darstellt, selbst wenn der Markt momentan noch wenig auf diesem Gebiet hergibt.</p>
<p>In dem Bereich dieser Rahmendienstleistungen zur Lektüre eröffnet sich auch ein Feld, auf dem Bibliotheken, so sie dies denn wollen, in Konkurrenz zueinander treten können. Und zu den Verlagen ebenso.</p>
<p>Sollten wir tatsächlich ein solches Szenario Realität werden sehen, dann wird sich auch das erste Argument, das des Vorhandenseins eines Buches im Bestand, relativieren, es sei denn natürlich,  die Verlage verknappten gerade den Zugang für die Bibliotheken und während sie die Inhalte an Endkunden für sehr wenig Geld und mit der Hoffnung auf die Nutzung von Zusatzdienstleistungen vermitteln, erhalten Bibliotheken deutlich schlechtere Konditionen für die Weiternutzung der Inhalte. In einer solchen Situation sind dann für die Bibliotheken, so sie denn bestehen wollen, noch ganz andere Strategien notwendig und daher verwundert es nicht, wenn die Bibliothek 2.0-Bewegung mit dem „User Generated Content“ hier eine aufmerksame Zuhörerschaft findet.</p>
<p><strong>Downloadort Bibliothek</strong></p>
<p>Prinzipiell bieten E-Books aufgrund ihrer immateriellen Form den Bibliotheken die Möglichkeit, ein viel breiteres und vielfältigeres Titelangebot anzubieten, da nicht mehr in Regalmetern, sondern in Terrabyte zu planen ist, wobei 10 Terrabyte –  in jedem Fall im Verhältnis zum dort ablegbaren Inhalt – immer noch günstiger sein dürften, als 10 Meter Regal. Allerdings sind hier wiederum andere Betriebs- und Instandhaltungskosten und/oder Verbindungskosten zu berücksichtigen. Zudem zahlt der Nutzer, wenn er die virtuellen Angebote nutzt, gerade weil er es Downloaden kann.</p>
<p>Ein Download an sich mag nicht viel kosten, ist aber in jedem Fall nicht gratis, da der Nutzer bisher jedenfalls den Anschluss an die digitale Infrastruktur benötigt, der nicht gratis ist. Und für den Gegenwert eines Monats UMTS-Flatrate, die eigentlich keine ist, bekommt man durchaus einen Bibliotheksausweis für die Staatsbibliothek, und zwar für ein Jahr, und es bleibt immer noch genug Geld über, um sich ein oder zwei Titel von der Bestseller-Liste in der Printversion zu kaufen. Vielleicht werden also gerade die Infrastrukturanbieter im Bereich der E-Book-Vermittlung aktiv, denen es am Ende gleich ist, ob es Bibliotheksnutzer oder Buchhandelskunden sind, die den Download vornehmen. Wichtig ist für alle anbietenden Akteure, dass sie es viel und reichlich tun. Dies käme einem freien und offenen Zugang, wie er dem Bibliothekswesen wohl näher liegt, entgegen.</p>
<p><strong>Quo vadis?</strong></p>
<p>Man bewegt sich hier allerdings insgesamt auf dem dünnen Eis der Spekulation und gerade die eingangs zitierte Frage berücksichtigt die Gemengelage nicht in ihrer Gesamtkomplexität. Dennoch ist sie natürlich berechtigt. Womöglich muss man sie, nachdem die Verlage sie beantwortet haben, umgedreht stellen. Warum sollten die Nutzer einen Titel gratis bei der Bibliothek downloaden, wenn sie ihn ebenso gratis bei einem Verlag bekommen können und gegen  mehr oder weniger geringen Obolus und vielleicht ein paar Werbeeinblendungen auch ein paar großartige Werkzeuge zur Lektüre-Verwaltung. Und was macht man, wenn ein UMTS-Anbieter auf einmal einige zehntausend E-Book-Titel seinen Mobilfunkkunden gratis mitliefert? Damit wäre der Lektürebedarf bei einer gewissen attraktiven Auswahl für eine lange Zeit gedeckt und sowohl die Bibliotheken wie auch die Anbieter müssen Wege finden, um hier noch dazwischen zu stoßen.</p>
<p>So ist bislang wieder einmal mächtig unklar, welche Geschäftsmodelle sich am Ende als tragfähig erweisen. Die Bibliotheken sollten aber in jedem Fall dahingehend ein wenig wach sein, wobei ihnen die Bibliothekswissenschaft hoffentlich unter die Arme greift. Denn dafür ist sie schließlich da: Die gegenwärtige Situation in ihrer Komplexität zu erfassen, zu analysieren und perspektivisch Optionen zu formulieren, auf deren Grundlage praktische Schritte entwickelt werden. Und obendrein habe ich die Hoffnung nach wie vor nicht fahren lassen, dass Bibliothekswissenschaft und Bibliotheken durchaus selbst ein gewisses lenkendes Potential besitzen. Dies gilt gerade angesichts der allgemeinen Verunsicherung im Hinblick auf den Umgang mit elektronischen Publikationen. Denn in der Unsicherheit ist Expertise eine ziemlich mächtige Ressource.</p>
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		<title>Die Totmacher</title>
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		<pubDate>Fri, 16 Nov 2007 18:00:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ben</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bibliothek]]></category>
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		<category><![CDATA[Web 2.0]]></category>

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		<description><![CDATA[Eine Art Dekonstruktion zu Jens Renners Kommentar „Wer früher lehrt, ist später tot. Vom aufhaltsamen Ende der wissenschaftlichen Bibliotheken.“ (erschienen in: BuB 59 (2007) 11-12, S. 812-813.) [diesen Text als PDF]

Vorbemerkung
Als jemandem, dem sowohl konkret Bibliothek, Bibliothekswesen und Bibliothekswissenschaft, wie auch allgemein die Welt, in der wir leben und obendrein die Wechselwirkungen zwischen beiden am [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Eine Art Dekonstruktion zu Jens Renners Kommentar „Wer früher lehrt, ist später tot. Vom aufhaltsamen Ende der wissenschaftlichen Bibliotheken.“ (erschienen in: BuB 59 (2007) 11-12, S. 812-813.) </strong>[<a href="http://kontext.edublogs.org/files/2007/11/kommentar_16112007.pdf">diesen Text als PDF</a>]<strong><br />
</strong></p>
<p><strong>Vorbemerkung</strong></p>
<p>Als jemandem, dem sowohl konkret Bibliothek, Bibliothekswesen und Bibliothekswissenschaft, wie auch allgemein die Welt, in der wir leben und obendrein die Wechselwirkungen zwischen beiden am Herz liegen, verspüre ich in letzter Zeit ein Unbehagen angesichts eines Teiles des Diskurses zu den Themen, die für mich maßgeblich Reflexions-Agenda stehen.</p>
<p>Das kann an mir liegen und daran, dass es mir nicht gelingt, eine entsprechend beruhigende Affirmation aufzubauen. Aber andererseits denke ich auch, dass ein sachbezogener Diskurs durchaus auch eine Gegenrede nicht nur aushält, sondern geradezu benötigt. Auch heute möchte ich „gegenreden“ – bzw. gegenschreiben – und das Medium Weblog bietet sich geradezu dafür an, zumal man hier auch noch absatzgenau gegen die Gegenrede halten kann. Es wäre sehr schön, wenn diese schmucke Innovation, die bislang eindeutig auf Kosten des angenehmen Äußeren geht, noch intensiver genutzt wird. Manches mag vielleicht überzogen klingen, aber ich bin der Auffassung, dass man der Phrase nur mit ihrer Umkehrung und Ironisierung beikommen kann.</p>
<p>Worum es mir also geht, ist das von mir wahrgenommene Phänomen eines Umgangs mit Themen, die mir wichtig sind und von denen ich als Bibliothekswissenschaftler wenigstens theoretisch etwas zu verstehen glaube, welcher sich zu einem leider sehr großen Anteil auf rhetorische Scharmützel mit Allgemeinplätzen beschränkt hinsichtlich der Frage, welche und wie viel Substanz sich dahinter verbirgt, dekonstruierend zu durchzusieben. Dies, verbunden mit dem Interesse an einem reflexiven Diskurs, steht hinter diesem kleinen Weblog-Eintrag.</p>
<p><strong>Die Fame Generation</strong></p>
<blockquote><p>„Die Vermutung liegt nahe, dass es sich mit der Blogosphäre ähnlich verhält wie mit den allmählich abklingenden Reality-Shows, die nichts mit der Wirklichkeit und alles mit Exhibitionismus zu tun haben, dass nämlich vor allem jene, die mit ihrem Privatleben nichts anfangen können, sich ins Informationsmeer stürzen.“ – Felicitas von Lovenberg: Und wann steigen Sie aus? In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 10.11.2007, Nr. 262, S. Z1-Z2</p></blockquote>
<p>Ich blogge, also bin ich. Und zwar Teil der „fame generation“, wie die Guardian-Kolumnistin Marina Hyde in ihrem Dreispalter in der letzten Samstagausgabe des britischen “Quality Papers“ titelt. Exhibitionistisch, „pooterisch“ und einer dieser jungen Menschen, – „broadcasting who I am“ – die sich nachhaltig mit ihrem „inneren Monolog“ um Kopf und Kragen schreiben, da die Personalchefs genauso wie die Geheimdienste Persönlichkeitsprofile aus Google-Resultaten ermitteln. Man glaubt fast nicht an Zufall, dass am vergangenen Wochenende einerseits in der „Bilder und Zeiten“-Beilage der Frankfurter Allgemeinen Zeitung Felicitas von Lovenberg eine argumentativ außergewöhnlich bodenlose Ode an die Webverweigerung publizieren durfte („Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis nicht nur die soziale Enklave, sondern gerade auch die digitale Abschottung vom Bewusstseinsstrom der Banalität überlebensnotwendig für jeden werden wird, der kreativ oder schlicht geistig gesund bleiben will.“) und andererseits im Guardian Marina Hyde die Peinlichkeit des geäußerten, inneren Monologs geißelt. Die vier Millionen britischen Blogger (sh. <a href="http://www.guardian.co.uk/technology/2007/nov/09/blogging.socialnetworking">auch</a>) wissen nicht, was sie tun, ihre deutschen Kollegen gleichermaßen, so der Eindruck nach der Lektüre des Textes von Felicitas von Lovenberg, und entäußern ihre Persönlichkeit (und <em>Privacy</em>) den 15 oder auch mehr Minuten „Fame“ bar jedes Blickes für mögliche Konsequenzen.</p>
<p>Und natürlich: „Ein Leben für den Fame“, wie es der Prenzlauer Berg-Rapper V-Mann näher am Leben als alle Hydes und von Lovenbergs auf den Qualitätspressebällen dieser Welt es beschreiben könnten, in einem kleinen Raptrack zusammenreimt, das bedeutet, wenn Ruhm gesellschaftlich wertvoll sein soll, erst einmal Schweiß und Tränen und vielleicht auch Blut fließen: „Watch the audition rounds of any television talent show, and it seems as if an entire generation now believes fame to be a basic human right.“ Warum eigentlich nicht.</p>
