Mit vierteljährlicher Regelmäßigkeit schickt mir Fraunhofer-Gesellschaft ihr Forschungsmagazin, was ich nicht als erstes lese, wenn ich die Post sichte, aber ganz gern mal in der S-Bahn, zumal man, nachdem sich der "Souverän" (wer es in diesem Fall auch immer sein mag) durchgesetzt hat und die Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung überzeugte, die FAZ schnellesiger zu gestalten, was zwar trotz der eher grotesken Argumentation Werner D'Inkas jedenfalls für mich unverständlich bleibt und völlig überflüssig war, aber am Ende mehr Zeit für das Fraunhofer Magazin u.ä. lässt. Außerdem ist so Forschungsmagazin in der Regel etwas schneller an den aktuellen Entwicklungen dran, als es die Wissenschaftsteile der Tageszeitungen sein können.

Mit sehr großem Interesse habe ich natürlich sofort den Beitrag "Werkzeuge für das Web 3.0" (hier als PDF), in dem es um das THESEUS-Programm  - von dem nicht jeder viel hält - geht, das mit keinem geringen Ziel im Titel auszieht, als einer "neuen internetbasierten Wissensinfrastruktur". Nur kann und sollte man vom Branding eines Projektes nicht zwingend auf die Qualität schließen. Aber das, was geschildert wird, verspricht auf jeden Fall eine Menge. So findet sich unter dem Programmpunkt ALEXANDRIA - eine Endnutzer orientierte Wissensplattform folgende Beschreibung:

Das Forschungsvorhaben widmet sich auch der Frage, auf welchem Wege sich von Experten aufgebaute Ontologien mit so genannten Folksonomies verknüpfen lassen. Folksonomien sind durch gemeinschaftliches Indexieren erstellte Sammlungen von Tags. Dabei stehen Forschungsarbeiten zur einfachen und intuitiven Nutzbarkeit einer solchen Plattform, zur Überprüfung und Erhöhung der Informationsqualität der verfügbaren Informationen und zum Management einer aktiven Alexandria Community im Vordergrund.

Damit würde man ein elementares Desiderat der Bibliothek 2.0 aufgreifen. Was bedauerlicherweise ins Auge fällt, ist, dass bis auf die Deutsche Nationalbibliothek soweit ich es überblicke keine weiteren bibliothekarischen oder bibliothekswissenschaftlichen Akteure beteiligt sind. Das ist insofern bedauerlich, als man eigentlich annehmen sollte, dass vor dem Hintergrund der genuinen Aufgabe von Bibliotheken bzw. der Dokumentation bei der Beschreibung und Zugänglichmachung von Dokumenten hier durchaus die Chance bestanden hätte, die Bibliotheken nicht nur als Nachnutzer von Innovation, sondern als Mitgestalter einzubinden.

Im Zentrum des THESEUS-Programms stehen semantische Vernetzungsmöglichkeiten - also das Web 3.0 - wobei die Verknüpfung über die Metadaten erfolgt. Ein Teil der Projekte ist auf die automatische Metadatengenerierung ausgerichtet (vgl. auch hier, Punkt a), wovon man sich beispielsweise konkret in der Medizin bei der Auswertung von Computertomographie aufnahmen viel erhofft (vgl. Anwendungsszenario Medico). In Anbetracht der Tatsache, der prospektiv großen Bedeutung z.B. der Digitalmikroskopie (hier ein Beispiel) in der medizinischen (und biologischen etc.) Forschung steht hier vielleicht eine kleine Revolution bei Nutzung bildgebender Verfahren ins Haus. Dass solche diese Bilderkennungsmöglichkeiten irgendwann auch bei Flickr auftauchen und endnutzerfreundlich die Erschließung der eigenen Digitalfotosammlung ermöglich ist sicher nur eine Frage der Zeit.

Die Mitwirkung der Bibliotheken bezieht sich dagegen - fast möchte man sagen: dem Klischee entsprechend - auf den Aspekt des besseren Bewahrens und Verfügbarmachen des Bewahrten:

"Bibliotheken, Sendeanstalten, Archive und Museen stehen vor der Herausforderung, digitale Kulturgüter einem beitem Publikum zugänglich zu machen."