<p>Marina Hyde freut sich sicherlich auch, ihr Gesicht im Guardian zu sehen und auch bei Felicitas von Lovenberg (und anderen Deutungseliten) geht des Öfteren die Substanz merklich vor der Tinte aus. Auch dem sich selbst gern beschwörenden „Qualitätsjournalismus“ à la FAZ  könnte man locker eine Art „Schwarzblog“ zur Seite stellen, wie es die Bildblogger zum großen Pendant auf dem Boulevard tun. Die Frequenz des Zeilenfüllens um jeden Preis ist vielleicht nicht ganz so hoch und man muss den dekonstruierenden Diskursschlüssel meist feiner justieren, aber dass nicht jeder Artikel einem Feuerwerk der Sachkenntnis gleichkommt, merkt man überraschend häufig. Indes: Stilistisch bleibt es meist stabil und somit die gute Form gewahrt. Und zugegeben: den Freizeitkolumnisten der Blogosphäre entgleiten nachweisbar um Potenzen häufiger sowohl Form wie Schreibstil.</p>
<p>Gerade aus diesem Grund verwundert es zutiefst, wieso sich die Kommentatoren von Presseerzeugnissen, die Weltniveau als Aushängeschild ihre Zeitungen beschwören, immer wieder in grob undifferenzierter Art und Weise und manchmal fast hysterisch bemühen, über Blogger und der vermeintlich nach Fame-gierenden Masse des Web 2.0 den Stab zu brechen und dabei zu verkennen, dass gerade die, die sie zu treffen versuchen, sie gar nicht wahrnehmen. Man kann zwar, wenn man Watzlawick glaubt, nicht „nicht“ kommunizieren, aber durchaus in großer Entfernung aneinander vorbei.</p>
<p>Die Wikipedia ist die Wikipedia und kein Brockhaus und keine Britannica und ein Weblog ist keine Tageszeitung, sondern ein Werkzeug, das sich für alles Mögliche gebrauchen lässt, allerdings nicht, um mir die Tageszeitung zu ersetzen. Denn im Gegensatz zu den meisten Weblogs ist das Medium „Tagespresse“ von der Erscheinungsweise bis hin zum Tenor der Beiträge halbwegs berechenbar. Das WWW und die Blogosphäre sind mächtig gestreut, was ihren Reiz ausmacht, von mir als Informationsrezipient oft, aber nicht immer gewünscht ist. Manchmal sehnt sich der Mensch auch nach Begrenztheit und Bündelung, d.h. also nicht nach Hypertext und permanenten Datenstrom im RSS-Feed. Der zweite Vorteil der Tageszeitung liegt buchstäblich auf der Hand: sie ist ausgedruckt und schön gefaltet und auch offline &#8211; sogar in der Badewanne &#8211; lesbar, man kann sich etwas anstreichen, ausschneiden, ins Tagebuch kleben oder dem Kollegen auf den Schreibtisch legen und man sieht materiell konkretisiert an dem Stapel neben dem Sofa, wohindurch man sich gerade gelesen hat.</p>
<p><strong>Kampf den Blogwindmühlen</strong></p>
<p>Aus irgendeinem Grund reagiert das alte Medium Zeitung dennoch oft wie ein bedrohtes Tier und zeichnet gar düstere Visionen der Kids da draußen, die ihren Lieblingsfilm und ihre Lieblingsmusik und manchmal gar ihre Lieblingswochenendausschweifung ganz offen auf der Suche nach fälschlicherweise „Freunde“ genannten Identitätslinks zu anderen Nutzern bekannt geben. Das Feuilleton wundert sich, als hätte es noch nie etwas von Pierre Bourdieu und symbolischen und kulturellen Kapital bzw. dem Habitus-Konzept gehört, wobei sich all das irgendwie nachvollziehbar im WWW neue  Bahnen bricht.</p>
<p>So schlingert der mehr oder weniger selbst beschworene Qualitätsjournalismus beinahe regelmäßig und immer dann, wenn es um Phänomene geht, denen sich Kolumnisten und Feuilletonisten erfahrungsarm gegenüber sehen, an seine Qualitätslimits. Anwendungen der Sozialen Software gehören eigenartigerweise zu diesen schwierigen Themen. Das ist bedauerlich, denn natürlich finden sich in den Druckzeilen, hinter denen sich (fast) immer ein kluger Kopf zu verbergen scheint, auch eine Reihe von das virtuelle Kommunikationserleben betreffenden Phänomenen, die einer sachlichen sowie lebendigen öffentlichen Diskussion bedürfen. Der Aspekt der „Privacy“ gehört ganz sicher dazu. Nur leider verschüttet man diese Ansatzpunkte dann gleich wieder unglücklich mit banalen Pauschalisierungen und Untergangsszenarien, dass einem um die FAZ und andere tatsächlich bange werden muss. Der Feind sitzt allerdings nicht irgendwo im WWW, sondern im eigenen Blatt bzw. Kopf. Statt z.B. auf  eine (sozial)wissenschaftlich fundierte Basis zu warten und die Leser mit soliden Reflektionen zu versorgen, formuliert man Doppelseiten füllend eine dürftige Paraphrase von Andrew Keens „Cult of the Amateur“ herunter und bastelt sich aus dem Halbwissen der Nichtnutzer die Halbwahrheit über ein mediales und soziales Phänomen, die alles in einer Form über den feuilletonistischen Fabulierkamm schert, der prima ins Konzept einer sich – warum auch immer – in die Ecke gedrängt fühlenden Zunft darstellt.</p>
<p><strong>Das Ende der Bibliotheken</strong></p>
<p>Was die zitierten Vertreterinnen des Qualitätsjournalismus an die Haustür des potentiell wankelmütigen Abonnenten zu tragen gedenken, spielt rhetorisch mit einem Endzeitszenario, wie wir es leider – wenn auch mit anderen Vorzeichen – nicht selten im Bibliothekswesen hinnehmen müssen. Ein besonders unangenehmes Beispiel ist dabei der Kommentar von Jens Renner in der aktuellen Ausgabe der BuB. (Renner, Jens: Wer früher lehrt, ist später tot. Vom aufhaltsamen Ende der wissenschaftlichen Bibliotheken. In: BuB 11/12 (2007) S. 812-813)</p>
<p>Jens Renner ist kein Journalist, sondern Diplom-Bibliothekar von Ausbildung, Leiter einer wissenschaftlichen Bibliothek von Beruf und stellvertretender Vorsitzender des BIB im Ehrenamt. Wenn sich also jemand in den aktuellen Entwicklungen des Bibliothekswesens auskennt, dann muss er es sein. Umso erschreckender ist sein Entwurf der deutschen Bibliothekslandschaft. Als Ausgangspunkt für seinen Kommentar zum „aufhaltsamen Ende der wissenschaftlichen Bibliotheken“ greift er auf das Zitat eines Nicht-Bibliotheksexperten zurück, was durchhaus sinnvoll ist, zeigt sich hier doch, wie die Außenwelt auf den offensichtlich wankenden Korpus des deutschen Bibliothekswesens blickt. Peter Weibel – so heißt der Stichwortgeber und gleichzeitig Vorstand des ZKM – geht davon aus, dass Bibliotheken „nur als virtuelle Dienstleistungen überleben“. Und die Bibliotheken glauben es ihm anscheinend.</p>
<p>Fassen wir also kurz den Einstieg in Renners Kommentar zusammen, damit deutlich wird, worum es geht: Es droht nichts Geringeres als das „Ende“, Bibliotheken werden überleben, aber nicht mehr als Häuser – wenn überhaupt, denn „am Ende könnten auch die Bibliotheken den Weg alles Irdischen gehen“ und damit uns das Abendland bzw. sein bibliothekarisches Erbe verloren. „Na und?“, mag man da sagen. Das <em>Long Tail</em> wird wohl eine oder zwei übrig lassen. Schließlich fahren wir Taxi und dennoch stehen in Wien am Heldenplatz die Fiaker fast wie ehedem. Zugegeben: einem überzeugten Bibliothekar langt diese nostalgische Nische nicht und für die Wissenschaft und ihre Kommunikation ist dies momentan jedenfalls ebenso keine akzeptable Option. Aber welche Ursachen stehen hinter dem beschriebenen Nahtoderleben?</p>
<p><strong>Wir (bzw) sie virtualisieren uns zu Tode</strong></p>
<p>Renner beschwört die fortrasende Virtualisierung, welche die wissenschaftlichen Bibliotheken gleich Lemmingen dem todbringenden Abgrund entgegenhetzt. Doch bevor wir alle Hoffnung fahren lassen, sind wir unseres Schicksals Lenker und können den Untergang aufhalten. Die Lösung heißt dieses Mal – nicht ganz überraschend passend zum Themenheft – „Teaching Library“. So auch der Haupttitel des Kommentars: „Wer früher lehrt, ist später tot.“ Sterben aber, so impliziert Renner, müssen wir in jedem Fall. Nur der Zeitpunkt, den können wir hinauszögern. Zum Beispiel, in dem wir Bibliothekswissen in die Curricula der Bachelorstudiengänge einbringen.</p>
<p>Man hätte natürlich auch weniger fatalistisch und ohne den pathetischen Endzeitschwulst formulieren können: ’Die Digitalisierung von Inhalten und die Möglichkeit der Virtualisierung von Kommunikationsprozessen bieten den Bibliotheken andere, nicht traditionelle Wirkungsmöglichkeiten, die es ihnen ermöglicht ihr Spektrum an Vermittlungsformen von Literatur bzw. wissenschaftlichen Inhalten maßgeblich zu erweitern. Damit können sie ihre Funktion (Sammeln, Schließen und Verfügbarmachen inklusive Vermitteln von Inhalten) noch besser auf die Bedürfnisse ihrer Nutzer abgestimmt ausüben. Zudem kann man die Kommunikationstechnologien des Web 2.0 genauso wie Präsenzveranstaltungen für einen Dialog mit der Zielgruppe der Studierenden nutzen, idealerweise integriert in die Studienprogramme.’</p>
<p>Anscheinend geht Jens Renner aber davon aus, dass solch ein Positivszenario den Nerv seiner Adressaten nicht trifft und malt den Teufel in Gestalt eines aggressiven Unterhaltsträgers an die Wand und stellt sich und seine Berufskollegen dagegen prophylaktisch schon einmal in die Ecke des bitteren Klischees, dass alles vor der abgenudelten Kulisse des unbegreifbaren Dritten, der Über-Konkurrenz aus den Santa Cruz Mountains:</p>
<blockquote><p>“Was tun, wenn der letzte Datensatz fremdübernommen, der letzte Aufsatz lizensiert und das letzte Buch von Google eingescannt ist? Unsere Unterhaltsträger werden dann einen Grund brauchen, die Bibliotheken nicht aufzugeben oder austrocknen zu lassen. Die Schönheit und Reinheit des Katalognachweises mag unsere Herzen zu entflammen vermögen, aber den Rektor der Präsidenten einer Hochschule interessiert es nicht.“</p></blockquote>
<p>Und hat es nie interessiert, dies übrigens zu recht, denn der funktionalen Arbeitsteilung der Hochschulverwaltung wohnt schlichtweg inne, dass der Bibliothekar seinen Beitrag zum Funktionieren des Gesamtsystems seinem Aufgabenspektrum entsprechend leistet. Die tadellose Titelaufnahme gehört dazu. Die entflammenden Herzen waren dabei vermutlich schon immer ein Privatvergnügen, das mit der Aufgabe an sich nicht viel zu tun hat. Zudem stolpert Renner hier langfristig über die Stilblütenwiese, denn etwas später schreibt er: „Wofür der Bibliothekar nicht glüht, dafür wird sich der Finanzier nicht erwärmen.“ Wie denn nun: Soll er brennen oder soll er nicht?</p>
<p>Was das ach so übermächtige Google angeht, wird es sich, wenn es das letzte Buch gescannt hat, zunächst einmal die zahllosen Fehldigitalisierungen vornehmen müssen und eine Reihe von Titeln noch einmal angehen. Ob und wie das gedruckte Werk – auch im Bibliotheksregal – damit obsolet wird, kann man m. E. heute noch nicht absehen. Immerhin verkauft auch Amazon noch etliche Bücher in materieller Form, die man bequem auf der Amazon-Webseite „volltextdurchsuchen“ und häufig auch Blättern kann. Mein persönliches Kaufverhalten jedenfalls wird dadurch eher angeregt und je mehr die Menschen sehen, dass Offline-Zeit auch eine besondere Qualität besitzt – und zahllose Kolumnen in der Qualitäts- und anderer Presse aus den letzten drei, vier Jahren weisen auf das Umsichgreifen dieser Erkenntnis hin – desto öfter werden sie womöglich auch wieder etwas aus Papier zur Hand nehmen.</p>
<p>Die Lehre aus der Individualisierung der Lebensstile liegt nun mal in einem Verhaltenspluralismus, der sich vom entweder (gedruckt) oder (digital) zugunsten eines “sowohl als auch“ verlagert. Dass man als Bibliothek diese Entwicklung gestalten kann, kommt Jens Renner in seinem Kommentar nicht in den Sinn. Er hält es mit Klischees bibliothekarischer Arbeit, die vermutlich selbst der Feuilletonchef der FAZ seinen Feuilletonisten als zu einseitig rot anstreichen würde:</p>
<blockquote><p> „Niemand weiß also, was wir letzten Sommer getan haben.“</p></blockquote>
<p>Wir hoffen für die Hochschulbibliothek und Hochschule in Ansbach, dass hier Renner nur rhetorisch die Pferde durchgehen. Selbstverständlich gibt es in Hochschulverwaltungen mitunter die Position zu hören, dass nicht ganz eindeutig ist, warum die Bibliothek sehr viel Geld benötigt, um optimal ihre Aufgabe zu erfüllen. Und manchmal scheint gar ihre Aufgabe nicht eindeutig bekannt. Dass hier aber statt einer Selbstbezichtigung, die sich leider mehr oder weniger deutlich durch den Text zieht, fehl am Platze ist und man eigentlich auf ein in diesem Fall Verfehlen der Aufgabe durch die Hochschulleitungen und Unterhaltsträger hinweisen müsste, wird nicht geschlussfolgert. Denn – so müsste man annehmen – ist es die Aufgabe einer guten Führungsetage, dass sie über Funktion und Funktionsgüte der ihnen unterstellten Teilinstitutionen, d.h. also auch der Hochschulbibliotheken, im Bilde ist. Sollte einer Hochschulleitung also über Nacht wirklich auf einmal durch den Kopf schießen, dass ihre Bibliothek ein – wie Renner semantisch etwas unsauber schreibt – „Kostentreiber“ ist, oder ein, da es ohne Aufwand nicht geht, in jedem Fall zutreffender „Aufwandsverursacher“, und sie in Staunen versetzen, dann deutete dies auch irgendwie darauf hin, dass sie – die Leitung – ihr Handwerk nicht ganz nach Pflichtenheft versieht und daher nicht weiß, was im eigenen Hause vor sich geht.</p>
<p><strong>Die Bibliothek in der Dauerwerbesendung</strong></p>
<p>Die transportierte Befürchtung, dass eine Hochschulleitung leichtfertig ihre Bibliothek zusperrt, entspringt obendrein einer trivialen Vorstellung von Betriebswirtschaft, denn selbst wenn die Bibliothek suboptimal arbeitet, stellt sie doch einen Wert dar, den man lieber erst einmal sinnvoll zu nutzen versucht, als ihn einfach wegzuwerfen. Zudem sprechen mindestens zwei Gründe gegen eine derartige Geringschätzung der Bibliotheken durch ihre Mutterhochschulen: Einerseits wurden und werden diverse, z. T. enorm teure und repräsentationsorientierte Bibliotheksneubauten in die Campuslandschaften gebaut und zum anderen besitzen die großen „Leuchtturmuniversitäten“ der Ivy-League durchweg exzellente Bibliothekssysteme. Hier den Sonderweg zu gehen und Eliteuniversitäten ohne Bibliotheken heranzüchten zu wollen, ist der deutschen Hochschulpolitik nun wirklich nicht zuzutrauen. In das aktuelle Idealbild des Hochschulwesens ist die Bibliothek elementar eingebettet. Das „werbend für uns selbst eintreten“, welches Jens Renner als Losung der Stunde ausruft, könnte hier einen prima Ansatzpunkt finden.Die Betonung dieser Grundsätzlichkeit scheint in den offenbar auf große Vorbilder orientierten Universitätsleitungen in jedem Fall sinnvoller, als ihnen in einer falsch verstandenen Übernahme des Vokabulars der Unternehmenswelt einzureden, sie müssten sich als „Shareholder“ sehen.</p>
<p>Und auch innerhalb der Bibliothek wirkt die Radikalkur eher verunsichernd. Gleiches dürfte für den leider auch bei Renner deutlich werdenden Griff in die Anglizismenkiste gelten, der überflüssigerweise aus Zugang „Access“ und aus Inhalt „Content“ macht. Wer sich auch terminologisch so verwässert und damit auch die eigene Identität zur Disposition stellt, muss sich nicht wundern, wenn auf einmal ominöse „Mitbewerber um Geld und Ansehen“ auf den Plan treten, die „ihren Wert [zu] artikulieren wissen“.</p>
<p>Die Bibliothek wird jedenfalls nicht wertvoller, wenn sie bis in die Service-Point-Sprache versucht, genau wie diese Mitbewerber auszusehen – denn dann wird sie tatsächlich verwechsel- und austauschbar. Zudem wüsste man natürlich gern, welche feindliche Armada Renner konkret im Sturmritt auf die Bastion der Literaturversorgung zu galoppieren sieht. Dafür, dass sie sich nicht von der Verkaufsrhetorik der Wissenschaftsverlage kirre machen lassen, sollten die wissenschaftlichen Bibliotheken abgeklärt genug sein. Wie man Kunden gewinnt, hält und kontrolliert, können sie übrigens zumeist in den entsprechenden Sachgruppen ihres eigenen Bestandes nachlesen.</p>
<p><strong>Studierende: Der Rohstoff der Bibliotheken</strong></p>
<p>Die aktuellen Studierendengeneration dagegen scheint dies nicht mehr so richtig zu können – oder zu wollen. Das Bild, welches Renner von heutigen Hochschülern (bzw. in seiner Diktion: vom „nachhaltig nachwachsenden Rohstoff Studierende“) zeichnet, ist jedenfalls düster und wenn dies auf die FH Ansbach tatsächlich derart zutrifft, sollte sich die dortige Fachkoordination einmal zum Krisengipfel treffen und die Curricula umstellen:</p>
<blockquote><p>“Es mag besonders motivierte Studierende geben. Ganz sicher aber gibt es viele nicht ganz so leistungsbereite Studierende, die sehr klug und zielgerichtet das Prüfungswissen punktgenau bereitstellen. Nicht weniger. Selten mehr.“</p></blockquote>
<p>Im Anschluss wird wieder der üblich „Google-Hupf“ [sic!] beschworen und beklagt, dass man damit auch durchkommt. Wenn dies tatsächlich ausreicht, wird die Hyde’sche „fame generation“ allerdings auch nicht die „hilfsbereiten, empathischen und aus Steuermitteln halbwegs auskömmlich finanzierten Experten“ annehmen. Nebenbei: Was interessiert das dritte Merkmal eigentlich die Studierenden? Würden sie noch mehr Hilfsbereitschaft und Empathie einfordern, wenn sie beispielsweise über Studiengebühren die Bibliotheksmitarbeiter direkt finanzierten?</p>
<p>Dass Bibliotheken didaktisch aufbereitete Tutorials anbieten, ist ein willkommener, notwendiger und eigentlich auch selbstverständlicher Dienst. Ob sich daraus jedoch der Rettungsanker, wäre denn die Not so groß wie behauptet, schmieden ließe, bleibt fraglich.</p>
<p>Überraschenderweise nimmt Renner jedoch genau dies und nicht etwa die funktionsgebende Verpflichtung, optimale Dienstleistungen anzubieten, als Auslöser für einen Staffettenlauf des Marketingvokabulars gen Selbsterhaltung, der mitunter fast wie Satire klingt:</p>
<blockquote><p> “Eine curricular eingebundene Lehrveranstaltung „Wissenschaftliches Arbeiten“ ist eine Dauerwerbesendung, besser noch: ein interaktiver Werbedialog für die Leistungen der Bibliothek. Daran lassen sich weitere Kundenbindungsmaßnahmen anschließen, etwa ein Diplomanden-vier-Augen-Service.“</p></blockquote>
<p>Dauerwerbesendung? Interaktiver Werbedialog? Rufen sie jetzt an, gleich schlägt der Hot-Button zu? „Vier-Augen-Service“? Eine Stichelei gegen Brillenträger? Marketing schön und gut – aber man sollte vielleicht in der Wortwahl die Nähe zum Produkt und auch zur Zielgruppe suchen. Für eine wissenschaftliche Zielgruppe darf es ruhig ein wenig weniger phrasenhaft klingen und selbst Studierende fühlen sich wohler, wenn sie das Gefühl haben, dass die Leute wissen, wovon sie sprechen. Das zitierte Klangfeuerwerk verunsichert dagegen nicht wenig, wobei es spannend wäre, zu sehen, wie Studierende aus dem Bereich „Marketing“ auf so etwas reagieren:</p>
<blockquote><p>„Eine Lehrveranstaltung ist Bibliotheksmarketing direkt am Kunden, den erst die drohende Klausur motiviert, bald aber die charismatische und interaktiv aktivierende Wissensshow der Bibliothekarin völlig begeistert.“</p></blockquote>
<p>Das muss sich erst einmal setzen: „charismatische, interaktiv aktivierende Wissensshow der Bibliothekarin“. Was muss man sich hier vorstellen? Ein Nummerngirl mit Gnadengabe? Ein Entertainmentmodell mit Ratequiz? Die Verführung des Toren mittels des Apfels der Weisheit in „eine neue Welt, die er zugleich kritisch zu reflektieren lernt.“ Das ewig Weibliche (natürlich) zieht den faulen Studenten mit seinen Reizen hinan und hinein in die schillernde Welt des Bibliotheksbestands, damit nachher keiner der „Shareholder“ sagen kann, man wäre nicht ganz nah dran an der Zielgruppe. Dies alles wird eingekleidet in ein verbrämtes Aufklärertum, das so ein bisschen noch moralischen Zielen folgt, aber eigentlich nur neue Ernährer heranzieht, die im Gegensatz zu den heutigen, die Bibliothek zu schätzen wissen:</p>
<blockquote><p>“Die co-finanzierenden Kunden, in die Rolle eines neuen Entscheiders aufgerückt, werden interessiert, informiert und überzeugt von der Sinnhaftigkeit der Bibliotheksinstanz“.</p></blockquote>
<p>Mit Charisma und Wissensshow. Wer wird Professor…</p>
<p>Ganz zu recht fragt Jens Renner, „Fürchten wir uns ein wenig davor?“ Bei prickelnden Sätzen wie „Sex up your library service“ ist die Furcht nicht nur „ein wenig“, sondern gewaltig, sofern man davon ausgeht, dass Bibliothekare auch in Zukunft solid und seriös Informationen vermitteln und wissenschaftliche Kommunikation unterstützen sollen, was wohl ganz zurecht nicht in die Kategorie „cooler Fun-Job“ à la Bademeister in St. Peter-Ording oder Projektentwickler beim StudiVZ passt. Das „neue und positive Licht“, welches Renner erstrahlen lassen will, wird den Bibliothekaren dann aufgehen, wenn sie sich „aus der Masse von Werbemüll [vergleiche: „…ist eine Dauerwerbesendung“] und ungeprüfter Behauptung die Rosinen picken können.“ Dazu zählt u.a. auch das Hinterfragen von Nachsätzen wie</p>