1

heißt es im Text des Magazins. Die Bibliothek bleibt als Sicherer des kulturellen Vermächtnis. (Anwendungsbeispiel CONTENTUS - Sicherung Kulturerbe) Ihre mögliche aktive Rolle in der Wissenschaftskommunikation oder in Hinblick auf spezielle (nicht für das "breite Publikum") Informationsbedürfnisse findet dagegen keine explizite Beachtung. Nicht dass diese Aufgabe der Sammlung und (Langzeit)Archivierung nicht hoch ehrenswert und sehr notwendig ist. Aber eigentlich sollten m.E. Bibliotheken (2.0) über den Umgang mit Artefakten hinaus weitaus direkter in die Koordination wissenschaftskommunikativer Strukturen eingebunden agieren. Die Frage, wie man neu publizierte wissenschaftliche Erkenntnis möglichst in Echtzeit, wenigstens zeitnah, mit Metadaten erschließt und idealerweise semantisch verknüpft, um die Wissenschaft mit entsprechenden hoch aktuellen Zugängen zur Forschungsliteratur und vielleicht auch Rohdaten zu versorgen, scheint mir momentan durchaus zentral für die Bibliothekswissenschaft.


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Das Internet erodiert in gewisser Weise die Vorstellungen vom abgrenzbaren Dokument, wie es die Monographie oder der Zeitschriftenaufsatz waren. Es ist/wird nun möglich, Textschnipsel, Bilder, Einzelaussagen, Formeln etc. aus den Texten zu extrahieren und neu zu Hyperdokumenten zu kombinieren, die anfragenspezifisch erzeugt werden. Das ist ein schöner Vorteil der Verknüpfung, der Nachteil ist allerdings, dass der menschliche Nutzer u.U. bei gänzlicher Auflösung jeder für ihn erkennbaren Grenze - "lost in hyperspace" - seine Rezeptionsgewohnheiten erfahrungsgemäß nicht im Gleichschritt mit den technischen Möglichkeiten umstellen kann. Die sich hier ergebende Herausforderung, die wiederum ebenfalls auch für die Bibliotheken und die Bibliothekswissenschaft zentral erscheint, ist die Frage nach der "Form" der entsprechenden Schnittstellen zwischen Mensch und Maschine. Welche Form müssen die (personalisierten) Dokumente aufweisen, um optimal für den Erkenntnisprozess nutzbar zu sein? Wohl dem, der neben der Bibliothekswissenschaft auch ein bisschen Wahrnehmungspsychologie studieren konnte...

Aber auch dafür gibt es im THESEUS-Programm einen Baustein, der den schönen Namen "ORDO - Ordnung digitaler Information" trägt:

Im Rahmen des Anwendungsszenarios ORDO sollen durch Erforschung und Entwicklung von semantischen Technologien neue Dienste und Softwarewerkzeuge entstehen, die dem Benutzer eine übersichtliche und mühelose, weil automatisch erstellte, Ordnung seiner gesamten digitalen Informationen ermöglichen. Eine hohe Skalierbarkeit ermöglicht die problemlose Verarbeitbarkeit sehr großer Datenmengen und deren grafische Visualisierung als Wissensmodell. Im Gegensatz zu bestehenden Lösungen ermöglicht die personalisierte Verknüpfung der Inhalte eine einheitliche Ordnung unstrukturierter und strukturierter Daten, so dass ein effizientes, individuelles Wissensmanagement möglich wird.

Dass (subjektiv empfundene) Übersichtlichkeit wirklich kausal mit der automatischen Generierung einhergeht, wie das Zitat suggeriert, bezweifle ich, bis ich durch Anschauung belehrt werde. Aber die Stoßrichtung ist klar und ebenso, dass die Fantasie der Bibliothekswissenschaftler sich doch sehr rotieren muss, um irgendetwas in ihrem Metier zu finden, was nicht potentiell unter Theseus subsumiert wird.

Es wird also eng, für die deutsche Bibliothekswissenschaft innerhalb dieser Forschungsziele, die allerdings zunächst hauptsächlich den STM-Bereich zu bedienen scheinen, denn bis die argumentativen und interpretativen Wissenschaften in ganzer Tiefe ebenfalls mit Web 3.0-Technologie befriedigend erschließbar und visualisierbar sind, müssen auch die Maschinen noch sehr viel lernen. Für das Retrieval potentiell relevanter Quellen werden sich die Ergebnisse des THESEUS-Programms selbstverständlich aber auch ganz gut nutzen lassen. Was bleibt unserem Fach also außer einer fachlich fundierten kritischen technik- und wissensphilosophischen Begleitmusik?