<blockquote><p>„Wir sind es, die diese Rosinen in Rum einlegen helfen und daraus schmackhaften Kuchen zu machen [sic!], wir können elegante Tipps für eine geschmeidige schriftliche Arbeit geben.“</p></blockquote>
<p><strong>Die Sorge ums Selbst</strong></p>
<p>Vielleicht bin ich mit meinen Wissenschaftsidealen ein Ewiggestriger, vielleicht auch nur humorlos. Aber für mich, der ich durchaus einer fröhlichen Wissenschaft etwas abgewinnen kann, ist die Aussicht auf eine Promotionsverteidigung als – wenn auch übertragen gemeint – von der Hochschulbibliothek beförderte Tortenschlacht ein Sahnhäubchen zuviel. Wer auf „Ideen wie Peer-Review“ als „Qualitätssicherung“ der Wissensbasis des Nutzers hinweist und betont</p>
<blockquote><p>„Er wird erst dann wissenschaftlich geprüfte Quellen suchen und andere unbeachtet am Wegrand zurücklassen, wenn ihm der Unterschied zwischen beiden Welten verständlich wurde“</p></blockquote>
<p>und gleichzeitig derart Phrasen plakatiert, zeigt leider deutlich, in welche der beiden Welten er sich manövriert. Das kann man natürlich machen und man kann den Studierenden auch dem Zeitgeist gemäß unterstellen, sie interessierten sich nicht für Wissenschaft und Bibliothek, wobei die Umsetzung des Bologna-Prozesses mit seinen Effektivstudiengängen im Gegensatz zu erkenntnisorientierten Programmen ein nicht zu kleines Schärflein zu solchen Zerrbildern beiträgt. Aber man sollte nicht die Gesamtheit der Fach- und Berufskollegen mit derartigen Droh- und Rettungsszenarien zum Folgen auffordern. Die Hochschulautonomie, Google und &#8220;<em>Web’n’Walk&#8221;</em> als „unterminierende Faktoren“ zu bezeichnen, ist schon ein deutliches Symptom für eine gewisse Ratlosigkeit, die in der entlarvend unterwürfigen Aussage resultiert:</p>
<blockquote><p>“Wir tun unseren Entscheidern und Kunden etwas Gutes – damit sie uns nichts Böses tun.“</p></blockquote>
<p>die sich mit einer ungeheuerlichen Selbstüberschätzung verbindet:</p>
<blockquote><p>“Demokratisierende und oft inhaltlich verflachende soziale Welten a la Web 2.0 machen diese Erkenntnis [dass es zwei Welten gibt, nämlich die der bibliothekarischen Qualitätsinformation und den Rest] noch deutlicher.“</p></blockquote>
<p>Hier treffen sich der Qualitätsjournalismus der Felicitas von Lovenberg und die Überlebensstrategie der wissenschaftlichen Bibliotheken, wie sie Jens Renner sieht, wieder. Und so wie man dennoch manchmal die FAZ, den Guardian oder die New York Times liest, da dort nach wie vor auch Autoren Raum finden, die die Darstellung eines Themas auf hohem Niveau beherrschen, wird man auch das Prinzip der Teaching Library begrüßen, dass, wie u.a.auch andere Beiträge dieses BuB-Heftes zeigen, mehr sein kann, als ein aus eine irrationalen Furcht entspringendes Rhetorikhülsengeklapper mit dem einzigen – trivialdarwinistisch angehauchten – Ziel der Selbsterhaltung um jeden Preis.</p>
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		<title>Stadtraum, Stadtpark, Stadtbibliothek &#8211; eine Handvoll Überlegungen zur öffentlichen Bibliothek</title>
		<link>http://kontext.edublogs.org/2007/10/25/stadtraum-stadtpark-stadtbibliothek-ein-paar-kurze-uberlegungen-zur-offentlichen-bibliothek/</link>
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		<pubDate>Thu, 25 Oct 2007 10:40:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ben</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bibliothek]]></category>
		<category><![CDATA[Kundenorientierung]]></category>
		<category><![CDATA[Library 2.0]]></category>

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		<description><![CDATA[Eigentlich wollte ich nur aus einem Nebeninteresse heraus ein wenig in einem Aufsatz „zur Ökonomie der Stadtparkkultur“ blättern. (Axel Ostmann; Joachim Vogt: Ökonomie der Stadtparkultur. In: Zeitschrift für Sozialmanagement. 2 (2) November 2004, S. 97-121)
Einige Passagen lassen jedoch Parallelen zwischen &#8220;Stadtgrün&#8221; und öffentlichem Bibliothekswesen aufscheinen, die ich für festhaltenswert erachte.
So liest man:
„Stadtparks verursachen Kosten. Wäre [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Eigentlich wollte ich nur aus einem Nebeninteresse heraus ein wenig in einem Aufsatz „zur Ökonomie der Stadtparkkultur“ blättern. <font size="1">(Axel Ostmann; Joachim Vogt: Ökonomie der Stadtparkultur. In: Zeitschrift für Sozialmanagement. 2 (2) November 2004, S. 97-121)</font></p>
<p>Einige Passagen lassen jedoch Parallelen zwischen &#8220;Stadtgrün&#8221; und öffentlichem Bibliothekswesen aufscheinen, die ich für festhaltenswert erachte.</p>
<p>So liest man:</p>
<blockquote><p>„Stadtparks verursachen Kosten. Wäre ein Stadtpark ein privates, marktfähiges Gut, so wäre es wirtschaftlich, so viel davon zu produzieren, dass der Gewinn, also Erlöse minus Kosten möglichst groß wird Da ein Stadtpark jedoch ein nicht marktfähiges Kollektivgut ist, können wir die Nachfrage nur indirekt erschließen sehen keinen geldwerten Gewinn. Nun ist eine Stadt auch kein Wirtschaftsbetrieb, und schon ihr sozialer und kultureller Auftrag verbietet kostendeckende Eintrittsgelder für Stadtparks. Die Stadt gehört den Bürgern, also auch ihr Kapital und dazu gehört der Stadtpark.“ (S.118)</p></blockquote>
<p>Man kann m.E. in diesen Zeilen das Wort „Stadtpark“ durch das Wort „(Stadt)Bibliothek“ ersetzen, ohne in allzu große argumentative Probleme zu geraten</p>
<p>Immerhin ist &#8211; trotz allem Bemühens weiter Zweige der Bibliothekstheorie der letzten Jahre, öffentliche Bibliotheken als „marktfähiges Gut“ mit „erschließbarer Nachfrage“ zu sehen und entsprechend mit Schlagwörtern wie Kundenbindung (mitunter sogar im Wettbewerb  mit „Google“) und Kosten-Leistungsrechnung „Diensleistungen als Überlebenschance“ zu entwickeln – der Status der öffentlichen Bibliothek als Kollektivgut bislang kaum in Frage gestellt worden.</p>
<p>„Kollektivgut“ meint dabei im Anschluss an den Ökonomen Mancur Olson (<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Mancur_Olson">Eintrag in der Wikipedia</a>)  ein Gut, „das den anderen … praktisch nicht vorenthalten werden kann“. (S. 98) Der Stadtpark ist eine Leistung der „kommunalen Daseinsvorsorge“, weshalb sich „ein Ausschluss von Bürgern der Stadt verbietet“.</p>
<p>Dies gilt hoffentlich auch für die Stadtbibliothek, deren Name sie bereits direkt als Institut für Stadtöffentlichkeit ausweist. Auch wenn öffentliche Bibliotheken, anders als die häufig als fixiert empfundenen Parkanlagen, in Hinblick auf eine mögliche direkte Gestaltungsinteraktion mit dem Bürger bevorteilt erscheinen, hat man auch bei diesen den Eindruck, dass &#8220;die Anerkennung eines positiven Gestaltungsrechtes bei Kollektivgütern&#8221; durch die Bürger auch dort lange Zeit nicht in jedem Fall zum Selbstverständnis gehörte.<br />
Hinter dem Konzept der &#8220;Bibliothek 2.0&#8243; verbirgt sich in gewisser Weise ein Versuch, an dieser Stelle konkrete Möglichkeiten zu entwickeln. Die massiv propagierte &#8220;Kundenorientierung&#8221; der letzten 10 bis 15 Jahre war ein anderer Ansatz, &#8220;die Bürger als Souveräne zu akzeptieren&#8221;. Allerdings verfehlte der Versuch das &#8220;der Kunde ist König&#8221;-Prinzip, also der &#8220;Konsumentensouveränität&#8221;, den eigentlichen Gegenstand und auch hier kann man auf eine Formulierung aus dem Aufsatz zurück greifen:</p>
<blockquote><p>&#8220;Die Freiheit, alles kaufen zu können und über Zahlungskraft und Nachfrage die Produzentin oder die Dienstleisterin über ihr Gewinnstreben in die richtige Richtung zu lenken, mag für Märkte von privaten Gütern ein attraktives Leitbild sein, taugt jedoch nach weitverbreitetem Wissen nicht für politische Institutionen. &#8230; Auch lässt sich fragen, ob, wenn der Kunde König sei, der Dienstleister Untertan zu sein habe. &#8230;&#8221; S.113)</p></blockquote>
<p>Die Autoren sprechen sich für das &#8220;Leitbild der verantwortlichen Teilnahme&#8221; aus und genau dieses sehe ich als fruchtbaren konzeptionellen Kern der &#8220;Bibliotheks 2.0&#8243;-Bewegung.</p>
<p>Das Wort &#8220;Kunde&#8221; impliziert in seiner aktuellen, personalisierten Verwendung unglücklichweise nicht mehr seine ursprüngliche etymologisch auf das &#8220;Bekanntsein&#8221; fußende Bedeutung, sondern die des Käufers. Ein Kunde ist jemand, der in einem Geschäft als Käufer bekannt ist, also immer wieder mal am selben Ort eine Ware oder Dienstleistung gegen Entgelt in Anspruch genommen hat. Dies erschwert m.E. die Übertragung des Ausdrucks auf den Bereich der Bibliotheken ungemein, weckt es doch bei vielen &#8211; besonders Außenstehenden &#8211; den Eindruck, die Bibliothek wäre ein Dienstleistungsgeschäft wie andere kommerziell betriebene auch. Als Kollektivgut kann sie dies aber nicht sein.</p>
<p>Vielleicht steht hinter der Verschiebung der Bezeichnung vom Nutzer vom Kunden auch der Gedanke, dass sich damit besser das Gestaltungsrecht des Bürgers besser kommunizieren lässt. Zu wenig berücksichtigt wird dabei jedoch, dass damit auch ein Konsumanspruch in den Vordergrund tritt und bestimmte stadtkulturelle Funktionen der Stadtbibliothek in der Wahrnehmung zurückdrängen. Nach meinem Verständnis lässt sich die Institution Bibliothek &#8211; genauso wie der Stadtpark &#8211; nicht nur auf eine Dienstleistungsfunktion reduzieren und jede Kommune täte gut daran, dies einerseits zu realisieren und andererseits ihre Bürgerschaft zu vermitteln.</p>
<p>Insofern leistet der Gedanke, Eintrittsgelder zu erheben, um damit Einnahmen für Haushalt zu gewinnen, der Stadtkultur eher einen Bärendienst. Zugangsbeschränkungen reduzieren den Raum, der als &#8220;öffentlich&#8221; wahrgenommen wird. Die Bibliothek erscheint verschwindet in der Wahrnehmung als Kollektivgut und erscheint in gewisser Weise als Konsumraum, in dem nicht Bürger als Bürger Nutzungsrecht hat, sondern er dann, wenn er zahlt und dadurch Kunde wird, &#8220;König&#8221; ist.</p>
<p>Wenn beispielsweise die Stadtbibliothek Magdeburg für „für 1 Tag Bibliotheksbenutzung ohne Entleihung“ 2 Euro berechnet (vgl. <a href="http://www.magdeburg.de/index.phtml?La=1&amp;sNavID=115.37&amp;ffmod=tx&amp;ffmod=tx&amp;object=tx|37.1991.1|37.7.1">hier</a>), dann bietet sie nunmal kein „vielseitiges Angebot für alle Bürgerinnen und Bürger“ (vgl. <a href="http://www.magdeburg.de/index.phtml?La=1&amp;sNavID=115.37&amp;ffmod=tx&amp;ffmod=tx&amp;object=tx|37.1812.1|37.7.1">hier</a>), sondern für die &#8211; wie umfänglich auch immer &#8211; exklusive Gruppe derer, die bereit sind  diese zwei Euro für einen Tag Stadtbibliothek auszugeben. Will man dabei den Zugangspreis dennoch halbwegs allgemeinverträglich gestalten &#8211; was bei den 2 Euro in Magdeburg sicher auch mitschwingt &#8211; rechnet es sich offensichtlich kaum. Dies gilt jedenfals für Parkanlagen, wie die Autoren darstellen,  da der „Beitrag […] nicht zu hoch veranschlagt werden [sollte], zumal der Tarif, des hohen Wertes der sozialen Kultur wegen, sozial verträglich gestaltet sein muss. Damit verschlingt die Erhebung der Eintrittsgelder einen erheblichen Teil der eigenommenen Gelder. Den eigentlichen Nutzen von Eintrittsgeldern kann man hingegen in der erzeugten Wertschätzug und in der Eindämmung von Vandalismus sehen.“ (S. 109f.) Eintrittsgelder haben also eher ein Wirkung im Bereich der Schadensabwehr (wie z.B. auch Überziehungsgebühren), was aber für öffentliche Bibliotheken in Hinblick auf den reinen Zugang kaum ein relevantes Argument sein dürfte.</p>
<p>Natürlich kann man argumentieren, dass eine Bibliothek ohnehin nur einen Bruchteil der Stadtbevölkerung erreicht, der hier postulierte allgemeine Anspruch also eher Augenwischerei ist. Aber es geht m.E. auch nicht um die tatsächliche Nutzung, sondern um die potentiell mögliche Nutzung. Bibliotheken sind, wie Stadtparks oder auch ein, zwei oder drei Opernhäuser, Teil der Stadtkultur, haben also Effekte, die über ihre Kernfunktion hinausweisen. Entsprechend sind sie nicht marktfähig:</p>
<blockquote><p>„Das Dilemma ist, dass einerseits Stadtkultur das Leben in der Stadt erst lebenswert macht und ihre Bürger freundlich stimmt, andererseits Kultur gegenüber anderen Leistungen der Kommune für ihre Bürger, im Bewusstsein vieler gegenüber anderen dringenderen Aufgaben nachrangig erscheint.<br />
Würden jedoch die Güter „Theater“, „Schule“, „Park“ [und „Bibliothek“] auf einem Markt gehandelt, so würden Angebot und Nachfrage zu Preisen führen, die großen Teilen der Bürgerschaft den Zugang de facto verwehren würden. Stadtkultur, in dem Sinne, dass alle in der Stadt daran teilnehmen können, würde aufgelöst. Mit dieser Kultur verschwänden Gemeinsamkeiten, die Freundlichkeit und Friedlichkeit in einer Stadt erst ermöglichen. Die Stadtkultur würde in viele „Teilkulturen“ zerfallen, fragmentiert werden. Öffentliche Parks sind sinnstiftend für die gemeinsame Stadtkultur: Darin liegt eine wesentliche Begründung ihres Unterhalts.“ (S. 97)</p></blockquote>
<p>Für die Bibliotheken gilt dies ähnlich, auch wenn das Argument der „Sinnstiftung“ häufig etwas untergeht, besonders, da man es im Gegensatz zu konkreten Ausleihzahlen schwer messen kann. Allerdings liegt genau hierin das Potential für Bibliotheken. Da das Subsystem &#8220;Kommune&#8221; Teil des &#8220;Gesamtsystems&#8221; Gesellschaft ist, lässt sich die Wirkung eines gut ausgebauten öffentlichen Bibliothekswesens nicht nur auf stadträumliche und -kulturelle Effekte reduzieren, sondern wirkt gesamtgesellschaftlich. Der Bundespräsident hat in seiner <a href="http://www.bundespraesident.de/-,2.641428/Festrede-von-Bundespraesident-.htm">Weimarer Rede</a> sehr allgemeinverständlich darauf hingewiesen:</p>
<blockquote><p>Die öffentlichen Bibliotheken sind weder ein Luxus, auf den wir verzichten könnten, noch eine Last, die wir aus der Vergangenheit mitschleppen: sie sind ein Pfund, mit dem wir wuchern müssen.</p></blockquote>
<p>Notwendig scheint es, dies stärker als bisher zu verankern und wo nötig Kommunen bei der Einrichtung, Erhaltung und Entwicklung des Kollektivgutes &#8220;Bibliothek&#8221; zu unterstützen. Schade ist, dass Horst Köhler in seiner Rede den Bildungsaspekt für Jugendliche ins Zentrum rückte:</p>
<blockquote><p>Die Chance zur kulturellen Teilhabe, dass heißt der Zugang zu Kunst und Kultur, zur Geschichte und zu wissenschaftlichem Denken, ist das Recht eines jeden Heranwachsenden.</p></blockquote>
<p>Denn eigentlich sollte dies das Recht jedes Bürgers sein.</p>
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		<item>
		<title>Die &#8220;Bibliothek 2.0&#8243; in der deutschen Wikipedia: Vorschlag einer Neudefinition.</title>
		<link>http://kontext.edublogs.org/2007/03/15/bibliothek-20-in-der-wikipedia-vorschlag-einer-neudefinition/</link>
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		<pubDate>Thu, 15 Mar 2007 21:25:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ben</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bibliothek]]></category>
		<category><![CDATA[Bibliothekswissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Library 2.0]]></category>
		<category><![CDATA[Trends]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich habe mir gerade in der deutschsprachigen Wikipedia die Definition zu &#8220;Bibliothek 2.0&#8243; angesehen und war kurz davor, diese zu ändern. Da diese Änderung jedoch sehr grundlegend ausfallen würde und ich auch noch keine absolut gelungene Formulierung parat hab, bastel ich erst einmal hier daran herum und stelle meinen Entwurf zur Diskussion.
Die aktuelle Definition lautet:
Bibliothek [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich habe mir gerade in der deutschsprachigen Wikipedia die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bibliothek_2.0">Definition zu &#8220;Bibliothek 2.0&#8243;</a> angesehen und war kurz davor, diese zu ändern. Da diese Änderung jedoch sehr grundlegend ausfallen würde und ich auch noch keine absolut gelungene Formulierung parat hab, bastel ich erst einmal hier daran herum und stelle meinen Entwurf zur Diskussion.</p>
<p>Die aktuelle Definition lautet:</p>
<blockquote><p><strong>Bibliothek 2.0</strong> (Übersetzung des englisches Begriffes Library 2.0) ist ein nicht fest definiertes Modell für eine modernisierte Form der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bibliothek" title="Bibliothek">Bibliothek</a>, in dem noch stärker der benutzerorientierte Service im Vordergrund steht.</p>
<p>Das Konzept der Bibliothek 2.0 lehnt sich dabei an die Idee des <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Web_2.0" title="Web 2.0">Web 2.0</a> an und folgt einigen der gleichen zugrundeliegenden Philosophien. Dieses schließt Online-Services, wie den Gebrauch von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/OPAC" title="OPAC">OPAC</a>-Systemen (elektronischen Katalogen) und einen erhöhten Fluss von Informationen der Benutzer zurück an die Bibliothek ein. Bei der Bibliothek 2.0 werden Bibliotheksdienstleistungen ständig aktualisiert und neu bewertet, um Bibliotheksbenutzern den bestmöglichen Service zu bieten. Die Bibliothek 2.0 versucht auch, die Bibliotheksbenutzer an dem Design und der Implementierung von Bibliothekdienstleitungen durch verstärktes Feedback und Teilnahmemöglichkeiten teilhaben zu lassen. Anhänger dieses Konzeptes erwarten, dass das Modell der Bibliothek 2.0 den traditionellen Service, der Bibliotheken für Jahrhunderte gekennzeichnet hat und der nur in eine Richtung ging, ersetzt.</p></blockquote>
<p>Dass wir es mit einem &#8220;<strong>nicht fest definierten Modell</strong>&#8221; zu tun haben, ist eine durchaus wichtige Feststellung, die man um die Formulierung &#8220;z.T. umstritten&#8221; ergänzen könnte. Ungeklärt ist in meinen Augen vor allem, welche Merkmale zur Begriffsbestimmung heran gezogen werden können, da man bei all dem, was so unter Bibliothek 2.0 bzw. Library 2.0 eingeordnet wird, ziemlich viel Web 2.0 und Dienstleistungstheorie findet, die allerdings auch im Bibliothekswesen nicht so ganz neu ist.</p>
<p>Mein Vorschlag: <em>Der Begriff der <strong>Bibliothek 2.0 </strong>ist bislang nicht eindeutig definiert und beinhaltet zum Teil kontrovers diskutierte Konzepte und Vorstellungen.<br />
</em></p>
<p>Problematisch wird es bei &#8220;<strong>modernisierte Bibliothek</strong>&#8220;, wobei wir hier auf etwas stoßen, was ich in Anlehnung an Walt Crawfords sehr erhellende und sehr umfassende <a href="http://cites.boisestate.edu/v6i2a.htm">Diskursanalyse</a> als typischen &#8220;Crawford-Manichäismus&#8221; bezeichnen möchte, denn er stellt an Michael Casey und einigen anderen die damit verbundene Problematik einer impliziten Zweiteilung der Perspektive auf die Bibliothek heraus. &#8220;Modernisiert&#8221; bedeutet, dass die vorhergehende Bibliotheksform, &#8220;Bibliothek 1.0&#8243;, grundsätzlich modernisiert werden muss, also unmodern ist. Dies ist in einer solchen Absolutheit natürlich völliger Unsinn. Auch wenn nicht alle Bibliotheken auf dem neuesten technischen Stand sind und im Vergleich zu den <em>Public Librarie</em>s in den USA eventuell den Dienstleistungsgedanken nicht flächendeckend so verinnerlicht haben, wie man es sich wünscht, ist diese pauschale Aburteilung als &#8220;unmodern&#8221;, auch wenn sie indirekt geschieht, absolut haltlos.<br />
Die andere Variante wäre die, dass man davon ausgeht, dass die Bibliotheken schon mit der ersten Einführung des Dienstleistungsgedanken zur Bibliothek 2.0 geworden sind und die jetzige Bezeichnung einfach nachträglich aufgebügelt wird. Dann bleibt aber die Frage, ob man tatsächlich den &#8220;2.0&#8243;-Zusatz benötigt oder ob man nicht einfach von einer dienstleistungsorientierten Bibliothek (z.B. im Gegensatz zu einer Repräsentationsbibliothek)  sprechen sollte. &#8220;Zweinull&#8221; wäre für mich in diesem Zusammenhang überflüssig.</p>
<p>Mein Vorschlag:<em> &#8220;modernisiert&#8221; streichen.</em></p>
<p>Nun die Passage: &#8220;<strong>in dem noch stärker der benutzerorientierte Service im Vordergrund steht</strong>&#8220;. &#8220;Noch stärker&#8221; ist völlig aussagelos, da der Grad der Steigerung nur im Vergleich feststellbar ist und sollte mit dem recht unscharfen &#8220;noch&#8221;  m.E. in Definitions- oder Beschreibungsansätzen  grundsätzlich nicht verwendet werden. Denn es müsste in diesem Fall ein Bibliotheksmodell oder etwas anderes existieren, bei dem der Service allgemein <em>stärker</em> und eines, bei dem der Service <em>nicht so stark</em> im Vordergrund steht, geben. Also vielleicht: &#8220;<em>das grundsätzlich auf &#8230; ausgerichtet ist&#8221;.</em></p>