Wenn denn tatsächlich die gesamte entworfene Palette von ALEXANDRIA bis TEXO wie geplant verwirklicht wird, kann man vermutlich die Virtuellen Fachbibliotheken ganz neu aufrollen. Wo man heute kaum etwas, aus dem Bereich des Web 2.0 findet, erscheint eine Umstellung auf das Web 3.0 als eine noch ganz andere Herausforderung. Ich selbst finde mich gerade ein bisschen ratlos ob der Frage, wie Bibliotheken und Bibliothekswissenschaft mit den Trends, die an ihnen etwas vorbeizugehen scheinen, umgehen. Vielleicht ist eine Möglichkeit, die Entwicklung des maschinenbezogenen Web 3.0 tatsächlich weitgehend anderen Experten zu überlassen und sich erst einmal auf das Web 2.0 und die analog nummerierte "Bibliothek" zu beziehen. Zusätzlich wäre es in der Tat vielleicht nicht verkehrt, dass Geschehen um eine reflektive Ebene zu erweitern. Die Bibliothekswissenschaft könnte im Erkennen der Geschehnisse und im Entwickeln von Folgeszenarien für die Nutzer, in informations- oder wissensethischen Fragestellungen und auch in Strukturfragen hinsichtlich der von Gesellschaft und Wissenschaft mit den sich eröffnenden wissensinfrastrukturellen Möglichkeiten eine Perspektive finden. Verstehen, Kommentieren und Vermitteln - diese drei Pfeiler sind m.E. eine Option, die übrigens auch das Formulieren von Entwicklungszielen und das Aufzeigen von Leerstellen beinhaltet.

Unter dem, was häufig als "Bibliothek 2.0" bezeichnet wird, verbirgt sich eine Facette, die Theseus zwar berührt ("Im Fokus stehen dabei Verfahren des Text- und Multimediamining, die qualitätsgesteuert Änderungen durch den Benutzer zulassen."), dies allerdings nur von der technischen Seite und auf die Vernetzung von Nutzer und Inhalt bezogen. Die Facette der Sozialen Software, die kollaboratives Arbeiten fördern und Individuen - unter welcher Zielstellung auch immer - vernetzen soll, ist hier vielleicht implizit enthalten, könnte aber für die bibliothekswissenschaftliche Forschung weitaus stärker in den Vordergrund rücken. Die Inhalte sind dabei das Mittel zum Zweck. Wenn man dafür dann keine "Universalbibliographie" nebst Vollmedienzugriff entwickelt hat, dafür aber den Nutzer nicht nur als Informationsnutzer sondern als - auch in der Wissenschaft - von Mensch zu Mensch Kommunizierenden begreift und diese Richtung stärker ausbaut, wäre auch einiges (an Profil) zu gewinnen.

Sehr traurig wäre es jedoch, wenn die Mythologie am Ende eine analoge Umsetzung findet. Nimmt man das Bild der Bibliothek von Babel eines Borges als Labyrinth und stellt man sich den Bibliothekar in diesem als Minotaurus vor (und den Nutzer als athenisches Jungvolk), so kann man sich leicht ausmalen, was mit dem Eindringen des Theseus in dieses mit dem Web 3.0 als Ariadnefaden so alles geschehen kann.

Bei Dürrenmatt ließt man übrigens folgende erstaunliche Überlegung zum Thema:

Daß alle neun Jahre sieben Jünglinge und sieben Jungfrauen von Minos ins Labyrinth geschickt wurden, daran läßt sich nicht zweifeln, wohl aber an der Weise, wie sie den Tod gefunden haben sollen. Natürlich lag es nahe, Minotaurus als ihren Mörder zu betrachten, wenn ich nicht so recht überzeugt bin, so nur, weil die Unmöglichkeit aus dem Labyrinth zu entweichen, der Möglichkeit entspricht, in sein Inneres zu gelangen: Minotaurus konnte weder fliehen noch gefunden werden, auch von seinen Opfern nicht. Möglich, daß diese, einmal ins Labyrinth eingedrungen, manchmal das bald ferne, bald nahe Brüllen des Stiermenschen vernommen haben, aber auf ihn werden sie nie gestoßen sein. Das wochenlange Herumirren und die ständige Furcht, doch auf die Bestie zu stoßen, wird sie aber ermattet oder in den Wahnsinn getrieben haben; vielleicht daß sich die sieben Jünglinge und die sieben Jungfrauen selbst zerfleischten, nach und nach; ... (Dürrenmatt, Friedrich: Labyrinth Turmbau Stoffe I-IX. Zürich: Diogenes, 2002 S. 92)

Alles nur ein Missverständnis? Immerhin hätte hier vielleicht mehr Dialog zwischen dem Stiermenschen, den Jünglingen und Jungfrauen die Tötung durch Theseus, der dadurch eine endgültig verwaiste Labyrinthstruktur zurücklies, zugunsten einer fruchtbareren Lösung verhindert.... Soviel zur mythologischen Überspitzung einer realen Beobachtung.