<p><strong>&#8220;benutzerorientierter Service&#8221;</strong> ist ein Pleonasmus, jedenfalls kann ich mir keinen benutzerangewandten Service (in der Theorie) vorstellen. Also vielleicht: <em>den Benutzer und seine Vorstellungen, Wünsche, Erwartungen</em>.</p>
<p>Ähnliches gilt für den zweiten Absatz, d.h. das Ziel des &#8220;bestmöglichen Service&#8221;, welches für mich für eine zeitgemäße Bibliothek ein Allgemeinplatz sein sollte und deswegen keiner expliziten Erwähnung bedarf.<br />
<strong><br />
&#8220;Das Konzept der Bibliothek 2.0 lehnt sich dabei an die Idee des <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Web_2.0" title="Web 2.0">Web 2.0</a> an und folgt einigen der gleichen zugrundeliegenden Philosophien.&#8221;</strong></p>
<p>Darüber, dass sich Elemente und Prinzipien des Web 2.0 in der Bibliothek 2.0 wieder finden, herrscht weitgehend Konsens. Die gegebene Formulierung ist mir allerdings zu schwammig. Vielmehr sollte man genau benennen, um welche Elemente es sich handelt und was die ominösen &#8220;gleichen zugrundeliegenden Philosophien&#8221; sind.</p>
<p>Mein Vorschlag: <em>Das Konzept der Bibliothek 2.0 greift auf bestimmte, dem so genannten Web 2.0 zugeschriebene  Grundprinzipien wie Partizipation, Kollaboration, Interaktion bzw. einfach Zwei-Wege-Kommunikation zurück. Diese wurden durch die weite Verbreitung rückkopplungsfähiger und auf Vernetzung ausgerichteter Kommunikationstechnologien, besonders durch so genannte Soziale Software, zu einem allgemeinen Kommunikationsphänomen im Internet.</em> (Das kann vielleicht auch etwas weniger &#8220;gestelzt&#8221; ausdrücken, auf die Schnelle ist mir aber die Präzision wichtiger, als die geschmeidige Formulierung&#8230; Vorschläge zur Reformulierung sind  jederzeit willkommen.</p>
<p><strong>&#8220;Dieses schließt Online-Services, wie den Gebrauch von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/OPAC" title="OPAC">OPAC</a>-Systemen (elektronischen Katalogen) und einen erhöhten Fluss von Informationen der Benutzer zurück an die Bibliothek ein.&#8221;</strong></p>
<p>Soweit ich sehe bezieht sich die Umsetzung der Bibliothek 2.0 bislang vorwiegend auf die Implementierung von Web 2.0-Funktionalitäten in Webangebote von Bibliotheken. Online-Services werden daher nicht <em>eingeschlossen</em>, sondern <em>sind</em> das hauptsächliche Anwendungsfeld. OPAC-Systeme, die als &#8220;Online Public Access Catalogue&#8221; nicht zwingend identisch mit elektronischen Katalogen sind, spielen dabei zwar eine Rolle, bedürfen meiner Meinung nach an dieser Stelle aber keiner gesonderten Erwähnung. &#8220;Ein erhöhter Fluss von Informationen der Benutzer zurück an die Bibliothek&#8221; findet natürlich nicht nur auf elektronischem Weg statt, sondern traditionell in jeder guten Einrichtung auch von Angesicht zu Angesicht oder telefonisch oder über Umfragen auf Papier etc.<br />
Halbwegs neu an der Bibliothek 2.0 ist allerdings, dass es nun abgesehen von der e.mail-Kommunikation auch andere digitale Rückkopplungsformen gibt und vor allem, dass  nun relativ aufwandsarm technische Möglichkeiten einrichtbar sind, mittels derer Besucher ohne Serverzugriff und Quellcodebearbeitung auf einfache Art und Weise Seiteninhalte gestalten und &#8211; z.B. über Folksonomies und andere Formen &#8211; zu vernetzen. Man kann also in Ergänzung zu oder als Ersatz von Webseiten, Webplattformen schaffen, die einen hohen Interaktionsanteil aufweisen. Den Satz selbst würde ich in dieser Form weglassen und den Kerngedanken des &#8220;Rückfluss&#8221; an anderer stellen unterbringen.</p>
<p><strong>Bei der Bibliothek 2.0 werden Bibliotheksdienstleistungen ständig aktualisiert und neu bewertet, um Bibliotheksbenutzern den bestmöglichen Service zu bieten. </strong></p>
<p>Den <em>bestmöglichen Service</em> habe ich schon oben als allgemein erwartbaren Anspruch an eine zeitgemäße Bibliothek benannt. Im Nachtrag ist zu erwähnen, dass das, was &#8220;bestmöglich&#8221; bedeutet, selbstverständlich von Fall zu Fall und von Zielgruppe zu Zielgruppe konkret zu ermitteln ist. Ebenfalls selbstverständlich sollte es sein, dass die Angebote regelmäßig &#8211; genau wie die Bestände &#8211; aktualisiert und auf ihren Sinn im jeweiligen Kontext geprüft werden.<br />
Zur Bibliothek 2.0 zählt diess in meinen Augen weniger, als zur Bibliotheksarbeit an sich und ich bin mir &#8211; Achtung: &#8220;Crawford-Manichäismus&#8221;- sicher, dass dies auch schon vor Web und Bibliothek 2.0 als Ideal am Bibliotheksdienstleistungshimmel geschrieben stand.  Da es also kein spezifisches Merkmal der Bibliothek 2.0 darstellt, erscheint mir auch dieser Satz als überflüssig.</p>
<p><strong>Die Bibliothek 2.0 versucht auch, die Bibliotheksbenutzer an dem Design und der Implementierung von Bibliothekdienstleitungen durch verstärktes Feedback und Teilnahmemöglichkeiten teilhaben zu lassen.</strong></p>
<p>Das kommt dem, was für mich den Kern der Bibliothek 2.0 ausmacht, relativ nahe, jedoch gab es auch dies natürlich über Bibliothekar-Nutzer-Dialoge bereits lange vor dem WWW (2.0). Der engagierte Bibliothekar sprach natürlich schon immer mit seinem Nutzer und aus diesem Gespräch erfuhr er mehr oder weniger direkt, wo es klemmt und wo nicht, was der Nutzer sich wünscht und was er ganz prima findet. Neu ist vermutlich, dass eine solch umfassende Mitgestaltungsmöglichkeit (und womöglich -verpflichtung) der Benutzer ins Grundverständnis der Bibliotheken Einzug hält. Konkret betroffen sind nach meiner Wahrnehmung bislang jedoch &#8211; wenn überhaupt &#8211; die digitalen Bibliotheksumgebungen.</p>
<p>Was mir allerdings an dieser Stelle in der Wikipedia-Definition grundsätzlich fehlt, ist die Betonung  des &#8220;Plattform-Charakters&#8221;, d.h., dass die traditionell Benutzer-Bibliothekar-Kommunikation um die Möglichkeit der Benutzer-Benutzer-Kommunikation ergänzt wird, bei der z.B. mittels <em>Social Bookmarking</em> eine direkte Benutzer-Benutzer-Vernetzung möglich ist.</p>
<p>Diese Plattformen sind nach meiner Vorstellung analog zu den Web 2.0-Prinzipien <em>personalisiert </em>zu denken: Sie dienen denn Nutzer als persönliche Einstiegspunkte in die digitale<em> Bibliotheksumwelt</em>, von denen aus sie sowohl die Kommunikation mit den Bibliothekaren und anderen Nutzern, wie auch die eigenständige Organisation und Verwaltung des eigenen Rezeptionsverhaltens hinsichtlich der Bibliotheksbestände und Informationsangebote der Bibliothek steueren. Die damit einhergehende Konsequenz ist eine zunehmende &#8220;Bemündigung&#8221; des Nutzers, und damit auch eine zunehmende Selbstverantwortung. Die damit verbundenen Folgen sind heute allerdings kaum abzuschätzen und bieten entsprechend reichlich bibliothekswissenschaftliche Forschungs- und Entwicklungsmöglichkeiten/-notwendigkeiten&#8230;</p>
<p>Mein Vorschlag: <em>Die Bibliothek 2.0 bindet Bibliotheksbenutzer grundsätzlich in die Gestaltung und Entwicklung besonders von digitalen Dienstleistungen mit ein. Das Plattformprinzip beinhaltet interaktive Nutzerschnittstellen und offene Kommunikations- und Vernetzungsmöglichkeiten.</em></p>
<p><strong> Anhänger dieses Konzeptes erwarten, dass das Modell der Bibliothek 2.0 den traditionellen Service, der Bibliotheken für Jahrhunderte gekennzeichnet hat und der nur in eine Richtung ging, ersetzt. </strong></p>
<p>Abgesehen davon, dass ich nicht grundsätzlich von einer traditionellen Einkanalbibliothek ausgehe &#8211; wenigstens Anschaffungsvorschläge werden schon lange Zeit eingesammelt &#8211;  glaube ich, dass es nicht das Ziel sein muss, den traditionellen Service grundsätzlich zu ersetzen, sondern, dort wo er funktioniert beizubehalten, dort wo es hakt zu verbessern und dort, wo es sich anbietet, durch neue Service-Angebote zu ergänzen.</p>
<p>Mein Vorschlag: <em>Anhänger des Konzeptes </em>(zu denen ich mich in gewisser Weise auch zähle) <em>gehen davon aus, dass mit der Bibliothek 2.0 die traditionellen Service-Angebote um neue Formen ergänzt werden.</em></p>
<p>Was haben wir nun? Wenn ich alles zusammenaddiere komme ich folgenden eher Beschreibungs- als Definitionsvorschlag:</p>
<blockquote><p>Der Begriff der <strong>Bibliothek 2.0 </strong>ist bislang nicht eindeutig definiert und beinhaltet zum Teil kontrovers diskutierte Konzepte und Vorstellungen. Konsens herrscht weitgehend, dass die Bibliothek 2.0 grundsätzlich auf den Benutzer und seine Vorstellungen, Wünsche, Erwartungen ausgerichtet ist.</p>
<p>Einigkeit besteht ebenfalls überwiegend dahingehend, dass die Bibliothek 2.0  auf bestimmte, dem so genannten Web 2.0 zugeschriebene  Grundprinzipien wie Partizipation, Kollaboration, Interaktion bzw. einfach Zwei-Wege-Kommunikation zurückgreift. Diese wurden durch die weite Verbreitung rückkopplungsfähiger und auf Vernetzung ausgerichteter Kommunikationstechnologien, besonders durchdie  so genannte <em>Soziale Software</em>, zu einem allgemeinen Kommunikationsphänomen im Internet.</p>
<p>Ein offensichtlicher Grundbestandteil der Bibliothek 2.0 ist die grundsätzliche Einbindung des Bibliotheksbenutzers in die Gestaltung und Entwicklung besonders von digitalen Dienstleistungen. Das Plattformprinzip beinhaltet interaktive Nutzerschnittstellen und offene Kommunikations- und Vernetzungsmöglichkeiten.</p>
<p>Anhänger des Konzeptes  gehen davon aus, dass mit der Bibliothek 2.0 die traditionellen Service-Angebote der Bibliotheken um neue Formen ergänzt werden.</p></blockquote>
<p>Gut genug für die Wikipedia? Anregungen, Kritik, Korrekturen u.ä. sind mir sehr herzlich willkommen.</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Wir Cybernauten: Ein paar Gedanken zur Bibliothek als &#8220;content architecture&#8221;.</title>
		<link>http://kontext.edublogs.org/2007/01/25/wir-cybernauten-ein-paar-gedanken-zur-bibliothek-als-content-architecture/</link>
		<comments>http://kontext.edublogs.org/2007/01/25/wir-cybernauten-ein-paar-gedanken-zur-bibliothek-als-content-architecture/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 25 Jan 2007 13:45:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ben</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bibliothek]]></category>