Ich werde noch ein wenig mehr über die mögliche Rolle und die möglichen Forschungsfelder, der Bibliothekswissenschaft nachdenken und hoffe, mit dieser Beschäftigung nicht allein zu sein. Dringend notwendig erscheint mir auch gerade am Berliner Institut eine intensive(re) Fortsetzung der begonnenen Profilierung des Faches. Auch hier gilt: Mehr Dialog bzw. Diskurs wäre hilfreich. Die vor ein paar Jahren konkret aufgeworfene Frage "Bibliothekswissenschaft - quo vadis?" ist für mich jedenfalls noch nicht befriedigend beantwortet.

Posted by Ben on October 9, 2007
Tags Bibliothekswissenschaft, THESEUS, Web 2.0, Web 3.0

Total comments on this page: 4

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Meinbrodt on paragraph 9:

Ich finde den letzten Satz dieses Absatzes (”Wohl dem, der neben der Bibliothekswissenschaft auch ein bisschen Wahrnehmungspsychologie studieren konnte”) sehr zentral, deutet er doch ein Dilemma der Bibliothekswissenschaft an, hinsichtlich ihrer Möglichkeiten relevante Forschungsfelder für sich zu finden oder zu besetzen.

Die “Bibliothekswissenschaft” hat meiner Meinung nach eine sehr universalistische, praktische Ausrichtung. Sprich es wird zum einen von allem ein bisschen (”Wirtschaft, Informatik, Marketing, Ethik, Philosophie, Soziologie, Design usw.) vermittelt und zum anderen wird der Anwendungscharakter des vermittelten Wissens sehr stark betont.

Man wird also a) nicht dazu angeleitet bzw. inspiriert irgendwelche Forschungsfragen zu stellen und b) wird das profunde Wissen, dass es dazu brauchen würde, ebenfalls nicht vermittelt. Zwar besteht kein Zweifel daran, dass man es sich aneignen könnte, jedoch sind dies hohe Hürden.

Dann überläßt man es dann lieber einem Designer, der sich hauptamtlich mit Informationsdesign beschäftigt, Antworten auf die Frage zu finden, welche Form ein personalisiertes Dokument aufweisen müsste, um den größtmöglichen Erkentnisprozess auszulösen.

Soweit erstmal … Grüße

Matthias

October 17, 2007 12:02 am
Ben on paragraph 9:

Dass die Vermittlung bibliothekswissenschaftlicher Methodologie gemeinhin etwas unschärfer ausfällt, als in anderen Wissenschaften, kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Die darauf nicht selten folgende Anschlussverwirrung des dieses Fach Studierenden ebenso: es ist nicht leicht eine bibliothekswissenschaftliche Identität vermittelt zu bekommen.

Andererseits erscheint es mir nicht unmöglich, eine solche (selbst) zu entwickeln und wer sich Teile der internationalen Forschungsliteratur anschaut, wird auch einige Ansätze entdecken. Ich gehöre in keinen Fall zu den Vertretern, deren Argumentation darauf abzielt, den Aspekt “Bibliothek” in der LIS völlig zu streichen und sich gänzlich auf den weitaus schwammigeren Begriff der Informationswissenschaft festzulegen. Die Bibliothek als Institution und Wissenschaft besitzt durchaus Zukunftschancen, diese jedoch nicht zwingend.

Ich denke, ein schwerwiegender Fehler war es, dass die Tendenzen die in der Entwicklung der Dokumentation spätestens seit dem frühen 20. Jahrhundert sichtbar wurden, so wenig ernst genommen wurden. Gräbt man sich heute durch die Arbeiten beispielsweise von Vordenkern wie Paul Otlet, findet man Etliches vorgedacht, was - bis hin zum Semantic Web - nun ganz überraschend auf der Agenda steht. Allein aus diesen Arbeiten hätte sich m.E. schon seit ein paar Jahrzehnten ein progressives Wissenschaftsprogramm entwickeln lassen können. Leider wurden jedoch - und dies galt auch z.B. für die Curricula am Institut der Humboldt-Universität - Dokumentation und Bibliothekswesen dort drastisch getrennt gehalten, wo die Synthese wirklich fruchtbar gewesen wäre.