		<category><![CDATA[Bibliothekswissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Kommentar]]></category>
		<category><![CDATA[Library 2.0]]></category>

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		<description><![CDATA[Damit das Unterfangen dieses persönlichen Fachblogs nicht völlig abstürzt, gibt es das folgende Fundstück aus dem heutigen Webrundflug und meinen dazugehörigen Assoziationen hier und nicht etwa im Multi-User- und Multi-Reader-IB.Weblog:
Momentan weilt der BBC Nachrichtenchef Richard Sambrook mit einer ganzen Reihe von anderen herausragenden Medienvertretern im schönen Davos beim Weltwirtschaftsforum (WEF) und rapportiert in seinem Weblog [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Damit das Unterfangen dieses persönlichen Fachblogs nicht völlig abstürzt, gibt es das folgende Fundstück aus dem heutigen Webrundflug und meinen dazugehörigen Assoziationen hier und nicht etwa im <em>Multi-User</em>- und <em>Multi-Reader</em>-<a href="http://weblog.ib.hu-berlin.de/" title="ib.weblog">IB.Weblog</a>:</p>
<p>Momentan weilt der BBC Nachrichtenchef Richard Sambrook mit einer ganzen Reihe von anderen herausragenden Medienvertretern im schönen Davos beim <a href="http://www.nzz.ch/2007/01/24/il/newzzEXC7FJDZ-12.html">Weltwirtschaftsforum</a> (WEF) und rapportiert in seinem Weblog <a href="http://sambrook.typepad.com/sacredfacts/">SacredFacts</a>. Im <em>Media Leaders Council </em><a href="http://sambrook.typepad.com/sacredfacts/2007/01/digital_futures.html">geht es besonders</a> um ein Thema, was uns aus dem Bibliothekswesen recht vertraut klingt:</p>
<blockquote><p>The discussion is about how media companies can adapt to the internet&#8230;</p></blockquote>
<p>Auch wenn es im Geschäft der Medienindustrie sicher um andere Zielstellungen geht (Umsatz, Rendite etc.), sitzen die beiden Arten von &#8220;Content Providern&#8221; gewissermaßen in einem Boot. Denn beide fürchten ein bisschen darum, ihre Zielgruppen zu verlieren und bei beiden beobachtet man mitunter entweder eine mehr oder weniger drastische Verweigerungshaltung oder übertriebenes Adaptionsverhalten. Der Axel Springer Vorstandschef Mathias Döpfner bringt es schön flockig auf den Punkt:</p>
<blockquote><p> &#8220;We must be careful not to commit suicide for fear of dying&#8221;.</p></blockquote>
<p>Entsprechend gilt es &#8211; im Bibliothekswesen wie im Medienbusiness &#8211; Ruhe zu bewahren, ein bisschen auf Distanz zu gehen und dann zu versuchen Trends und Gestaltungsmöglichkeiten zu erkennen. Und genau zu diesem Aspekt, den Trends, zitiert Richard Sambrook etwas überaus Merkenswertes:</p>
<blockquote><p>&#8220;The challenge isn&#8217;t content anymore. It&#8217;s organising it, the architecture of content is the new challenge.&#8221;</p></blockquote>
<p>Da sollten eigentlich ganz schöne Zeiten für die im Bibliothekswesen geschulten <em>Information Professionals</em> anbrechen, ist doch ein Kernbestandteil ihres Wirkens nicht anderes, als die Architektur von Inhalten, was man traditionell als &#8220;Sacherschließung&#8221; bezeichnet. Eine Klassifikation und noch greifbarer eine Aufstellungssystematik sind exzellente Beispiele für die inhaltsarchitektonischen Strukturprinzipien. Die Schwierigkeit, die ich dabei sehe, ist allerdings die, dass sich Bibliotheken in der Vergangenheit häufig auf die Statik des Gebäudes konzentrierten und erst an zurückgesetzter Stelle mit der &#8220;Behaglichkeit&#8221; befassten. Ich denke, das was die Nutzer als Bewohner dieses großen &#8220;Hauses&#8221;, dem man manchmal &#8220;Weltwissen&#8221; ans Türschild schreibt, wollen, ist sowohl eine statische Zuverlässigkeit, die dafür sorgt, dass die Architektur nicht im <em>Information Overkill </em>über ihren Köpfen zusammenstürzt als auch, dass die Atmosphäre  auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten leicht und so bequem als möglich bewohnbar ist.</p>
<p>Da sich hier dank Web 2.0 bzw. Library 2.0 besonders seit dem letzten Jahr in gewisser Weise ein Mentalitätswandel in den Bibliotheken zu vollziehen scheint und Aspekte wie Nutzerpartizipation  (oder wenigstens -freundlichkeit) in das Zentrum der Aufmerksamkeit in die Fachwelt drängen, sehe ich für das Bibliothekswesen eigentlich alles andere als schwarz. Die Lösung scheint mir in der Idee der strukturellen Zweigleisigkeit zu fahren: Einerseits die Stabilität im Hintergrund im Sinne von entsprechenden intellektuellen und vielleicht auch irgendwann semantisch automatisierten Erschließungsverfahren und im Vordergrund ein flexibel an den &#8220;Geschmack&#8221; der Benutzer anpassbares <em>Interface </em>(als virtueller Arbeits- oder auch Wohnort), in welchem eine Vielzahl von eigenen Ausgestaltungsmöglichkeiten wie z.B. die Erschließung über<em> Folksonomies</em>, Kommunikation mit den näheren und entfernteren Nachbarn und letztlich auch die eigene Produktion von <em>Content</em> gegeben sind.</p>
<p>Vorläufer und Ideen dafür gibt es schon allerhand, nur wäre es schön, wenn es gelänge, diesen weitgehend dezentralen Prozess an einer Stelle immer mal wieder zu <em>clustern</em>. Dahinter steht nicht das Bedürfnis nach Zentralismus, sondern die täglich neu gemachte Erfahrung einer begrenzten rezeptiven bzw. kognitiven Verarbeitung dessen, was in diesem Bereich geschieht, zumal es eine doppelte Ernüchterung gibt: Einerseits darüber, was man immer wieder redundant wahrzunehmen und auszusortieren gezwungen ist und andererseits darüber, was man trotz allem Bemühen übersieht.<br />
Ich denke, dass dies generell im Bereich der <em>Content</em>-Architektur ein Hauptfeld der bibliothekarischen Arbeit sein sollte: aus dem rhizomatischen Ganzen, in dem sich die unzähligen Fäden aus Information bzw. Content miteinander verknüpfen und verknoten, Cluster zu isolieren und Zugangskanäle zu schaffen, die zwar flexibel, aber nicht beliebig und damit nahe am Verrauschen sind. Wir werden sehen, welche Rolle der anstehende <a href="http://www.bid-kongress2007.de/">Bibliothekskongress</a> in dieser Richtung übernehmen kann.</p>
<p>Anders als der kommerzielle Journalismus, der seine &#8220;Inhaltsarchitektur&#8221; vorwiegend dahingehend gestalten muss, dass sie auch gut verkaufbar ist, sehe ich es als Aufgabe der bibliothekarischen Arbeit sowohl für die Wissenschaft wie auch für die Öffentlichkeit, allgemeine Optimalstrukturen zu schaffen, die den Benutzern den jeweils passenden und schnellen Zugang zu den jeweils relevanten &#8220;Räumen&#8221;, d.h. Informationen und Inhalten zu eröffnen.</p>
<p>Gerade um dieses Optimum, d.h. die Mitte zwischen dem Rauschen der Überkomplexität und dem Verrauschen in der Banalität, zu erkennen, bedarf es der partizipativen Einbindung der Benutzer in dieses System aus der eine Art elaborierter Rückkopplungsprozess resultiert. Der Bibliothekswissenschaftler/Bibliothekar wird in diesem in gewisser Weise kybernetischen Modell zum modernen <em>Kybernetes</em>, d.h. Steuermann, der die Entwicklung des Systems bzw. der auf ihm aufgesetzten Angebote (möglichst unauffällig) lenkt und koordiniert. Durch Technologien wie die des <em>semantic web </em>erhält er die Möglichkeit, Routinen zu automatisieren und kann seine Aufmerksamkeit stärker z.B. auf die Folgen seiner &#8220;(cyber)nautischen&#8221; Manöver lenken.<br />
Denn als Steuermann (oder eben Schiffsbaumeister) übernimmt er eben auch Verantwortung für die, die sich auf seine Fertigkeiten verlassen. Selbstverständlich betrifft dieser berufsethische Aspekt  wieder die Bibliothekare wie die Medienproduzenten gleichermaßen: <em>Welche Inhalte machen wir wie zugänglich</em>? Die Beantwortung dieser Frage ist mehr als ein Forschungsgebiet für die <em>Usability</em>, hier zeigt sich die (potentielle) gesellschaftliche Wirkmächtigkeit, in der es meiner Meinung nach auch darauf ankommt, dass die Bibliotheken den Inhalten gegenüber interessenlos (alles ist potentiell relevant) einen neutralen allumfassenden Versorgungsanspruch zu realisieren versuchen, was auch als Gegenentwurf zu den nach kommerziellen Gesichtspunkten ausgewählten Zugangsstrukturen der Medienindustrie zu verstehen ist, zumal sich Bibliotheken und Medienunternehmen dem oben zitierten <em>Statement</em> zufolge in gewisser Weise ähnlicher zu werden scheinen.</p>
<p>Dies alles vor Augen erscheint es schade, dass eine Vielzahl der Impulse, die momentan die &#8220;Gestaltungsnormen&#8221; der &#8220;Content Architektur&#8221; prägen, nicht aus dem bibliothekarischen Bereich kommen. Von ihrem grundsätzlichen Aufgaben- und Tätigkeitsfeld liegen Bibliotheken als tradtionelle &#8220;Architekten durch Inhaltserschließung&#8221; mehr denn je &#8220;im Trend&#8221;.  Allerdings könnte man meiner Meinung nach die Innovationsfreudigkeit und besonders die Bereitschaft, dem Nutzer selbst mehr Gestaltungsmöglichkeiten einzuräumen, weitaus mehr intensivieren. Wenn man hier nachlegt und sichtbarer wird, würde es mich nicht wundern, wenn irgendwann in nicht allzuferner Zukunft auch Vertreter des Bibliothekswesens als Trendsetter und Experten beim <em>WEF Media Leaders Council</em> in Davos anwesend sind.</p>
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		<title>Bemerkungen zu 3 Thesen von Susanne Riedel (BIB)</title>
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		<pubDate>Tue, 27 Jun 2006 20:06:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ben</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bibliothek]]></category>
		<category><![CDATA[Kommentar]]></category>
		<category><![CDATA[Sonstiges]]></category>
		<category><![CDATA[Susanne Riedel]]></category>

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		<description><![CDATA[In der Ausgabe 06/2006 von BuB findet sich auf der Seite 479 ein kleiner lila farbener Kasten, in dem drei Thesen wiedergegeben sind, die die BIB-Vorsitzende Susanne Riedel auf dem letzten Bibliothekartag im Kongresszentrum am Dresdner Elbufer in Hinblick auf Rolle und Bedeutung der Bibliotheken in Deutschland äußerte.