Zur Frage nach der generellen Wissenschaftlichkeit des Faches habe ich mich an anderer Stelle ausführlicher geäußert und nach wie vor bin ich der Auffassung, dass eine reflektierende, methodologische Diskussion notwendig ist. Die Basis für eine akademische Disziplin liegt für mich dabei in den hier im Absatz 14 genannten reflektierenden Ansätzen. Im Gegensatz zu Matthias sehe ich also gerade die ständig betonte “praktische Ausrichtung” aus Hemmschuh. Die Bibliothekswissenschaft benötigt eine zeitgemäße theoretische Fundierung, wie sie z.B. - um nur einen Punkt zu nennen - in einer Überkreuzung der den wissenschaftlichen Output messenden Verfahren (”Szientometrie”) mit der qualitativen Untersuchungen der jeweiligen Wirkungen des Outputs (u.a. mittels Diskursanalyse) geschehen könnte.

Grundsätzlich notwendig - wenn auch in unserem Fach sehr schwierig - ist eine flexibleres Verständnis der fachlichen Abgrenzungen: Es geht nicht darum, “von allem ein bisschen” sondern von allem, dass für die Forschungsfragen des Faches relevante aufzugreifen. Andere Fächer haben dabei weitaus weniger Berührungsängste.

Selbstverständlich sieht man sich dabei mit “hohen Hürden” konfrontiert und nicht jeder möchte als Hürdenläufer Furore machen. Sollte man aber wirklich an eine Perspektive für die Bibliothekswissenschaft glauben wollen, scheint es unabdingbar, dass sich wenigstens einige Akteure finden, die bereit sind, sich auf das Wagnis einzulassen.

Dazu zählt auch, nicht zu warten, bis jemand das dafür notwendige “profunde Wissen” vermittelt, sondern einfach auch der Mut, selbst quer- und loszudenken. Allerdings müssen die Rahmenpläne der neuen LIS-Studiengänge dafür dann auch freie Räume und die etablierten fachlichen Strukturen Anschlusspunkte zulassen.

October 18, 2007 9:57 pm

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Andererseits erscheint es mir nicht unmöglich, eine solche (selbst) zu entwickeln und wer sich Teile der internationalen Forschungsliteratur anschaut, wird auch einige Ansätze entdecken.
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Wäre es möglich ein paar Literaturangaben diesbezüglich zu posten?

Bibliothekswissenschaftliche Fragestellungen sind defintiv zahlreiche vorhanden, jedoch wird das Suchen nach Antworten bisher oftmals von anderen Wissenschaften übernommen.

Ich kann bspw. schwer vorstellen, dass es möglich ist, diese Forschungsschwerpunkte aus diesen Disziplinen heraus zu lösen und unter dem Dach der Bibliothekswissenschaft zu vereinigen.

Damit meine ich nicht den Prozess der Reflexion über Forschungsfragen der Bibliothekswissenschaft und ihre entsprechenden Methodiken, sondern eher die Gestaltung der Curricula an den Universitäten und Fachhochschulen.

Derzeit wird von allem ein bisschen vermittelt. Will man aber wirklich als Bibliothekswissenschaftler wahrgenommen werden, der die entsprechenden Forschungsfragen professionell und kompetent beantworten kann, bedarf es meiner Meinung nach einer Spezialisierung der Bibliothekswissenschaft in bestimmte Teildisziplinien, die Vielfalt der Forschungsfragen und Methodiken gerecht werden.

So bedarf es beispielsweise für das Thema der nutzergerechten Gestaltung von Informationsangeboten der Bibliothek ein spezialisiertes Studium, dass sich in seinen Inhalten von Informations- und wissensethischen Fragen unterscheidet. Beides auf einmal unter einen Hut zu bringen (von notwendigen interdisziplinären Verbindungen abgesehen), ohne den Anspruch aufzugeben, mehr als nur Überblicksartiges Wissen zu vermitteln, ist meiner Ansicht nach nicht möglich.

Grüße

Matthias

December 10, 2007 3:31 pm
johannes busse on paragraph 8:

Was ist eine Bibliothek 2.0?

March 18, 2008 4:50 pm
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