 
These 1: „Bibliotheken sind so vielfältig wie ihre [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In der Ausgabe 06/2006 von BuB findet sich auf der Seite 479 ein kleiner lila farbener Kasten, in dem drei Thesen wiedergegeben sind, die die BIB-Vorsitzende Susanne Riedel auf dem letzten Bibliothekartag im Kongresszentrum am Dresdner Elbufer in Hinblick auf Rolle und Bedeutung der Bibliotheken in Deutschland äußerte.<br />
 </p>
<p>These 1: „Bibliotheken sind so vielfältig wie ihre Kunden“<br />
These 2: „Bibliotheken benötigen qualifiziertes Personal“<br />
These 3: „Bibliotheken sind intergraler Bestandteil des Bildungssystems“<br />
 </p>
<p>Ein wenig irritierend ist für mich die Erkenntnis, dass sich meine Vorstellungen von dem, was die Bibliothek sein soll, nicht so recht mit dem Geäußertem decken wollen.<br />
 </p>
<p>Zur These 1 „Bibliotheken sind so vielfältig wie ihre Kunden“<br />
 </p>
<p>Die Verwendung der Bezeichnung „Kunde“ halte ich, das als Einstieg, für unpassend. Kundschaft steht synonym für Käuferkreis, der Kunde ist jemand der „ein Geschäftsangebot wahrnimmt“ (Pfeifer, W.: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen. 4. Aufl., München, 1999, S. 744). Hier wird sofort die Box der Analogie zum Wirtschaftsunternehmen geöffnet, die uns die Pandora des „Effizienzmanagement“, welche durch so manche bundesdeutsche Amtsstube reitet, hinterlassen hat, die aber die Bedeutung der Bibliothek absolut verkennt. Eine Bibliothek lässt sich nicht in Hinblick auf Rendite verwalten: sie wird immer, besonders wenn sie ihrer Aufgabe einer Versorgung der Allgemeinheit mit Information, die letzterer bei der Bewältigung des individuellen Alltagslebens in einer Informations- oder Wissensgesellschaft hilft, gerecht werden möchte, ein Kostenfaktor sein. Sie kostet immer richtig viel Geld und das lässt sich auch durch ein paar Euro Gebühren für Zugang bzw. Bestseller- oder DVD-Ausleihe nicht kompensieren. Von den Bibliotheksnutzern Geld zu verlangen ist eine hilflose und ungeschickte Entwicklung, die letztlich vermutlich mehr kostet (nicht in Euro abrechenbar), als sie einbringt (in Euro abrechenbar).<br />
 </p>
<p>Sollte obendrein irgendwann ein Schwellenwert in der Einnahmenhöhe erreicht werden, der tatsächlich einen „wirtschaftlichen“ (d.h. sich rechnenden) Betrieb der Einrichtung ermöglicht, wird dieses auch für private Anbieter interessant und es werden Geschäftsmodelle entstehen, die als Konkurrenz zur Bibliothek stehen und diese dann einfach locker ablösen – schlicht weil Bibliothekare (und Kommunalpolitiker) im Normalfall keinerlei Nähe zur tatsächlichen McK(insey)-Dynamik (in Bereichen wie Marketing, Marktanalytik etc.) aufweisen. Hier werden immer andere Akteure schneller, radikaler, direkter handeln.<br />
 </p>
<p>Zudem ist es eine ethische Frage: Wie das Beispiel der Staatsbibliothek zu Berlin zeigt, werden durch die Gebührenerhöhungen bestimmte Nutzergruppen schlicht von einer Nutzung ausgeschlossen. Es gibt tatsächlich Personen, für die 25 EURO Bibliotheksnutzungsgebühr eine Nutzungshürde darstellen. Hier arbeitet man ganz kräftig in die Richtung der Verbreitung eines <em>Knowledge Gaps</em>, was man vulgärsozialdarwinistisch als normale Erscheinung abhaken kann, was aber dennoch moralisch höchst bedenklich ist. Für eine demokratische Gesellschaft mit sozialem Anspruch, wie sie die Bundesrepublik Deutschland darstellen möchte, ist der (fahrlässige) Ausschluss von Bevölkerungsgruppen von der Teilhabe an der Informations-, Wissens- und Kommunikationsgesellschaft über kurzsichtige Entscheidungen im Bereich des Bibliotheksbudgetmanagements sowohl seitens der Träger wie auch der Häuser selbst, schlicht unwürdig. Die Öffentlichen Bibliotheken verspielen, sobald sie hier ausschließend wirken, in meinen Augen ihre Existenzberechtigung.<br />
 </p>
<p>Die Erläuterungen von Frau Riedel zur ersten These sind eher enttäuschend:<br />
 </p>
<blockquote><p>„Bibliotheken haben die Herausforderung der neuen Informations- und Kommunikationstechnologien frühzeitig und vor allem offensiv angenommen und erfolgreich bewältigt.“</p></blockquote>
<p> </p>
<p>Gerade vor dem Hintergrund der Virtualisierung menschlicher Kommunikationsumwelten wirkt dies doch etwas dick aufgetragen. Nimmt man das <em>Web 2.0</em> und die sich daraus ergebenen Möglichkeiten einer <em>Library 2.0</em> zum Maßstab, so hängt das deutsche Bibliothekswesen – bis auf wenige positive Ausnahmen – im Schnitt sicher einige Jahre hinter den technischen Möglichkeiten hinterher. Zudem ist das Grundprinzip des Geschehens offensichtlich gar nicht realisiert worden: die Herausforderung ist nicht bewältigt und abgeschlossen „und Punkt“, sondern sie stellt sich eigentlich fast täglich neu. Das rückschauende Sich-Selbst-auf-die-Schulter-Klopfen ist hier wunderbarer Ausdruck des Missverstehens der Entwicklungen in der Webgemeinschaft. Wichtiger, als sich ein paar CD-ROMs verkaufen zu lassen, wäre es eigentlich, hier noch stärker eine Position als Anschluss- oder Schnittstelle zwischen den heterogenen Nutzerschichten und der virtuellen „Wissens-Netzwerk-WWW-Gesellschaft“ auszubauen. Dass man sich 2006 – wie im Text zitiert – noch jubilierend die Integration von Video und DVD und Elektronischen Zeitschriften in die Bestände vorträgt, zeigt leider, dass hier nicht so radikal in die Zukunft gedacht wird, wie es eigentlich einem BIB anstehen würde. In der digitalisierten/digitalen Informationsumwelt relativiert sich das Erscheinungsbild des Datenträgers und statt sich beispielsweise der Erwerbung von DVDs zu rühmen, sollte man vielleicht bereits heute beginnen, sich darauf einzustellen, dass die Videodaten in wenigen Jahren sicher eher zentral auf Severn bereitliegen und im Zweifelsfall <em>On-Demand</em> auf eine Blue-Ray-Disc o.ä. gebrannt oder auf entsprechende Wiedergabegeräte gestreamt werden. Das Buch natürlich, das vielgeliebte, wird sicher länger überleben als die VHS-Kassette und länger als die DVD (oder auch die HTML-Seite). Aber auch hier wird die digitale Verfügbarkeit von Texten früher oder später zu <em>On-Demand</em>-Lösungen führen, wobei das Ausgabemedium auch ein Buch sein kann. Statt Vielfalt von „statischen“ Medien wird, so nehme ich an, die Zukunft von Flexibilisierung der Ausgabemöglichkeiten bestimmt sein. Dies kann auch der Druck auf Feinstleinenpapier mit Ledereinband sein. Muss es aber nicht.<br />
 </p>
<p>Gegen die These 2 „Bibliotheken benötigen qualifiziertes Personal“ lässt sich an sich nicht viel einwenden. Allerdings fällt das Eigentor gleich bei der Erläuterung:</p>
<blockquote><p>„Im Mittelpunkt bibliothekarischer Arbeit steht nicht die Beschaffung, Erschließung und Bereitstellung von Medien, sondern der Umgang mit Menschen, die mit ganz unterschiedlichen Erwartungen, Wünschen und Problemen in die Bibliotheken kommen.“</p></blockquote>
<p>Natürlich ist die Bibliothek ein sozialer Ort, ein Treffpunkt u.ä. – aber dieser Anspruch überfordert wohl die kontaktfreudigsten Mitarbeiter. Die Bibliothek, so wie ich sie sehe, muss gerade die Informationsmenge sammeln, in ihrer Erscheinungskomplexität reduzieren, Informationsqualität absichern und entsprechend kompetent auf Informationsbedürfnisse(!) aber nicht auf „Erwartungen, Wünsche und Probleme“ an sich reagieren. Die Bibliothek ist weder Kulturhaus noch Selbsthilfegruppe. Sie ist ein Filter und eine Schnittstelle zwischen den Nutzern mit ihren Bedürfnissen und der Dynamik und Pluralität publizierter Information. (Erstaunlicherweise wird in den Erläuterung stillschweigend im Gegensatz zur These 1 auch im Originaltext vom „Kunden“ zum „Nutzer“ zurückgeschwenkt. Eventuell versteht Frau Riedel die beiden Termini auch als synonym – ich tue das nicht.) Dass hier nach der Ausbildung nicht Schluss mit der Kompetenzentwicklung der Bibliotheksmitarbeiter sein darf, wird sicherlich richtig betont, obwohl es eigentlich auch eine Selbstverständlichkeit darstellen sollte.<br />
 </p>
<p>Die These 3 „Bibliotheken sind integraler Bestandteil des Bildungssystems“ ist dahingehend problematisch, dass man zwar die „PISA-Hysterie“ prima nutzen kann, um hier schnell in die Nische zu springen und sich als unabdingbar zu manifestieren, dass sich hier andererseits aber eine gewisse Realitätsferne offenbart. Auch hier bleibe ich bei meinem Standpunkt, dass Bibliotheken eher als Schnittstellen zwischen Nutzer und Information agieren müssen und weniger selbst Bildungsaufgaben übernehmen sollten. Sie sind per se keine Schulen und auch keine Nachhilfezentren: sie bieten den Zugang zu Information. Dies kann in Kooperation mit Schulen geschehen (und ist vielleicht sogar wünschenswert), eine solche Zusammenarbeit ist aber nicht Existenzbedingung. Sinnvoller wäre es obendrein, so meine ich, Bibliotheken gleich als Schulbibliotheken in die Bildungseinrichtungen zu integrieren.</p>
<p>Ich glaube nicht, dass Bibliotheken – außer als politisch vielleicht einzig möglichen Schachzug – ihre Legitimation auf diesem Wege suchen sollten. Bibliotheken sind in meinen Augen eher eine Form von „Infrastruktureinrichtung“, die genauso wenig eine Berechtigung aus ihrer grundsätzlichen Bedeutung für die Öffentlichkeit schöpfen kann. Ihrer Unabdingbarkeit in einer (post-google) Wissensgesellschaft liegt eigentlich auf der Hand, ihre gesellschaftliche Bedeutung ebenfalls. Notwendig ist allerdings eine weitaus progressivere und offensivere Arbeit jenseits von zumeist eher hilflosen Konzepten, die einerseits ein verkehrtes Verständnis von „Wirtschaftlichkeit“ (inklusive der zumeist hochnotpeinlichen Versuche der Imitation von Marketingstrategien aus der freien Wirtschaft) und andererseits ein hilfloses Greifen nach dem Strohhalm „Bildungsmisere“ darstellen.<br />
 </p>
<p>Es gibt viel Potential in den Bibliotheken und sicher lassen sich Überschneidungen mit den Bereichen Bildung und Kultur häufig und produktiv nutzen. Jedoch ist die Bibliothek weder eine Bildungs- und Kultureinrichtung, sondern in erster Linie Bibliothek. Ihre Aufgabe ist es, der Öffentlichkeit als ein Anschlussstück an die Vielfalt verfügbarer publizierter Information zu dienen. Dabei sollten komplexitätsreduzierende und informationsqualitätssicherende Aspekte, also die Konzeption der Zugänglichmachung der publizierten Information für die Nutzer, im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen. Hier – und nicht in der Bildung und auch nicht im Kulturmanagement liegen die genuinen Kernkompetenzen der Bibliotheken. Genau dessen sollte man sich m.E. stärker bewusst werden.</p>
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